Sachsenforst erwartet neue Rekordmenge an Schadholz

Seit Himmelfahrt fliegen die Borkenkäfer in Scharen. Sachsenforst rechnet mit mehr Schäden als im Rekordjahr 2018. Für die Wälder in Kammlagen besteht noch Hoffnung.

Schöneck/Adorf.

Das durchwachsene Frühjahr hat der Borkenkäferplage in den vogtländischen Wäldern allenfalls einen kleinen Dämpfer verpasst. Die Prognosen von Sachsenforst für dieses Jahr fallen düster aus, sollte es einen heißen Sommer geben: "Seit Himmelfahrt registrieren wir über unsere Fallen einen massiven Käferflug. Es geht rasant vorwärts", sagt Udo Lüttschwager, Leiter für den Staatsforstbetrieb im Forstbezirk Adorf. "Das ist für uns keine Krise mehr, es ist eine Katastrophe."

Inzwischen rechnen Lüttschwager und seine Kollegen beim Staatsbetrieb Sachsenforst mit einem neuen Rekord an Schadholz nach dem Jahrhundertschaden in Sachsen vom vorigen Jahr - auch im Vogtland. "Wir hoffen noch, dass wir die Fichtenbestände in den Gebirgslagen erhalten können", sagt er im Gespräch mit "Freie Presse". "Aber in den niederen Lagen im Raum Reichenbach und Plauen werden Waldbestände wohl ganz verschwinden oder nur noch braun dastehen."


Mit Anfang der heißen Tage laufen in Abstimmung mit der Unteren Forstbehörde im Landkreis Kontrollgänge, um befallene Bäume schnell aus den Wäldern zu holen. 400.000 Euro gibt die Kreisverwaltung dafür aus. Frühes Erkennen ist jedoch nur die erste Hürde im Kampf gegen die Käfer. Sind die Wartezeiten bis zum Abtransport zu lang, fliegt die nächste Generation zum Fichten vernichten aus. Die Unternehmen für die Aufarbeitung des Schadholzes ächzen unter der Auftragslast, die Lager sind voll. "Europaweit findet diese Entwicklung gerade statt", berichtet Lüttschwager.

Die Waldwirtschaft Jacob in Wohlhausen gehört zu diesen Unternehmen. Mit 30 Mitarbeitern zählt der Betrieb zu den Großen der Branche - und kann sich ob der Käferplage derzeit vor Arbeit kaum retten, wie Geschäftsführer Ronny Jacob berichtet. Deshalb packen in der Region sogar zehn Kollegen befreundeter Forstunternehmen aus Brandenburg mit an.

Doch so wie das Geschäft derzeit für die Waldwirtschaft als Dienstleiter brummt, so desaströs sei es für den Waldbesitzer und -bewirtschafter. Habe man früher davon ausgehen können, Waldbesitz sei wie ein Sparbuch, so habe das Geschäft mittlerweile spekulative Züge, sagt Ronny Jacob. Angesichts der aktuellen Preiskrise zeigt sich sogar die Politik aufgeschlossen, unterstützend einzugreifen. "Wir überlegen zum Beispiel, wie wir den Export ankurbeln können", sagte Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) jetzt beim Besuch in Wohlhausen. Auch Möglichkeiten einer besseren energetischen Verwertung des Holzes würden geprüft. Schmidt sprach dabei auch von einer besonderen Herausforderung, beim Kampf gegen den Borkenkäfer alle Beteiligten koordiniert einzubeziehen, insbesondere die privaten Waldbesitzer.

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