Schau über Oskar Schindler des Vogtlands

Eine Ausstellung im Falkensteiner Museum hat zur Eröffnung großes Interesse gefunden. Porträtiert wird einstiges jüdisches Leben in der Stadt.

Falkenstein.

Wie lebten Juden in Falkenstein? Und wer war Alfred Roßner? Viele Facetten persönlicher Schicksale werden nie dem Vergessen entrissen werden können. Zwei Menschen machten es sich aber vor Jahren zur Aufgabe, Licht ins Dunkel zu bringen: Ralph Ide aus Neustadt und Hannah Miska aus Schliersee.

Der Vogtländer Ide stellte in mühevoller Detailarbeit die Ausstellung "Jüdisches Leben in Falkenstein und Alfred Roßner im Getto von Bedzin" zusammen. Seit Samstag ist sie im Museum der Stadt zu sehen. Die 63-jährige Wahl-Bayerin schrieb ein kurz vor der Veröffentlichung stehendes Buch über das Leben von Roßner, den "Oskar Schindler des Vogtlandes".

Allerdings ist nur wenigen der Name Alfred Roßner geläufig. Deshalb hofft Ralph Ide, dass sich möglichst viele Falkensteiner und "Umländer" die Ausstellung ansehen. So wie am Samstag. Im Hauptraum wurde es zur Eröffnung ziemlich eng. Fotos, Dokumente, religiöse Gegenstände, Besitzstücke und Filmmaterial hat Ide mit dem Heimat- und Museumsverein arrangiert. Etwa 250 Juden lebten ab 1886 in Falkenstein. Zehn Überlebende kehrten nach 1945 zurück. Lange geblieben ist keiner. 1951 endete die jüdische Geschichte Falkensteins.

Alfred Roßners Todestag jährt sich dieses Jahr zum 75. Mal. Er wuchs in Falkenstein auf, lernte Textilkaufmann und übernahm den Betrieb einer befreundeten jüdischen Familie im südostpolnischen Bedzin. Im Zuge der Arisierung 1938 gelang ihm die Übernahme als Treuhänder. Bis zur Getto-Räumung 1943 beschäftigte er mehrere Tausend Juden und konnte sie vor der Deportation in Konzentrations- oder Vernichtungslager bewahren. Einigen rettete er somit das Leben. Sein eigenes verlor Roßner als 37-Jähriger in Gestapo-Haft.

Werner Rölz gehört zu den wenigen Falkensteinern, die Alfred Roßner persönlich kannten. Sein Vater Karl war mit ihm befreundet. Ein Erlebnis hat sich in tief in die Erinnerung des Falkensteiners eingegraben: Bei einem Besuch in Bedzin sah Werner Rölz an der Seite seines Vaters nachts auch das Getto - von innen. "Das war 1942, damals war ich zwölf", erzählte der Rentner. Viel habe er nicht mitbekommen. "Ich wusste aber, dass es lebensgefährlich war."

Den Bogen zwischen Gestern und Heute zu schlagen, blieb am Samstag nicht aus. "Es macht mich persönlich wütend und traurig zugleich, dass wir wieder in einer Zeit leben, in der sich ein Teil unserer Gesellschaft anmaßt, Menschen mit anderer Kultur und Religion zu verurteilen", sagte Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund (CDU). Ralph Ide äußerte sich ähnlich: Es sei wichtig, dass "Menschen ihre Menschlichkeit nicht vergessen - angesichts der Tatsachen, die es damals gab und die heute wieder in Erscheinung treten", so der Neustädter.

Gemeinsamkeiten hob Frieder Seidel hervor. "Das Judentum ist die Wurzel des Christentums", sagte er. Man müsse sich außerdem klarmachen, "dass auch wir hier in der Provinz einen Bezug zu dieser Geschichte haben", äußerte er sich zur Ausstellung. "Juden haben links und rechts von unseren Vorfahren gewohnt, und sie mussten nur aufgrund von Willkür leiden." Hanna Miska machte Seidel das Angebot, nach Vorstellung ihres neuen Buches am 14. Oktober im Museum auch in seinem Falkensteiner Geschäft zu lesen. Die promovierte Psychologin sagte spontan zu.

Die Sonderausstellung Jüdisches Leben in Falkenstein und Alfred Roßner im Getto von Bedzin ist bis 14. Oktober samstags und sonntags zwischen 14 und 17 Uhr im Falkensteiner Museum zu sehen.

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