Petra Köpping sieht Nachholebedarf

Wahlen 2019 Bei ihrer Buchvorstellung in Auerbach hat die SPD-Politikerin eine nüchterne Nachwende-Zwischenbilanz für Ostdeutschland geliefert. Und gleichzeitig hat sie Mut gemacht.

Auerbach.

Wie steht es um die Integration Ostdeutscher seit der Wende? Was ist gut gelaufen, wo gibt es noch Nachholbedarf? Mit diesen Fragen machte sich Petra Köpping (SPD), seit 2014 Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, am Montag auf nach Auerbach. Anderthalb Stunden diskutierte sie auf Einladung der vogtländischen SPD-Landtagskandidatin Silvia Wenzel mit 50 Gästen in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche und stellte ihr 2018 erschienenes Buch "Integriert doch erst mal uns!" vor. Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall existiere dank leerer Versprechen seitens der Bundespolitik eine Menge Nachholbedarf, so die Zwischenbilanz. Und vor allem Rede-, Erklärungs- und Aufarbeitungsbedarf.

Köppings Buch erzählt Lebensgeschichten. Von Menschen mit guter DDR-Ausbildung, die plötzlich nichts mehr wert war. Von Menschen, die sich mehr oder weniger erfolgreich selbstständig machten. Von Rentnern, die kaum über die Runden kommen. Von Arbeitern, die trotz gleicher Arbeit weniger verdienen als Westdeutsche. Und von Frauen, die damals den "Fehler" machten, sich scheiden zu lassen. Ja, es gibt den Versorgungsausgleich, sagte Petra Köpping. "Aber nicht für alle." Das Nachsehen hätten mithelfende Ehefrauen und solche, die damals verkürzt arbeiteten. Köpping stammt aus Sachsen, geht mit offenen Augen und Ohren durch das Leben, sucht das Gespräch. Auch bei Pegida-Demonstrationen. Was ihr offen oder subtil entgegenschlägt, sind Enttäuschung, Ängste, Misstrauen und Wut.


Franz Hornung ist "gelernter" DDR-Bürger und selbstständig. Er sitzt für die SPD im Auerbacher Stadtrat und sieht ein wenig Mitschuld bei Ostdeutschen. "Sie haben zu wenig Selbstbewusstsein eingebracht", fand er. "Es ist viel schief gelaufen, aber wir müssen auch an uns selber arbeiten." Köpping teilte seine Ansicht und machte Mut zu mehr politischem Engagement, Bereitschaft zur Demokratie-Mitgestaltung und Nestwärme nach DDR-Vorbild. "Wir müssen uns wieder mehr umeinander kümmern", sagte sie. Und ja, auch Ostdeutsche seien nicht gänzlich ohne Schuld. "Das geht bis hin zu DDR-Produkten, die auch wir nicht mehr gekauft haben." Friedrich Fuchs, Fraktionschef der SPD-Stadtratsfraktion, wollte wissen, wo eigentlich Meinungsfreiheit endet und nahm Bezug auf Beleidigungen und Drohungen gegen Leib und Leben. "Genau dort, wo sie vom Grundgesetz nicht mehr gedeckt wird", entgegnete Petra Köpping. Ein anderer Veranstaltungsgast erkundigte sich, wie Parteien die Jugend erreichen wollen. Einbringen, empfahl sie. "Wenn man Bürgern das Gefühl gibt, sie können mitentscheiden, engagieren sie sich auch mehr."

Service Petra Köppings 203-seitiges Sachbuch "Integriert doch erst mal uns! Eine Streitschrift für den Osten" erschien im Christoph Links Verlag. Es hat die ISBN-Nummer 978-3-96289-009-4 und kostet 18 Euro.

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