Paukenschlag: Schädlich verlässt die AfD

Der bisherige Kreis-Vize und Fraktionschef attackiert seine Partei scharf. Und der AfD-Kreisvorsitzende findet Schädlichs Kritik sogar berechtigt.

Ellefeld.

Die Vogtland-AfD muss gleich mehrere Spitzenfunktionen neu besetzen: Der Ellefelder Thomas Schädlich (60) ist laut eigener Mitteilung "mit sofortiger Wirkung" aus der Partei ausgetreten. Er war stellvertretender Kreisvorsitzender, Chef der AfD/DSU-Fraktion im vogtländischen Kreistag sowie Direktkandidat für den Wahlkreis Vogtland 2, der von Bad Brambach bis Pausa-Mühltroff reicht. Dieser muss nun nachnominiert werden.

In seiner Erklärung rechnet der Arzt scharf mit seiner Partei ab: Statt Fachkompetenz dominierten in der AfD inzwischen "Inkompetenz, Marktschreierei und politische Bettnässerei". Er beklagt einen "Werteverfall". Wer nicht ins Raster passe, werde unter Druck gesetzt, bis er das Handtuch werfe. Mit der verbleibenden "rudimentären AfD" sei ein politischer Aufbruch undenkbar. Die AfD Sachsen bewege sich "rasant" auf das "Level von CDU beziehungsweise FDP 2.0" zu, so Schädlich. Er persönlich halte die AfD im Freistaat nicht mehr für wählbar, sie sei zum "Steigbügelhalter des Altparteienkartells mutiert".

Der Internist hatte es zu deutschlandweiter Bekanntheit gebracht, als er im Herbst 2015 öffentlich erklärte, er lehne die medizinische Behandlung von Ausländern und Flüchtlingen in seiner Praxis ab. Beim AfD-Parteitag in Markneukirchen am vorvergangenen Wochenende war er mit seinen Kandidaturen für Platz 13 und danach Platz 16 der Landtagswahl-Liste gescheitert. Als einziger Vogtländer bekam statt dessen Ulrich Lupart den als sicher geltenden Listenplatz 17. Die "Art und Weise", wie dieses Ergebnis zustande gekommen sei, habe zu seiner Entscheidung beigetragen, so Schädlich am Montag auf "Freie Presse"-Nachfrage. Ob er sich anderswo politisch engagiere, müsse er sich "reiflich überlegen" - erst einmal sei er parteilos.

Schädlich geht davon aus, dass weitere Austritte aus der Vogtland-AfD folgen. Fraktionssprecherin Sarah Händel aus Treuen hatte bereits 2018 Partei und Fraktion verlassen.

Der vogtländische Kreisvorsitzende Steve Lochmann hält Schädlichs Kritik indes für berechtigt und nachvollziehbar: "Ich fühle mich dadurch nicht angegriffen und muss ihm irgendwo recht geben." Er habe persönlich noch versucht, Thomas Schädlich vom Austritt abzuhalten. Nach dem Verlauf des Wahlparteitags in Markneukirchen sei dessen Schritt jedoch verständlich: "Das war der katastrophalste Parteitag, den ich je erlebt habe", sagt Lochmann. Statt einem fachlich kompetenten Vertreter wie Thomas Schädlich entsende das Vogtland nun jemanden, der "nur heiße Luft produziert", kommentiert Kreischef Lochmann den Listenplatz für Lupart.

Seit einem halben Jahr brodele es überall in den sächsischen Kreisverbänden, im Vogtland habe es den Versuch der "feindlichen Übernahme" durch Ex-Mitglieder von "Altparteien" gegeben. Es hielten jedoch viele dagegen, und er versuche, "das Ruder in die richtige Richtung zu halten", so Lochmann. Weitere Austritte seien trotzdem möglich.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
26Kommentare
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  • 3
    5
    Malleo
    21.02.2019

    simpleMan
    Es bleibt Ihnen unbenommen, das so zu sehen.
    Andere sehen es anders.
    Warum schafft wohl Dänemark die Integration von Flüchtlingen als staatliches Handlungsziel- übrigens mit Hilfe von Sozialdemokraten- ab?
    https://www.fr.de/politik/bis-menschenrechtlichen-grenzen-11784353.html
    Mich haben eine Reihe von Menschen in und außerhalb Europas angesprochen, was da ab 2015 in D so abgeht.
    Ein Norweger brachte 2016 einen schönen Vergleich- "Ihr Deutschen benehmt euch wie eine Hippiekolonie auf Hasch."
    Nun, ich behaupte, wir sind inzwischen bei Crystal Meth angekommen.
    https://www.focus.de/familie/erziehung/mehrsprachigkeit-kinder-muessen-zu-hause-nicht-deutsch-sprechen_id_10357405.html

  • 3
    5
    ralf66
    21.02.2019

    @SimpleMan, die AfD hat wohl immer wieder das Thema Flüchtlinge und Ausländer in Deutschland in ihrem Fokus, aber genauso viel schenkt die Partei auch anderen Themen immer immer wieder ihre Zuwendung, dass wird aber übersehen! Übersehen wird nämlich, dass Flüchtlinge und Ausländer im Jahr Milliarden Euro verschlingen, was Sie nicht benennen wollen und deshalb andere innenpolitische Wichtigkeiten, die die AfD auch anspricht, aus Geldmangel auf der Strecke bleiben!

  • 6
    6
    SimpleMan
    21.02.2019

    @Malleo Die AfD ist eine ein Thema-Partei. Sie will glauben machen, dass es ohne Flüchtlinge keine Probleme mehr gibt. Eine andere Agenda kann ich nicht erkennen und dass ist völlig unzureichend um auf die Fragen unserer Zeit, Antworten zu geben.

  • 3
    5
    ralf66
    21.02.2019

    @cn3boj00, es geht bei dem Thema AfD nicht darum, wem etwas politisch gefällt oder wem etwas politisch nicht gefällt, ich mach's mal ganz einfach, alles was die AfD an politischen Themen hervorbringt oder anspricht, wird spätestens seit dem Ende der Ära Kohl, nicht wieder thematisiert oder angesprochen, wird oder soll möglichst tabuisiert werden, dass ist die Norm, der heutigen politischen Denkweise und wer diese Norm nicht einhält, steht weit rechts in der politischen Parteienlandschaft in der heutigen Bundesrepublik.

  • 5
    4
    Malleo
    21.02.2019

    SimpleMan
    ..aber zu behaupten, dass die AfD keine Agenda hat, ist voll normal?

  • 5
    3
    SimpleMan
    21.02.2019

    @Malleo "simpleman,Ihr Name ist Programm. ..." Warum so persönlich. Werben Sie doch lieber für Ihre Standpunkte. Andere Kommentatoren zu beleidigen, ist kein guter Stil.

  • 2
    8
    Malleo
    21.02.2019

    simpleman,Ihr Name ist Programm.
    Schauen Sie doch mal bei der Welt vorbei.
    Sie kommentiert das AfD Programm zur Europawahl als gefährlich gut gemachte Agenda.

  • 7
    4
    SimpleMan
    21.02.2019

    @cn3boj00 Wozu braucht die AfD ein Wahlprogramm. Die Antwort auf alle Fragen, ist doch immer die selbe. Bildung - keine Flüchtlinge, Steuern - keine Flüchtlinge, Klima - keine Flüchtlinge usw.

  • 7
    7
    cn3boj00
    20.02.2019

    @thomboy ich wollte ihrem Rat folgen und das Wahlprogramm für die Sachsenwahl lesen, hab aber keins gefunden. Hat die AfD tatsächlich ein Wahlprogramm?
    Hab nur das Bundespapier gefunden was es schon lange gibt, diese nichtssagende Anhäufung von Allgemeinplätzen.

  • 7
    6
    cn3boj00
    20.02.2019

    @thomboy, welches Parteiprogramm man am besten findet, mag jeder mit seinen eigenen Vorstellungen in Einklang bringen. Es gibt kein "BESTES". Was der eine gut findet ist für den anderen eine Katastrophe. Leider tun AfD - Anhänger sehr oft genau das, was sie ihren Gegnern vorhalten: sie erwarten dass alle das gut finden was sie selber gut finden.
    Und wie eine Partei mit ihren Listenplätzen umgeht ist mir egal. Dieses unwürdige öffentliche Geschacher um die Mandate bei der AfD, das dann noch als Ausdruck der Demokratie belobhudelt wird, ist mir nicht weniger widerlich als die Ränkespiele in anderen Parteien, zeigt es doch vor allem eins: Bei der AfD haben sich jede menge Leute versammelt, die einfach auch nur eine schöne Diät und eine schöne Altersvorsorge wollen, und dafü nicht swie ein paar markige Sprüche oder Twitter Tweets an Kompetenz mitbringen. Über einen Arzt, der sich weigert Patienten zu behandeln, will ich hier gar nicht reden.

  • 7
    10
    thomboy
    20.02.2019

    Blackadder: Schon mal das AfD Parteiprogramm gelesen? Das BESTE aller Parteien zur Zeit.

  • 5
    3
    Zeitungss
    20.02.2019

    @ralf66: Man könnte Ihrer Meinung zu diesem Thema gelegentlich etwas abgewinnen, leider fehlen gangbare Konzepte bei dieser Truppe und was man so von sich gibt, wird mit den falschen "Trägerraketen" verschossen. Über deren "Flugbahn" sollten Sie ernsthaft nachdenken, wie es beim größten Teil der Bevölkerung noch üblich ist. Ich stehe nach wie vor zu meiner Aussage, es ist gegenwärtig NICHTS BRAUCHBARES vorhanden, gleich in welchen Farbspektrum.
    Wenn ich mir diese Führungsriege dieser Deutschland- und Europaverbesserer anschaue, selbst im Vollrausch käme da kein Kreuzchen. Sie haben natürlich freie Wahl, welche ich keinesfalls beeinflussen möchte und auch nicht kann.
    Und wie dem FP-Artikel zu entnehmen ist, ist sich diese "Gemeinschaft" innerlich nicht einmal grün und das auch nicht nur auf das Vogtland begrenzt. Was dort so abgeht, ist eigentlich Futter für jede ordentliche Satiresendung und man gibt sich redlich Mühe zu liefern.

  • 6
    6
    ralf66
    20.02.2019

    @Blackadder, wenn ich das lese, die AfD hat keine Konzepte. Die AfD hat sich meiner Wahrnehmung nach gegründet, um sich einigen Dingen in den Weg zu stellen, wo sie meinen, die laufen in der heutigen Bundesrepublik schief oder falsch, dass sind z.B., die Art und Weise der Europapolitik und die Finanzierung der EU, der Euro als Währung allgemein, die Flüchtlingspolitik, die sogenannte Energiewende oder auch Naturschutz- Umwelt- und Energiepolitik, nur um mal paar Punkte zu nennen. Vorschläge der AfD zu diesen z.B. von mir hier aufgeführten Punkten, also was an der Politik der etablierten Parteien an diesen Punkten fasch gemacht wird, was anders gemacht werden könnte, werden von der AfD immer wieder gemacht, und das sind doch Konzepte, dass Ihnen davon nichts gefällt, heißt noch lange nicht, dass alles was die AfD zu verschiedenen Themen vertritt Mumpitz ist und das ist nämlich das Problem, wenn ich heute sagen würde, alles was politisch von links kommt ist Quatsch, wäre das genau so unrichtig! Das Hauptproblem ist doch darin begründet, mit der AfD soll offiziell jede Zusammenarbeit unterbunden werden, dass gilt nicht nur für besondere heikle Themen wie z.B. die Flüchtlingspolitik, nein, dass gilt auch für Themen wie z.B. die der Sozial-Bildungs- und Wirtschaftspolitik, alles was die AfD politisch versucht, soll unmöglich gemacht werden und wenn möglich als zuweit politisch rechts, für unakzeptabel erklärt werden, mit einem Ziel, die unliebsame Partei wieder los zu werden. Wenn die etablierten Parteien mal auf den Gedanken gekommen wären nachzuprüfen, ob ihre Politik noch stimmig ist, dann gäbe es keine AfD, denn die hat sich nicht unbedingt aus dem Volk gegründet, sondern aus meist schon Politikern, Finanzern und Wirtschaftsvertretern u.a. der CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne und Linke!

  • 6
    9
    Zeitungss
    20.02.2019

    @Mföhlich: Thema verfehlt. Nein, ich orientiere mich nicht an Tagesschau und Heute-Show, dafür allerdings an der Realität, welche Ihnen offenbar fremd ist oder sein muss. Weiterhin kann ich Sie beruhigen, ich sitze nicht hinter dem Ofen und kriege den Hintern nicht hoch, was Ihnen bisher entgangen ist, was allerdings auch keinen Schaden verursacht. Sie dürfen dieser AfN auch weiterhin den Rücken stärken, kein Problem, meinen Segen haben Sie.

  • 14
    5
    Distelblüte
    20.02.2019

    Ein Arzt mit einem fragwürdigen Berufsethos tritt aus der AfD aus, weil ihm diese zu wenig radikal ist. Nun ja, rechts von der AfD gibt es für ihn sicher Möglichkeiten, auch wenn diese politisch bedeutungslos sind.

  • 11
    8
    Mfröhlich
    20.02.2019

    @Zeitungss
    Gehören Sie zu denen, die die sich über alles und jeden erregen, die auch in der Politik alles besser wissen? Die urteilen und verurteilen mit Ihren Erkenntnissen aus Tagesschau und Heute-Show? Die aber dann, wenn es gilt, sich egal wofür zu engagieren, lieber hinter dem Ofen sitzen bleiben?

  • 12
    9
    Mfröhlich
    20.02.2019

    @Blackadder
    Der Parteitag war in Markneukirchen und lief mit über 500 Teilnehmern weitgehend geordnet und diszipliniert ab. Für Unmut sorgten eine zu kurze Buchungsdauer an den Abenden und die Nichteinhaltung von abgestimmten Regeln. Chaotisch war so gesehen überhaupt nichts. Andernfalls wär's nämlich im Fernsehen gekommen, nor?
    Es gab gute und sehr gute Kanddiatenvorstellungen und auch nicht so gute.
    Die politisch mitunter überhöhten Ambitionen eines jeden Bewerbers konnten nun mal nicht erfüllt werden. Manche nehmen es sportlich, manche treten aus und nach.
    Bei politischen Wettbewerbern soll es ja von der Führung gefertigte Listen geben, die dann nur noch abzunicken sind. Das gibt es bei der AfD nicht, statt dessen eine manchmal durchaus sehr lebhafte Diskussion.

  • 8
    10
    Blackadder
    20.02.2019

    @thomboy: " immer noch besser als die Chaostruppen die uns jetzt regieren."

    Worin denn besser? Ich sehe keine Konzepte oder Zukunftsthemen bei der AfD?!

  • 12
    11
    thomboy
    19.02.2019

    Blackadder: immer noch besser als die Chaostruppen die uns jetzt regieren.

  • 5
    9
    ralf66
    19.02.2019

    @Blackadder, mag sein, genau vor mehreren Wahlen 2019 ist in der AfD Streit, ich glaube das war auch zur Bundestagswahl 2017 schon so, verwunderlich?

  • 10
    17
    Blackadder
    19.02.2019

    @ralf66: Text überhaupt gelesen? Der Parteitag in Markkleeberg war organisatorisch eine Katastrophe. Selbst die Grünen in ihren wildesten Zeiten habe das geordneter hinbekommen. Und es ist ja nicht der einzige, der so ablief:

    Schon 2016:
    Listenwahl offenbart Chaos in der AfD
    https://in-gl.de/2016/11/27/listenwahl-offenbart-chaos-in-der-afd-nrw/

    Spaltung in Neukölln:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-bezirke-spaltung-der-afd-in-neukoelln-chaos-aus-kalkuel/21264546.html

    Spaltung in Bawü:
    https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Tiefe-Spaltung-in-der-AfD-400204.html

    Spaltung der JA:
    https://www.n-tv.de/politik/AfD-Nachwuchsverband-steht-vor-Spaltung-article20733167.html

    Streit bei der AfD Niedersachsen:
    http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Niedersachsen/Streit-bei-der-AfD-Niedersachsen-eskaliert

    Und in Hessen:
    https://www.hessenschau.de/politik/erbitterter-streit-zwischen-afd-und-ihrem-ex-schatzmeister,afd-hessen-ex-schatzmeister-100.html

    Und in Bremen natürlich auch:
    https://meedia.de/2019/02/11/entnervt-von-bremer-afd-diktatur-fernsehjournalist-luehrssen-tritt-nach-nur-acht-monaten-aus-der-partei-aus/

    Gibt es irgendeinen Landesverband, der nicht zutiefst zerstritten ist?

  • 11
    16
    Zeitungss
    19.02.2019

    @ ralf66: Ich hatte es in letzter Zeit schon mehrfach angebracht, es ist NICHTS BRAUCHBARES im Angebot und diese Partei kann man nicht einmal als "Notnagel" bezeichnen. Ich glaube, deren Aufgabe als Protestpartei zu fungieren und Dampf abzulassen, ist erfüllt. Die "Leistungskennlinien" und Aktivitäten der etablierten Parteien in der Vergangenheit sind mir durchaus bekannt, was nicht zuletzt mein Verhalten prägt. Ich hätte für die von einigen Bürgern angehimmelte Partei noch einen neuen Namen AfN. (Das N steht für NICHTS).

  • 16
    7
    ralf66
    19.02.2019

    @Zeitungss, dann hätten sie wohl schon lieber die Grünen, wenn die nämlich zum regieren kommen, wie zum Beispiel unter der Regierungszeit von Kanzler Schröder, dann verlassen die ihren politischen Standpunkt völlig!

  • 16
    11
    ralf66
    19.02.2019

    @Blackadder, ziemlich uneinig, sind sich auch immer wieder die Parteien der großen Koalition und die regieren zur Zeit!!!

  • 15
    17
    Zeitungss
    19.02.2019

    Warum soll Sachsen dieser Versuchstruppe ein Spielfeld geben ? Wer es erklären kann, bitte !

  • 16
    18
    Blackadder
    19.02.2019

    Diese uneinige Chaostruppe will Sachsen regieren? Um Himmels Willen!



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