Sommerschlösschen steht zum Verkauf

1,1 Millionen Euro - so viel soll der einstige Witwen-Sitz der letzten Baronin von Falkenstein kosten. Seit Langem ist das beeindruckende Gebäude dem Blick von außen verborgen, mehrfach wurde es vor dem Verfall gerettet.

Falkenstein.

Zum letzten Mal war das Schlösschen Hanneloh für die Öffentlichkeit vor 18 Jahren zu sehen: Zum Tag des offenen Denkmals im Jahr 2000 nutzten viele Falkensteiner die seltene Gelegenheit, sich in der einstigen Sommerresidenz der Freiherren von Trützschler umzuschauen. Ansonsten ist das Schlösschen hinter einem blickdichten Zaun komplett dem Blick verborgen. Wer genügend Kleingeld hat, kann das als "Landsitz im englischen Tudorstil" beschriebene Anwesen jetzt erwerben: Seit Kurzem steht es im Internet für 1,1 Millionen Euro zum Verkauf.

Die aktuellen Besitzer sind die Eheleute Wunderlich aus Markneukirchen. "Vor 20 Jahren haben wir das Schlösschen gekauft, seit zehn Jahren wohnen wir ausschließlich hier", sagt Richard Wunderlich. Der pensionierte Bäckermeister wird demnächst 76 - altersbedingt sei ihm das Objekt inzwischen zu groß und auch zu abgelegen: "Es wird alles zu viel."

Der idyllische Ort mitten im Wald hat eine lange Geschichte, wie Heimathistoriker Andreas Rößler zu berichten weiß. Schon seit Ende des 16. Jahrhunderts lebte demnach hier der jeweilige Förster mit seiner Familie - erst in einer Hütte, bald in einem komfortablen Haus. Nach einem Brand 1866 wurde 1867 ein neues Gebäude errichtet, das 1894 die Familie von Trützschler erwarb. Baronin Louise Walcott von Trützschler (1858 bis 1946), Freifrau zum Falkenstein, habe 1898 den Umbau zur Sommerresidenz des Adels- geschlechts veranlasst. Nach dem Tod ihres Gemahls sei das Schlösschen zu ihrem Witwensitz geworden. Auch ihr Sohn Hans Erik (1892 bis 1956) habe hier noch gelebt - mit ihm endet die Falkensteiner Linie der Trützschlers. Bei der Boden- reform durften die Adligen entgegen sonstigen Gepflogenheiten einigen Besitz, darunter auch das Schlösschen, behalten: Hans Erik galt als Nazi-Gegner.

Nach Hans Eriks Tod drohte dem traditionsreichen Gebäude laut Rößler schon einmal der Untergang. Der sei verhindert worden, weil der VEB Pößnecker Volltuchwerke die einstige Sommerresidenz erwarb und als Ferienheim nutzte. Mit der Wende endete dieses Kapitel, und über dem Schlösschen hing erneut das Damokles-Schwert des Verfalls - dem das direkt benachbarte Hotel "Glück auf" inzwischen weitgehend zum Opfer gefallen ist. Diesmal sprang die Villa Lohberg Entwicklungsgesellschaft als Retter ein: "Sie hat das Gebäude erworben und ausgebaut", so Andreas Rößler. Kurz danach wurde an die Wunderlichs verkauft. "Man kann bloß hoffen, dass dieses Kleinod auch diesmal gute Besitzer findet und erhalten bleibt", sagt der Heimathistoriker.

Direkt neben dem Areal des Schlösschens befindet sich übrigens das kaum erkennbare Familiengrab der letzten Falkensteiner Trützschlers: Hier liegen Baronin Louise, ihr Gemahl Franz Oswald (1846 bis 1924) sowie Sohn Hans Erik.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
1Kommentare
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  • 0
    0
    aussaugerges
    17.08.2018

    Bringt nichts Für Börsen Unternehmen,wenig Rendite.
    Besser sind DDR Neubauwohnungen in Leipzig oder Dresden.



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