Selbstjustiz aus Tierliebe mit Nachspiel vor Gericht

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Zwei Auerbacher mussten sich wegen einem Katzendiebstahl verantworten. Die Begründung dafür ließ das Gericht zweifeln.

Auerbach.

Die Auswirkungen der Nacht vom 21. auf den 22. September 2020 werden zwei Auerbacher nach lange beschäftigen. Kurz vor Mitternacht drangen die 17-Jährige und ihr sieben Jahre älterer Kumpel in die Wohnung einer Ellefelderin ein und entwendeten deren Katzen samt Kaufverträgen und Impfpässen. Der Wert der Tiere lautete auf insgesamt 990 Euro. Für das Delikt mussten sie am Dienstag vor dem Amtsgericht Auerbach geradestehen. Die Geschädigte konnte krankheitsbedingt nicht erscheinen.

Dreieinhalb Stunden nach Prozessauftakt waren sich Richter Jörg Richter und Oberstaatsanwalt Dietmar Kipry einig: Der 24-Jährige erhielt eine einjährige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre. Außerdem muss er 60 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten und 990 Euro zahlen, da sich die Katzen seit der Septembernacht bei ihm befinden. Obendrein muss er die Verfahrenskosten begleichen. Die 17-Jährige muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, dann wird das Verfahren gegen sie eingestellt.

Mit dem Strafmaß blieb das Gericht im unteren möglichen Bereich. Für einen Wohnungseinbruch samt Diebstahl können im Erwachsenenstrafrecht bis zu zehn Jahre Haft verhängt werden. Zugute gehalten wurden den Angeklagten Geständnisse, ernst gemeinte Reue, ein bis dahin sauberes Vorstrafenregister und Tierliebe. Nach ihren Schilderungen sei einzig und allein letzteres der Beweggrund für die Tat gewesen. "Wir haben nicht mal nachgedacht, dass das eine Straftat ist und hätten die Polizei rufen sollen", sagte der junge Mann. Die Katzen seien ausschließlich im Badezimmer gehalten und vernachlässigt worden, sagte die 17-Jährige. Vorgelegte Fotos konnten weder den Richter noch den Oberstaatsanwalt von einer Verwahrlosung überzeugen. Und deshalb auch nicht vom Motiv. "Warum sind Sie nicht am nächsten Tag dorthin gegangen?", wollte Kipry wissen. Den Verdacht auf länger geplantes Handeln konnten die Angeklagten nicht vollständig ausräumen.

Dem Konstruktionsmechaniker und der Schülerin waren die Katzen bestens bekannt. Er hatte einige Monate vor der Tat eine Beziehung mit der Geschädigten, die jungen Frauen verband ein freundschaftliches, von Vertrauen geprägtes Verhältnis. Denn die Angeklagte konnte sich mit Erlaubnis der Klägerin in deren Ellefelder Wohnung aufhalten und verfügte über einen Zweitschlüssel. Von beiden machte die zur Tatzeit 16-Jährige oft Gebrauch. Ihm war der Aufenthalt nicht mehr gestattet.

In der besagten Nacht trafen sich die Angeklagten in Mühlgrün. Sie zeigte ihm Fotos der Katzen, und daraufhin brachen sie mit Hilfe des Zweitschlüssels in die Wohnung ein. Es gab auch einen dritten Aktiven. Er besorgte Katzenboxen, betrat aber nicht die Wohnung. Am nächsten Morgen kontaktierte der 24-Jährige das Veterinäramt und legte Bildmaterial vor. Das Amt habe keine lebensbedrohlichen Zustand erkannt.

Den Vorwurf der Klägerin, in der Tatnacht um 250 Euro erleichtert worden zu sein, verfolgte das Gericht nicht weiter. In dem Fall stand Aussage gegen Aussage.

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