Pioniere des fairen Handels im Vogtland müssen aufgeben

Bis Ende Juni läuft im Weltladen in Rodewisch der Räumungsverkauf. Die sinkende Nachfrage lässt die Betreiber einen Schlussstrich ziehen.

Rodewisch.

Die Tage des Weltladens am Rodewischer Anger sind gezählt. In zweieinhalb Monaten und fast 30 Jahre nach Gründung schließt das Geschäft. "Am 30. Juni ist hier definitiv Schluss", sagte Anne Knorr am Samstag bei einem der Räumungsverkäufe. Die Entscheidung fällt der Familie alles andere als leicht. Jürgen Friedrich und seine Frau Beate waren 1990 vogtlandweit die ersten, die auf den fairen Handel als Konzept setzten.

Ein paar Verkaufstermine soll es bis zum Schlussstrich noch geben. Je nach Zuspruch. Und der hat Anke Knorr zufolge in den letzten Jahren abgenommen. "Anfangs waren zum Beispiel Schnitzereien sehr gefragt", erzählte die Tochter von Inhaber Jürgen Friedrich. "Jetzt kann sie jeder im Internet kaufen. Oder die Leute bringen sie selbst aus dem Urlaub mit." Kurz nach der Wende seien solche Dinge Neuheiten für viele Menschen gewesen, ergänzte er.

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Manchmal kommen Vertreter anderer Weltläden vorbei. Die nächsten gibt es in Plauen und Lengenfeld. "Sie versuchen, etwas auf Kommission zu nehmen", sagte Jürgen Friedrich. Noch ist dem Laden nicht anzusehen, dass bald zugesperrt wird. Die Regale sind voll wie eh und je. Deshalb hoffen Friedrich und seine drei helfenden Töchter, so viel wie möglich verkaufen zu können. Denn wohin mit den Produkten nach der Schließung, das wissen sie derzeit nicht. "Wir werden auch noch auf ein paar Märkte gehen", berichtete Anne Knorr. Auch bei Festen wollen sie ihren Stand aufbauen.

Aus 37 Ländern stammen die angebotenen Produkte. Am häufigsten werden Honig, Kaffee und Tee gekauft. Außerdem sind Schmuck, Kunstgewerbe und Schreibwaren zu haben. Kernziel des Ladenkonzeptes ist es, Herstellern den Hauptteil der Einnahmen zukommen zu lassen.

Seit zwei Jahren läuft der Räumungsverkauf. Damals übernahm Jürgen Friedrich das Geschäft von seiner verstorbenen Frau. Seine Hoffnung: Interessenten finden, die den Laden weiterführen.

Anfang 2019 kündigte die Evangelisch-methodistische Kirche als Hauseigentümer an, den Raum für eigene Zwecke verwenden zu wollen. Mit einer Frist konfrontierte man die Familie nicht. "Das Schließungsdatum haben wir für uns gesetzt", sagte Anne Knorr. Der Gemeinde sind Jürgen Friedrich und seine Töchter trotzdem dankbar: Seit der Öffnung 1993 dürfen sie auf den 15 Quadratmetern mietfrei verkaufen.

Nach wie vor hofft die Familie, dass sich ein Nachfolger findet, der den Weltladen weiterführt. "Ich habe nicht die Kraft", sagte Jürgen Friedrich. Der heute 70-jährige Rentner unterstützte seine Frau viele Jahre. Denn vom Laden leben könne man nicht, sagte Friedrich. "Dafür ist Rodewisch ein viel zu kleiner Ort."

Anderenorts werden Läden für den fairen Handel oft von Vereinen oder Kirchgemeinden betrieben. Aber auch die haben es nicht einfach: Erst in Ende 2018 gab der Weltladen in Zwickau auf.

Der Weltladen Rodewisch, Am Anger 11, hat wieder geöffnet am 27. April, 10 bis 16 Uhr.

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