Rollstühle für Minenopfer

Vor 21 Jahren hat Saboor Rasuli den ersten Hilfstransport in seine alte Heimat Afghanistan geschickt. Jetzt stehen hunderte Medizingeräte bereit.

Auerbach.

Seit Wochen parkte das Auto von Saboor Rasuli im Hof hinter seinem Auerbacher Wohnhaus. Garage und Nebengebäude waren mit belegt mit Hilfsgütern für Afghanistan. 28 Pflegebetten, 15 Bettschränke, vier Krankenliegen, kleineres medizinisches Gerät und drei Fahrräder stapelten sich bis unters Dach. Die 123 Rollstühle standen gefaltet im Freien unter Planen. Am Wochenende wurde nun ein zwölf Meter langer Container für den Schiffstransport beladen.

Die meisten Pflegebetten und Rollstühle stammen von einer Firma aus der Nachbarschaft. Einige Betten hat der Rodewischer Verein Eine Welt mitgegeben, dem Saboor Rasuli angehört. "Eigentlich kriege ich Schrott", zeigt der 58-Jährige Vogtländer afghanischer Herkunft auf ausrangierte Dinge, für die es in Deutschland keine Nutzer mehr gibt. "Das würde weggeworfen werden, ist aber noch gut erhalten." Andernorts sind die ausrangierten Dinge Gold wert.

"In Afghanistan werden jeden Tag Menschen von Fundamentalisten in die Luft gejagt. Auch Kinder", erklärt Saboor Rasuli, warum er sammelt. Wer ein Bein verliert, erhält zwar medizinische Hilfe, ist danach aber auf sich gestellt. "Bedürftige würden dort nie an solche Dinge kommen." Eine afghanische Stiftung, mit der Rasuli in Kontakt steht, sorgt nicht nur für die kostenfreie Verteilung in dem von Krieg und Terroranschlägen gebeutelten Land. Sie übernimmt auch die Transport-Finanzierung. "Insgesamt sind das ungefähr 9000 Euro", berichtet er. Zwei Jahre hat der Auerbacher ausschließlich medizinische Geräte gesammelt. An Sachspenden-Hilfstransporten beteiligt er sich seit 1998. Anfangs folgten viele Vogtländer dem Aufruf, etwa nach Kleidung und Skiausrüstung. Davon ist er inzwischen abgerückt, weil andere Dinge weitaus dringender benötigt werden. Jetzt macht sich der inzwischen sechste Hilfsgütertransport auf die lange Reise. Was Rasuli tut, hängt er nicht an die große Glocke. Vielmehr versteht sich der Organisationshelfer als ein Rad im großen Getriebe.

Vor 32 Jahren kam Saboor Rasuli in die DDR. Der Diplom-Sportlehrer arbeitet in seinem Zweitberuf als Schwimmmeister im Freibad Wildenau. "Ich lebe hier glücklich mit meiner Familie", sagt er, "habe die Wende mitgemacht und drei wunderbare Kinder. Ich bin integriert, beachte die Regeln, zahle meine Steuern und fühle mich als Deutscher. Wenn das jemand anders sieht, ist es sein Problem."

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