St. Petri gibt wieder die Stunde vor

Seit dem Wochenende zeigt die Uhr im Kirchturm den Rodewischern wieder die Zeit an. Am heutigen Dienstag vollenden die Uhrenbauer ihr Werk und aktivieren den Stundenschlag.

Rodewisch.

"Fürs Läuten werden die Glocken bewegt, für den Stundenschlag werden sie angeschlagen", klärt Tobias Vogler gleich mal Grundsätzliches. Zusammen mit Jörg Hippe hat er in den zurückliegenden Wochen die Turmuhr der Rodewischer Stadtkirche St. Petri auf Vordermann gebracht: Seit dem Wochenende zeigt die Turmuhr wieder zuverlässig die Zeit an. Am heutigen Dienstag wird nach letzten Handgriffen an den Hämmern und Seilzügen, die Uhrwerk und Geläut verbinden, der Stundenschlag in Gang gesetzt.

Dann schlägt ein Hammer gegen die kleine Glocke, Viertel - einmal; Halb - zweimal; Dreiviertel - dreimal und zur vollen Stunde viermal. Danach schlägt ein anderer Hammer die Stundenzahl an der mittleren Glocke, abschließend folgt der dazugehörige Nachschlag an der großen und am tiefsten tönenden Glocke. "Mitternacht sind das 28 Glockenschläge: vier für die volle Stunde und zweimal 12" rechnet Vogler vor - und schickt sicherheitshalber gleich hinterher: "Aber nur theoretisch." Denn die Nachtabschaltung haben die beiden Turmuhrenbauer aus Dresden gleich mit installiert. So wie von der Kirchgemeinde gewünscht.

Christian Bretschneider von der Kirchgemeindeverwaltung bestätigt das: "Als die Rodewischer am Freitag gemerkt haben, dass sich an der Turmuhr etwas tut, kamen prompt Fragen nach dem Stundenschlag und ob der nachts zu hören sein oder abgeschaltet wird." Die Antwort: Ja, zwischen 22 und 6 Uhr bleibt der Stundenschlag stumm. Dabei haben die Rodewischer mit dem Nachschlag ihrer Turmuhr etwas, was laut Uhrenbauer "selten ist. Aber heutzutage eben nicht mehr so gefragt."

Tobias Vogler und Jörg Hippe kennen die Rodewischer Turmuhr genau. Vor zwei Jahren, zum Start des Glockenprojektes an St. Petri, hatten die beiden Handwerker das Uhrwerk ausgebaut und eingelagert sowie Teile in ihrer Werkstatt in Dresden gereinigt und aufgearbeitet. "Insgesamt war das Uhrwerk in einem guten Zustand. Aber das ist kein Wunder", sagt Tobias Vogler unter Verweis auf den Hersteller, die Turmuhrenfabrik Bernhard Zachariä GmbH in Leipzig: "Zachariä - das ist der Mercedes unter den Turmuhren." Kein Wunder also, dass die Turmuhr von St. Petri, die Anfang der 1920er-Jahre gefertigt wurde, in all den Jahren zumeist zuverlässig ihren Dienst versehen hat.

Wieder eingebaut wurde die Turmuhr im Oktober, als nach der Glockenweihe das neue Geläut an Ort und Stelle war. "Nach Abschluss der Zimmermannsarbeiten für die Aufhängung des Geläuts konnten wir Aufmaß nehmen für die Hämmer und Seilzüge." Mit denen sind die Hämmer, die die Glocken anschlagen, mit dem Uhrwerk eine Etage tiefer verbunden.

Die Arbeiten erwiesen sich am Ende doch als kniffliger und damit aufwändiger als gedacht, sagt Vogler. Ursprünglich hatte das Geläut schon zum vergangenen Wochenende in Gang gesetzt werden sollen. Nun wird es diese Woche und damit immer noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsabend.

Denn nach der Pannenserie beim Glockenguss - der der kleinsten war dreimal misslungen und hatte erst im September nach Wechsel der Gießerei Erfolg - standen die Rodewischer unter Zeitdruck: Um ihr Glockenprojekt fristgerecht zum Abschluss zu bringen, musste alles 2020 fertig werden.

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