Schäferhund beißt zu - Haftstrafe für den Halter

Zweimal hatte das Tier schon Menschen angefallen, trotzdem ließ ein 55-Jähriger es frei durch den Wald laufen. Das ging schief - jetzt wurde der Mann vom Amtsgericht Auerbach verurteilt.

Auerbach/Muldenhammer.

Dass sein Schäferhund gefährlich ist, hatte der Mann aus Muldenhammer schriftlich: Das Landratsamt bescheinigte dem Tier "Gefährlichkeit im Einzelfall" und verfügte, dass es außerhalb umfriedeter Grundstücke nur mit Leine und Maulkorb geführt werden darf. Das war im November 2016, zuvor hatte der Hund zweimal Passanten gebissen. Im Dezember 2016 ging der 55-jährige Halter trotzdem mit dem Hund auf einem Waldweg in Muldenhammer Gassi - ohne Maulkorb, mit langer Schleppleine. Die habe sich verheddert, erklärte der Mann am Donnerstag als Angeklagter vor dem Amtsgericht Auerbach. Und als er die Leine löste, um sie aus dem Gebüsch zu holen, sei der Hund weggerannt. Kurz darauf gellten Schreie durch den Wald: Das Tier hatte einen Rentner angefallen und ihm teils tiefe Fleischwunden an Ellbogen und Oberschenkel zugefügt.

Auf Grund des Vorfalls wurde der 55-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt: Er habe billigend in Kauf genommen, dass sein Hund erneut zubeißt. Dass es erst jetzt zum Prozess kam, hänge mit dem "eigenartigen Meldeverhalten" des Angeklagten zusammen, hieß es gestern am Gericht. Es gab zunächst keine ladefähige Anschrift des Mannes. Als er doch eine Ladung bekam, erschien er nicht zum Prozess, was Richter Helmut Böhmer mit einem Haftbefehl quittierte. Offenbar hatten zehn Tage in der JVA dem Angeklagten den Ernst der Lage verdeutlicht, jedenfalls kam er diesmal pünktlich in den Gerichtssaal. Dort versuchte er sich herauszureden: Er habe geglaubt, der Maulkorb- und Leinenzwang gelte nur für öffentliche Straßen und Wege, behauptete er. Der Waldweg sei aber gar nicht öffentlich gewidmet, deshalb habe er den Hund ungesichert laufen lassen. Das kaufte der Richter ihm allerdings nicht ab.

Das Opfer der Attacke, der heute 67-jährige Rentner, schilderte, dass der Angeklagte seinem Hund hinterher rannte und ihn auch zurück- rief - allerdings habe der nicht reagiert. Die Bisse hätten erst aufgehört, als der Halter den Hund am Halsband wegzog. Eingeprägt haben sich dem Rentner die Worte des Angeklagten: "Er hat mir als erstes vorgeworfen, dass ich eine grüne Jacke anhatte - so könnte man mich gar nicht sehen." Als der Rentner den Angeklagten nach seinem Namen fragte, nannte der einen falschen. Das nützte ihm allerdings wenig, da beide im selben Ort wohnen und gemeinsame Bekannte haben. Erst vor Gericht entschuldigte sich der 55-Jährige für die Attacke seines Hundes. Immerhin: Der Rentner nahm die Entschuldigung an.

Richter Helmut Böhmer folgte in seinem Urteil exakt dem Antrag der Staatsanwaltschaft: Der Angeklagte wird zu einer Haftstrafe von sieben Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung für zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit muss er 60 Arbeitsstunden leisten - wenn er dies nicht tut oder erneut besagten Schäferhund ohne Leine und Maulkorb laufen lässt, kommt er hinter Gitter.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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