Singende Lehrerin wechselt als Beamtin ins Vogtland

Die Grünbacherin Jana Thiele hatte nach dem Lehrer-Studium in Sachsen nicht mal eine Stelle als Referendarin bekommen. Dank des Wechsels in der Bildungspolitik kehrt sie nun ohne Status-Verlust aus Bayern zurück.

Auerbach/Grünbach.

"Dann eben nicht" - mit Wut im Bauch war Jana Thiele vor 20 Jahren in den bayerischen Schuldienst gewechselt, nachdem sie in ihrer Heimat nicht mal eine Stelle als Referendarin bekommen hatte. Zurückkehren wollte die Grünbacherin nur, "wenn alles passt", hatte sie sich geschworen. Jetzt ist es soweit: Die Grundschullehrerin unterrichtet seit Montag an der Diesterweg-Schule in Auerbach Musik, Deutsch und Sachunterricht. Sie ist beruflich aus Bayern zurückgekehrt, und sie konnte ihren Beamtenstatus behalten. Im Vogtland ist sie damit als "einfache Lehrerin" bisher eine von gerade mal drei verbeamteten Lehrkräften - ansonsten sollen allgemeine Verbeamtungen für Pädagogen erst ab 1. Januar 2019 möglich sein. Lediglich Schulleiter und ihre Stellvertreter konnten in Sachsen bisher Beamte werden.

Durch die Wende war für Jana Thiele bereits die Ausbildung zur Lehrerin schwierig: Sie begann damit am Institut für Lehrerbildung in Auerbach. Weil der Abschluss nach Ende der DDR nichts mehr galt, studierte sie anschließend weiter an der Pädagogischen Hochschule in Zwickau. Die Quittung nach den "verschenkten Jahren" war, dass sie in Sachsen keiner wollte. "Dabei war schon damals auch für Laien abzusehen, dass es bald einen Lehrermangel geben würde", so die Grünbacherin. Sie absolvierte ihr Referendariat in Hof und unterrichtete seit 1999 in Naila. Dort hat sie sich wohl gefühlt: "Ich wurde gut aufgenommen." Trotzdem nervte sie die ewige Pendelei zunehmend - jeden Tag eine Dreiviertelstunde hin, eine Dreiviertelstunde zurück. Sie nahm zwei vergebliche Anläufe, um ohne Einbußen zurück ins Vogtland zu wechseln, bewarb sich unter anderem auf eine Schulleiter-Stelle.

Neue Möglichkeiten eröffnete erst der Kurswechsel der Bildungspolitik in Sachsen, wo man zur Behebung des Lehrermangels nun auch auf den Beamtenstatus setzt. Die Grünbacherin kontaktierte den CDU-Landtagsabgeordneten Sören Voigt aus Falkenstein - man kennt sich schon "von Kindesbeinen an", wie Voigt berichtet. Der ist zwar in Dresden nicht direkt für Bildung zuständig, befasst sich aber doch immer wieder mit Schul-Themen und hängte sich voll rein: "Hier lohnt sich der Einsatz für jeden Fall." Einmal schrieb er im Urlaub auf dem Flughafen in Zypern auf Facebook sogar parallel mit Jana Thiele und dem sächsischen Bildungsminister Christian Piwarz, um den Länder-Wechsel zu klären.

Diesem Wechsel musste vor allem der Freistaat Bayern zustimmen. "Es war schwierig, diese Freistellung zu bekommen", berichtet die Grünbacherin. "Inzwischen werden ja auch in Bayern Lehrer knapp." Doch es klappte schließlich. Jana Thiele, die unter dem Künstlernamen Jana Sammer auch als Sängerin bekannt ist, will an ihrer Schule unter anderem ein Ganztages-Angebot "Fit für die Bühne" installieren. Sie selbst steht zum Beispiel am 16. September mit dem Trio sorpresa musicale auf der Bühne der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche.


Beamte im Austausch

Ins Vogtland sind bisher insgesamt drei Lehrkräfte gekommen, die ihren Beamtenstatus aus anderen Bundesländern mitbringen: Außer Jana Thiele an der Diesterweg-Grundschule gibt es je einen Fall an der Grundschule Hinterhain in Auerbach sowie am Gymnasium Reichenbach.

Insgesamt wechselten im Zuge des neuen Austausch-Programms 71 verbeamtete Pädagoginnen und Pädagogen nach Sachsen, während parallel 19 Lehrer im Beamtenstand (offenbar Schulleiter oder Stellvertreter) den Freistaat verließen. (bap)

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