Schnitzmesser aus Rasierklingen

Vor 50 Jahren gegründet, musste man im Schnitzzirkel Beerheide anfangs improvisieren. Ein Querschnitt seines Schaffens ist in die am Freitag eröffnete Auerbacher Weihnachtsausstellung integriert.

Auerbach.

Im Auerbacher Stadtmuseum weihnachtet es wieder. Eine Sonderausstellung hat diesmal die vier Adventssonntage und Heiligabend zum Thema gemacht. Seit Freitag empfängt das weihnachtliche Wunderland Gäste. Im Foyer begrüßt ein Beitrag vom Schnitzzirkel Beerheide Hausgäste. Die Kunsthandwerker zeigen, was sie seit ihrer Gründung vor fünf Jahrzehnten in der Freizeit machen.

Zu den kleinsten Exponaten aus Schnitzerhand gehören Anderthalb-Zentimeter-Figuren. Das bislang größte Motiv, ein zwei Meter und zehn Zentimeter hoher Moosmann, würde nur mit Mühe durch die Tür passen. In und neben den Vitrinen stehen andere Moosmänner, Naturszenen, Nussknacker, Krippen, Räuchermänner, Bäume, Tiere und Pyramiden. Jörg Ungethüm hat die schwerste mitgebracht. Aus einem Baumstamm geschnitzt, bringt sie 23 Kilogramm auf die Waage.

Neun Beerheider hoben den Schnitzzirkel im Mai 1969 aus der Taufe. Damals noch in Form einer Arbeitsgemeinschaft. Die nahm nicht nur an Mitgliedern schnell zu. Auch das Schnitzgut genoss bald über die Ortsgrenzen hinaus Aufmerksamkeit. 1978, 1981 und 1989 bekamen die Kunsthandwerker den Titel "Hervorragendes Volkskunstkollektiv" verliehen. Schattenseiten gab es zur DDR-Zeit auch. Denn die Voraussetzungen zu schaffen, um überhaupt schnitzen zu können, gestaltete sich mitunter schwierig. Material aus dem Wald holen, das war nur zu bestimmten Zeiten erlaubt. Beim Holzbeschaffen half der Auerbacher Kulturbund, dem die Schnitzer angehörten. Anlaufstelle war das damalige Glauchauer Holzkontor. Auch auf dem "kurzen Dienstweg" kamen die Traditionsbewahrer an Brauchbares: per Nachbarschaftshilfe über den Gartenzaun. Weil es obendrein an geeigneten Werkzeugen fehlte, musste man improvisieren. "Meine ersten Schnitzmesser waren aus Rasierklingen", erinnerte sich Jörg Ungethüm. Für Drechselarbeiten leisteten Feilen gute Dienste.

Jörg Ungethüm leitet den Zirkel seit 1990. Da kehrten ihm gerade drei Viertel der Mitglieder den Rücken. Waren es in der Vorwendezeit 35, saßen danach noch zehn beisammen. Zu Spitzenzeiten bestand der Zirkel aus 40 erwachsenen Schnitzern plus zwei Gruppen mit jeweils zehn Kindern und Jugendlichen. Nachwuchs kam meist aus einer Arbeitsgemeinschaft in der einstigen Beerheider Schule. Heute ist Thomas Böttchner mit 25 Jahren das "Küken" im Verein. Der Ellefelder ging vor fünf Jahren unter die Schnitzer. "Aus Interesse an Holz", sagte er. "Das ist bei uns zu Hause immer in den Ofen gekommen. Da dachte ich mir, man kann doch auch was Schönes draus machen."

Der Schnitzzirkel trifft sich während der Wintermonate donnerstags von 19 bis 21 Uhr im ehemaligen Schulgebäude. Die Weihnachtsausstellung im Auerbacher Museum ist bis 2. Februar dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 13 bis 17.30 Uhr geöffnet. 24./31. Dezember geschlossen. Erwachsene zahlen 3 Euro, Kinder ab 7 Jahren 1 Euro.

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