"Schreiben ist nicht meine Sache"

Trotz Abneigung gegen "die Strenge eines Satzes" schrieb Uschi Brüning eine Autobiografie. Am Samstag hat die DDR-Jazz- legende in Auerbach aus "So wie ich" vorgelesen.

Auerbach.

So ist es mit den guten Vorsätzen: Meistens werden sie über Bord geworfen. Uschi Brüning macht da keine Ausnahme. Sie habe nie schreiben wollen, sagte die 72-jährige DDR-Jazzlegende am Samstagabend in der Auerbacher Göltzschtalgalerie Nicolaikirche - und beugte sich dabei über ein Buch unter ihrer Nase. "Schreiben ist nicht meine Sache", klärte sie ihr Publikum auf. "Nicht die Strenge eines Satzes."

Vielmehr das Zusammenspiel mit anderen Musikern. Dann hatte ihr Manfred Krug als ein langjähriger musikalischer Wegbegleiter nahegelegt, eine Autobiografie zu veröffentlichen. 2017 warf Uschi Brüning also alle guten Schreib-Vorsätze über Bord, machte sich an die Arbeit und konnte deshalb am Samstag aus "So wie ich" lesen.

Wie zu erwarten, war die gut zweistündige Buchpräsentation musikalisch unterlegt - oder fast dominiert. An Uschi Brünings Seite griff Lukas Natschinksi mächtig in die Piano-Tasten. Auch mit ihm macht sie seit längerer Zeit gemeinsame Sache. Manchmal sind sie zu dritt. Denn Brünings Mann Ernst-Ludwig Petrowsky ist wie sie selbst eine Jazz-Legende, allerdings am Saxophon und mit Free Jazz. Vorgestern begleitete sie sich stimmlich selbst auf ihrer Reise durch 60 Jahre Musikkarriere. Mit "Dein Name" landete sie ihren bislang größten Hit. "Son Of A Preacher Man" gehört eigenen Angaben zu den Lieblingstiteln, "Ganz Paris träumt von der Liebe" verpasste sie einen jazzigen Hauch, und in "Amazing Grace" kam ihre Stimme voll zur Geltung. Die wirkt wie für den Jazz gemacht. Obwohl sich Uschi Brüning auch im Gospel zu Hause fühlt und Soul singt. Viele der am Samstag eingeflochtenen Lieder stammten von ihrem ersten Nachwende-Album, das 2015 herauskam und genauso heißt wie die Autobiografie.

Erste öffentliche Gesangs-Gehversuche machte Uschi Brüning mit Schlagern. Das war 1960. Ein knappes Jahrzehnt später entdeckte sie Klaus Lenz, eine Art Gottheit der landesweiten Jazz-Szene. Damit war der Einstieg in die Profi-Musik gelungen. Bald sang das Mädel aus Sachsen an der Seite von Manfred Krug. "Ein Ritterschlag", wie sie sagte und schrieb. "Mit Manfred Krug hatte ich einen Namen." Auch nicht lange auf sich warten ließ systembedingte Negativ-Propaganda. Manfred Krug verließ die DDR 1977, Uschi Brüning blieb.

Diese Auftritte seien immer auch Abenteuer gewesen, erzählte Brüning rückblickend. Eine "Art von Freiheit und Gesetzlosigkeit", die es sonst nirgendwo gäbe. Die SED-Führung und deren Spitzel hatten daran freilich weniger Freude. Und das schon viel früher, als Brüning noch Amateur-Tanzmusik machte. Auftritte mit ihrer Band Studio Team waren deshalb schnell verboten. Denn an die Vorgaben, mindestens 60 Prozent DDR-Titel zu spielen, hielt sich die später in Ost und West zur "Ella Fitzgerald der DDR" avancierte Leipzigerin äußerst ungern.

Service Uschi Brünings Buch "So wie ich" ist 2019 im Ullstein Verlag erschienen. Es kostet 20 Euro, hat 288 Seiten und die ISBN-Nummer 978-3-5500-5020-6.

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