Siebzig Jahre unfallfrei am Steuer

Friedrich Georgi (88) aus Falkenstein hat seinen Führerschein gemacht, als die DDR gegründet wurde. Nach wie vor ist er fast jeden Tag unterwegs.

Falkenstein.

Von wegen altes Eisen oder Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr. Friedrich Georgi lächelt, wenn er solche Begriffe hört. Der Falkensteiner ist im 89. Lebensjahr angekommen, hält am Steuer mühelos mit und baute noch nie einen Unfall. Dabei ist sein Führerschein so alt wie die DDR: Einen Tag vor Weihnachten 1949 bekam er ihn ausgehändigt. Etwa eine Million Kilometer hat der rüstige Fahrer bislang geschrubbt.

Was Friedrich Georgi an Stempeln und Flensburg-Punkten "fehlt", macht er anderswo wett: 15 Autos und ein Motorrad zählt seine Fahrzeug-Statistik. Heute bringt ihn ein Opel von A nach B. Der wird gelegentlich auch auf längere Strecken geschickt. Kurz vor Weihnachten besuchte Georgi seine Kinder und Enkel im Westen, hinter Frankfurt am Main. Machte an zwei Tagen 850 Kilometer. Auch in Binz auf Rügen war er voriges Jahr mit dem Auto. Viele Kilometer am Stück zu fahren, ist ihm eigenen Worten zufolge nicht zu anstrengend. Im Gegenteil: "Ich fühle mich hinterm Steuer wohl, konzentriere mich aber noch intensiver als früher", sagt er.

Friedrich Georgi bezeichnet sich als vorsichtigen, aufmerksamen Fahrer. Er sei auch ganz gerne mal schnell unterwegs, gibt der 88-Jährige zu. Wenn es die Straßenverkehrsordnung erlaubt. "Wichtig ist immer, vorausschauend zu fahren", rät er. Egal, in welchem Alter. Um kein Sicherheitsrisiko darzustellen, sorgt er ordentlich vor: Georgi hält sich seit jeher geistig und körperlich fit. Er fährt Rad, kann mit Computer und Smartphone umgehen, lässt seine Gesundheit regelmäßig überprüfen. "Ich sehe 100 Prozent und habe zwei Hörgeräte", erzählt er.

Drei Führerscheine für alle möglichen Klassen hat Friedrich Georgi im Laufe seiner Autofahrer-Karriere gesammelt. Vom Motorrad bis zum Traktor und Sattelschlepper darf er alles steuern. Georgis erstes Auto war ein Firmenwagen. Nach seiner Ausbildung zum Wirtschaftskaufmann in den Falkensteiner Bekleidungswerken angestellt, suchte dessen Chef einen Chauffeur. "Das war ein Frauenbetrieb, und es kam regelmäßig eine Frauenärztin für Untersuchungen her", erzählt er. Die sei nicht mobil gewesen und der Betriebsleiter selbst schwerstbehindert. Somit fiel die Wahl auf ihn. "Damals hatte ich noch gar keinen Führerschein", sagt Georgi. "Aber der Rat des Kreises hat wohl gemeint, dass es wichtig ist, den ganz schnell zu machen." Nach dreiwöchiger Ausbildung kam der junge Mann in den Besitz einer Fahrerlaubnis. Sofort einsteigen und loslegen ging jedoch nicht. "Der Wagen hatte hinten drauf einen Holzvergaser", schaut Georgi zurück. Das heißt: Ohne Vorarbeit bewegten die acht Zylinder den Horch keinen Zentimeter von der Stelle. "Ich musste früh erst mal Feuer machen."

Bekannt ist Friedrich Georgi in und um Falkenstein wie der berühmte bunte Hund. Vor allem unter dem kürzeren Vornamen Frieder. Etwa 20 Ehrenämter hatte er im Laufe vieler Jahrzehnte inne: Georgi saß unter anderem im Kreis- und Stadtrat, gehörte der Kirchgemeinde an und spielte im Wendeherbst 1989bei Montags-Demos eine aktive Rolle.

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