Seelsorge für Kranke: Pfarrer übergibt an Nachfolgerin

Helmut Henke hat fast anderthalb Jahrzehnte in beiden Rodewischer Krankenhäusern gewirkt. Ums Leiden hat er dabei nie einen Bogen gemacht.

Rodewisch.

14 Jahre lang hat Pfarrer Helmut Henke als Krankenhausseelsorger Menschen in besonderen Lebenssituationen begleitet. Das Klinikum Obergöltzsch, das Sächsische Krankenhaus Rodewisch und die Sozialtherapeutische Wohnstätte der Diakonie in Grünbach waren sein Arbeitsbereich.

Er habe es als ein Privileg angesehen, so intensiv seelsorgerlich tätig sein zu können, sagte frühere Pfarrer der Plauener Markuskirche, der im Juni in den Ruhestand verabschiedet wurde und dessen Nachfolgerin am Sonntag eingeführt wird.

Die Vormittage verbrachte er gewöhnlich in Obergöltzsch. Er bekam eine Liste mit den Namen der Patienten, die ein Gespräch wünschten und lief von Station zu Station. Aber er fragte auch selbst auf den Zimmern nach. "Oft bin ich vor Operationen angesprochen worden", erinnert sich der Krankenhausseelsorger. Manchmal wurde er auch nur gerufen, weil ein Patient mal wissen wollte, wer das eigentlich ist, der Krankenhausseelsorger. Doch die meisten Menschen hatten ein echtes Anliegen: "Ich möchte, dass jemand mit mir betet, ich brauche Begleitung" - das habe er immer wieder gehört, sagt Pfarrer Henke. Häufig seien auch Lebensprobleme angesprochen. Unterschwellig sei oft auch die Schuldfrage angesprochen worden, erinnert sich Henke: "Warum ich? Ich habe doch ordentlich gelebt? Warum hilft mir Gott nicht?" Dann sei es ihm wichtig gewesen, nicht mit einem moralischen Appell, sondern im Gespräch oder mit einer Geschichte zu helfen, eine eigene Antwort zu finden.

Drängende Fragen stellten sich auf der Palliativstation. Dort wünschten sich viele, dass es schnell zu Ende gehe, so der Eindruck des Seelsorgers, dem in diesem Zusammenhang aufgefallen ist "dass Leiden in der Gesellschaft ausgeklammert wird." Als "Kirche vor Ort" habe er dann versuchte, "eine Antwort zu geben mit dem Blick auf die Leidensgeschichte von Jesus."

Ganz anders gestaltete sich der Dienst des Krankenhausseelsorgers im Sächsischen Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie. In Untergöltzsch war Pfarrer Henke meist nachmittags aktiv. Da ein Gottesdienst dort nicht zentral abgehalten werden könne, wird er auf verschiedenen Stationen angeboten. Und weil die Verweildauer der Patienten länger ist, konnte Henke manche über Wochen begleiten, Insassen der Forensik sogar jahrelang. Je nach Krankheitsbild wurden dort andere Probleme angesprochen.

"Die Patienten wissen, dass ich nicht zum System Krankenhaus gehöre, sondern von außen komme. Oft ist es ihnen wichtig, dass es da noch jemanden gibt, an den man sich wenden kann, um einen anderen Zugang zur Krankheit zu finden", erklärt Henke. Gleichzeitig ist er dankbar für die gute Zusammenarbeit mit den Kliniken und dem Personal vor Ort, für das er auch Ansprechpartner ist.

Die neue Krankenhausseelsorgerin, Pfarrerin Dorothee Frölich-Mestars aus Chemnitz, wird am Sonntag in der St. Petrikirche Rodewisch in ihren Dienst eingeführt. Der Gottesdienst beginnt 14 Uhr, 15.30 Uhr folgt eine Grußstunde im Klinikum Obergöltzsch.

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