Rote Köpfe in Auerbach wegen Abgasnorm

Der neue Großtanker für die Feuerwehr ist beschlossene Sache. Doch weil das Wirtschaftsministerium in Sachsen auf der Euro-6-Norm besteht, wird nicht nur die Anschaffung teurer.

Auerbach.

Auerbachs Ortswehrleiter Nico Voigtländer sagt, man habe alles versucht: Mit dem Ministerpräsidenten persönlich gesprochen, den CDU-Landtagsabgeordneten als Mittelsperson bemüht - es habe nichts genützt. "Wir haben nur Absagen bekommen", sagt er sichtlich frustriert.

Es geht um das neue Tanklöschfahrzeug 4000 mit Zusatzbeladung, das die Stadt Auerbach bestellen will. Wie sich jetzt herausstellte, wird der Großtanker auch deshalb teurer als ursprünglich geplant, weil das Land Sachsen bei allen Dieselnutzfahrzeugen der öffentlichen Hand auf eine Ausrüstung mit Euro-6-Norm besteht.

Bei Fahrzeugen, die entsprechend viel gefahren werden, mache die strengere Abgasnorm Sinn, erklärt Nico Voigtländer. Doch im Fall eines Feuerwehrfahrzeuges sei das "absoluter Unsinn". Denn ein Löschfahrzeug stehe zu 90 bis 95 Prozent. Es sei bekannt, dass Euro-6-Fahrzeuge, die nicht ordentlich ausgefahren werden, hohe Wartungskosten verursachen. Deshalb würden die meisten Bundesländer Ausnahmen genehmigen. Sachsen zähle zu den dreien, die Ausnahmen kategorisch ablehnten.

Entsprechend groß war der Unmut unter Auerbachs Stadträten, als sie am Montag endgültig über die Beschaffung des TLF 4000 entscheiden sollten. 410.000 Euro kostet das Fahrzeug, 90.000 Euro mehr als im Januar prognostiziert. Der Freistaat steuert 258.000 Euro an Fördermitteln bei. Zum Großteil seien diese Mehrkosten der höheren Abgasnorm geschuldet, hatte die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage erläutert.

Als "Schwachsinn" oder "finanziellen Wahnsinn" bezeichneten die Räte den übergeordneten Zwang. Aber man war sich mit Blick auf immer trockener werdende Sommer einig: "Wir brauchen das Fahrzeug." - auch wenn offen ist, wie die Wartungspraxis bei einem solchen Fahrzeug konkret aussehen und was sie kosten wird.

Zur Sprache kam auch eine zusätzliche Gefahrenquelle, die die Kombination Feuerwehrfahrzeug und Euro-6-Norm darstellt. Weil die Abgasbox heißer werde als bei niedriger genormten Dieselfahrzeugen, könnte diese sogar selbst einen Brand verursachen - beispielsweise wenn der Großtanker bei einem Feld- oder Waldbrand in Kontakt mit trockenem Gras oder Ähnlichem komme.

Nichtsdestotrotz wird die Bestellung ausgelöst. Bei einer Enthaltung wurde die Anschaffung einstimmig gutgeheißen. Liefertermin ist laut Oberbürgermeister Manfred Deckert (parteilos) frühestens Ende 2020, eher Anfang 2021.

Nebst Auerbach bestellen gleichzeitig auch Pausa und Oelsnitz einen solchen XXL-Tanker, der bei Bedarf bis zu 9000 Liter Wasser geladen hat. Ursprünglich hatte die Stadt Auerbach auch aufgrund einer solchen Sammelbestellung mit günstigen Konditionen gerechnet. Doch auf die EU-weite Ausschreibung hatte offenbar nur ein Anbieter reagiert, ließ sich aus der Beschlussvorlage entnehmen. Auch dieser Umstand habe zur Kostensteigerung gegenüber der Planung beigetragen.

Laut Nico Voigtländer werden sowohl das Fahrzeuggestell als auch die Ausrüstung des Wagens in Tschechien hergestellt.

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