Pilzvergiftungen: Vogtländer schwimmen gegen Sachsentrend

Die Verwechslungsgefahr ist mitunter groß. Dies mussten Schwammesammler im Freistaat schmerzhaft erfahren. Im Kreis kennen sich die Menschen dagegen besser aus.

Auerbach.

Ein Blick auf die zugeparkten Waldränder zeigt: es ist Pilzsaison. Wer dieser Tage nach Pilzen sucht, der wird auch schnell fündig: Überall sprießen die begehrten Knollen in Massen aus den Waldböden. Das freut die fleißigen Sammler, birgt aber auch Gefahren. Denn längst nicht jeder Pilz, der auf den ersten Blick essbar scheint, ist es auch. Diese Erfahrung mussten viele im Freistaat machen. Das Giftinformationszentrum in Erfurt meldet für Sachsen dieses Jahr 221 Notrufe zu diesem Thema. Das ist der höchste Wert in zehn Jahren.

Für das Vogtland gilt dies aber offenbar nicht. Bei Karola Bauer, Pilzberaterin in Plauen, kommen die Sammler derzeit zwar im Viertelstundentakt an. Doch trotz der großen Pilzschwemme hat sie wenig Negatives zu berichten. "Ich hatte in diesem Jahr erst zwei Giftpilze. Öfter kommen aber Ungenießbare vor", sagt die Beraterin. Angst hätten viele Pilzsammler wegen des Satanspilzes. Dieser Giftpilz sieht dem Flockenstieligen Hexen-Röhrling ähnlich und verursacht bei Verzehr schwere Magen-Darm-Beschwerden. "Der Satanspilz wächst hier aber so gut wie gar nicht", beruhigt die Expertin.

Beruhigend sind auch die Aussagen der Krankenhäuser im Vogtland. In den Paracelsus-Kliniken Reichenbach sowie Adorf-Schöneck gab es in den vergangenen beiden Monaten nicht eine Pilzvergiftung. Im Klinikum Obergöltzsch in Rodewisch gab es in den vergangenen beiden Monaten vier Verdachtsfälle auf Pilzvergiftungen. Wie das Krankenhaus mitteilte, klagten die Patienten über Übelkeit und Erbrechen. Welcher Pilz die Notlagen verursachte, konnte aber nicht festgestellt werden. "Alle Patienten hatten mehrere Arten gesammelt und auch verzehrt", teilte das Klinikum mit.

Genau davor warnt die Pilzexpertin Karola Bauer. "Die Leute sollten nur einsammeln, was sie ganz sicher bestimmen können", sagt sie. Wer sein Wissen über die Pilze erweitern will, der könne auch ein oder zwei unbekannte Arten mit aus dem Wald holen. "Mit denen sollten sie dann zum Pilzberater gehen und diese bestimmen lassen", rät Bauer. Aktuell gibt es im Vogtland 14 dieser Berater. Ferndiagnosen verweigert die Plauenerin allerdings. Viele Sammler würden versuchen, die gefundenen Pilze per Telefon zu beschreiben. "Wenn ich dann aber nach wichtigen Details frage, wissen viele keine Antwort", sagt sie. Deshalb sei es wichtig, mit den Pilzen auch wirklich zu einem Experten zu fahren. Karola Bauer rät auch davon ab, zu viele Pilze zu essen - gerade abends. "Pilze sind schwer zu verdauen", so ihre Begründung.

Viele Giftpilze verursachen Beschwerden. Doch es geht auch gefährlicher. Der Gelbe Knollenblätterpilz und der Champignon sehen sich sehr ähnlich. Während letzterer ein beliebter Speisepilz ist, kann das Gift des Gelben Knollenblätterpilzes Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Zu unterscheiden sind die beiden Arten nur an der Farbe der Lamellen. Beim Champignon sind diese rosa, beim Knollenblätterpilz weiß. Außerdem haben die Giftpilze einen Ring um den Stiel.

Schon bald aber könnte sich die Verwechslungsgefahr ohnehin erledigt haben. Denn mit dem Wetterwechsel hin zu deutlich kühleren Temperaturen ist auch damit zu rechnen, dass die Anzahl der zu findenden Pilze deutlich zurückgeht. Damit wäre die große Pilzschwämme erst einmal zu Ende.

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