"Signal von der Bahn bekommen"

Rathaus hofft für 2020 auf Einigung zur Bahnsteig-Zuwegung - Falkensteiner Idee gegen Leerstand jetzt in Sachsens Koalitionsvertrag

Welche Vorhaben stehen in diesem Jahr in Falkenstein an, wie schätzt der Bürgermeister die aktuelle Situation "seiner" Stadt ein? Darüber hat Bernd Appel mit Stadtoberhaupt Marco Siegemund (CDU) gesprochen.

Freie Presse: Herr Bürgermeister, ein Punkt, der viele Falkensteiner vor dem Jahreswechsel bewegt hat, ist die Zukunft des "Rockkinos" in der Schlossstraße. Wie ist da der Stand?

Marco Siegemund: Da das Gebäude nicht versteigert wurde, bleibt zunächst alles beim Alten. Das Kino kann also bis auf Weiteres vom Kulturkombinat genutzt werden. Aus Sicht der Stadt ist wichtig, dass es dort mit Kultur weitergeht, deshalb haben wir uns das Vorkaufsrecht gesichert. Wir wissen, dass den Falkensteinern ihr Kino am Herzen liegt - es wird jedoch schwierig sein, eine dauerhafte und tragfähige Lösung zu finden.

Von ihrem Vorkaufsrecht hat die Stadt bereits beim Bahnhofsgebäude Gebrauch gemacht, abgesehen von der Verschönerung mit Profi-Graffiti hat sich nicht viel getan. Gibt es Hoffnung auf eine Einigung mit der Bahn AG?

Kurz vor Weihnachten haben wir von der Bahn das Signal bekommen, dass man sich mit uns in Verbindung setzen will. Ich werte das als gutes Omen, dass wir hoffentlich bald über eine Zuwegung zum Bahnsteig sprechen können. Erst wenn dies geklärt ist, kann das Bahnhofsgebäude entwidmet und anderweitig genutzt werden.

Eines der größten Falkensteiner Probleme ist der Leerstand in der Innenstadt. Welche Ideen gibt es, um Abhilfe zu schaffen?

Beim Besuch des damaligen sächsischen Finanzministers Matthias Haß (CDU) in Falkenstein im August haben wir auch über ein Förderprogramm "Jung kauft Alt" gesprochen, mit dem der Verkauf von vom Verfall bedrohten Gebäuden an junge Familien finanziell unterstützt werden könnte. Wir sind sehr froh, dass sich dieses Förderprogramm, das wir ursprünglich als Stadt entwickeln wollten, im Koalitionsvertrag der neuen sächsischen Kenia-Koalition wiederfindet. Dies könnte dazu beitragen, die schöne Bausubstanz in unseren Gründerzeit-Karrees zu erhalten. Zusätzlich wollen wir aber auch neue Eigenheim-Standorte schaffen, etwa auf dem ehemaligen Gelände von Kohlhoffs Gärtnerei an der Oelsnitzer Straße.

Manchmal erschwert der Denkmalschutz ja auch Lösungen ...

In letzter Zeit gab es etliche gute Gespräche mit den Denkmalschützern zum Thema marode Bausubstanz in der Innenstadt, es ging um Sicherung und Rückbau gleichermaßen.

Zuletzt hat der Gewerbeverein einige Aktionen angeschoben, um mehr Leben in die Innenstadt zu bringen ...

Der lange Tag der Gewerke oder das Märchenrätsel kamen gut an und haben viele Menschen ins Zentrum gebracht - das ist gut gelaufen, ich danke allen Mitwirkenden für ihren Mut! Insgesamt ist natürlich im Gewerbeverein viele Jahre lang wenig passiert, er muss in kleinen Schritten wieder aufgebaut werden. Es gibt viel Luft nach oben.

Auerbach hat mit seinem Citymanager gute Erfahrungen gemacht - wäre das auch eine Idee für Falkenstein?

Auerbach hat eine andere Struktur, Falkenstein wäre für so etwas zu klein. Für sinnvoll halte ich ein gemeinsames Leerstandsmanagement über den Mittelzentralen Städteverbund. Das Thema steht dort demnächst auf der Tagesordnung.

Die Kommunen des Städteverbunds haben alle Verträge mit dem Tierschutzverein Auerbach, dessen marode Auffangstation in Falkenstein zuletzt wieder für Schlagzeilen sorgte. Wie geht es da weiter?

Das wurde einseitig dargestellt. Ich bin durchaus schon mit den Tierschützern auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück unterwegs gewesen, es ging aber immer um private Eigentümer, insofern war das schwierig. Mittelfristig müssen wir auf jeden Fall eine Lösung für ein neues Tierheim finden - das Haus in der Louis-Müller-Straße war von Anfang an nur als Übergangslösung geplant und wird nun schon seit über 20 Jahren genutzt. Man muss auch den Anwohnern dankbar sein, dass sie das solange mitmachen.

Wie steht es um die wirtschaftliche Entwicklung in Falkenstein?

Speziell im Gewerbegebiet sieht es gut aus: Hetzner hat sich die Option für weitere Flächen gesichert und wird hoffentlich weiter expandieren, außerdem siedelt sich die Waldwirtschaft Groß dort an. Diese Entwicklung macht uns Mut.


Weitere Vorhaben 2020

Der zweite, kleinere Abschnitt der Feldstraße zwischen August-Bebel- und Bahnhofstraße wird in diesem Jahr grundhaft ausgebaut. Außerdem will die Stadt den Ausbau der Paul-Popp-Straße in Angriff nehmen. Deren Abwasserkanal muss ertüchtigt werden - als Voraussetzung für den Weiterbau der Heinrich-Heine-Straße.

An der Grundschule Hauptstraße wird die Heizungsanlage erneuert. An der Trützschler-Oberschule ist die Sanierung der Decke zwischen Dach- und Obergeschoss für 235.000 Euro im Plan, zudem soll das Dach für 514.000 Euro neu gedeckt werden, inklusive Entwässerung und Blitzschutz.

Geplant sind die Gestaltung von Plätzen in Oberlauterbach (ehemals Goldener Hirsch) und Dorfstadt (Grundschule). Für 500.000 wird ein neues Feuerwehr-Fahrzeug beschafft. (bap)


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