Schäfergrab von Hakenkreuz befreit

Das alte Sühnekreuz ist mit dem Nazisymbol geschändet worden. Heimatfreunde schafften schnell Abhilfe. Doch schon gibt es neue Schmierereien.

Pfaffengrün.

Mitte Juli wurde es entdeckt: Mit schwarzer Farbe hatte jemand ein Hakenkreuz auf den aufrecht stehenden Stein des sogenannten Schäfergrabs (siehe Infokasten) unweit der Straße zwischen Pfaffengrün und Limbach geschmiert. Weil die Haken in die "falsche" Richtung zeigten, hält es Gerhard Jacobi (69) für möglich, dass hier Kinder am Werk waren. "Auf jeden Fall ist es eine Riesenschweinerei - so eine Schändung hat es noch nie gegeben", schimpft der Pfaffengrüner, der sich unter anderem als Kommunalpolitiker der Freien Wähler und im Heimatverein Holzbachtal engagiert. "Pfaffengrün und sein Schäfergrab gehören zusammen."

In der Sektion F 173 des Heimatvereins und am Stammtisch in der Turnhalle beriet man, was zu tun war. Wenig später rückte die freiwillige Feuerwehr des Treuener Ortsteils an und transportierte den über 100 Kilo schweren Stein zum Bauhof im Pfaffengrüner Rittergut, wo Jacobi das schwarze Nazi-Symbol abkärcherte: "Zum Glück ging das ganz gut ab." Den Rücktransport ins Waldstück übernahm dann Volkmar Schwarz mit seinem Traktor, mit einigen Mühen stellten die Männer das Denkmal wieder an seinen angestammten Platz.

Jacobi, früher selbst Polizist, hatte wegen der Schmiererei auch sofort Anzeige erstattet. "Aufgenommen worden ist das als Sachbeschädigung", berichtet er. Als Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen hätten die Beamten es zunächst nicht gesehen - eben weil das Hakenkreuz nicht "korrekt" gezeichnet sei, sondern in falscher Richtung. Polizeisprecher Oliver Wurdak versichert jedoch auf Nachfrage, dass in solchen Fällen "selbstverständlich" der Staatsschutz eingeschaltet werde. Wie das Ganze rechtlich einzuordnen ist, entscheide dann ohnehin die Staatsanwaltschaft: "Eventuell liegen Sachbeschädigung und verfassungswidrige Symbolik in Tateinheit vor."

Inzwischen ist Jacobi schon auf die nächste Hakenkreuz-Schmiererei gestoßen: Auf der Limbacher Höhe, Richtung Weißensand haben die Heimatfreunde eine Schutzhütte mit Blick auf die Autobahn aufgebaut und eine Infotafel zur Straßengeschichte angebracht. Sowohl an der Hütte als auch an der Tafel prangen seit Kurzem die Nazi-Symbole - ebenfalls in Schwarz, diesmal mit den Haken in die "richtige", also nach rechts gewinkelte Richtung. Anzeigen konnte der Pfaffengrüner das bisher nicht, weil der Treuener Polizeiposten gerade geschlossen war, als er kam. "Aber anzeigen muss man das, selbst wenn es vielleicht Kinder waren", sagt Jacobi.


Stichwort Schäfergrab

Die Steinsäule befindet sich im Wald etwa 20 Meter abseits der Straße von Limbach nach Pfaffengrün, am Abzweig zum Schullandheim. Sie ist etwa einen Meter hoch und besteht aus Granit, im Volksmund wird sie als Schäfergrab oder Schäferstein bezeichnet.

Es handelt sich vermutlich um ein Sühnekreuz, das an einen Mord erinnert. In den Stein sind mehrere Kreuze eingeritzt. Angeblich wurde hier Ende des 18. Jahrhunderts ein Schäfer von wütenden Bauern erschlagen, weil er im Auftrag seines Herrn seine Tiere auf ihrem Land weiden ließ. Der Sage nach plagte der tote Schäfer einen Musikanten, der den Stein umkippte, mit Albträumen, bis der die Säule wieder aufrichtete.

Vielleicht ist der Stein aber sogar noch viele Jahrhunderte älter. Es gibt Vermutungen, dass er schon im Spätmittelalter als eine Art Wegestation auf Wallfahrtskirchen hinwies. (bap)

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