Stadtrat stellt Weichen für neuen Markt am Bendelstein

Drei Beschlüsse wurden gefasst, um eine Neugestaltung des Nahversorgungszentrums zu ermöglichen. Bürger machten ihrem Unmut Luft.

Auerbach.

So viel Besucher-Interesse ist selten im Auerbacher Stadtrat: Rund 30 Gäste, vor allem Bewohner und Gewerbetreibende aus dem Neubaugebiet, kamen am Montagabend zur Sitzung ins Rathaus. Sie alle treibt die Angst vor dem Verlust des Nahversorgungszentrums um. Dessen Herzstück, der Rewe-Markt, schließt zum Jahresende. Immerhin: Mit dem Chemnitzer Unternehmen Dorn und Partner steht ein Investor in den Startlöchern, der das gesamte Areal von der ehemaligen Kegelbahn Feldschlösschen bis zum derzeitigen Zentrum neu gestalten und vor allem einen großen Supermarkt errichten will.

Diesem Investor haben die Stadträte mit drei Beschlüssen den Weg geebnet. Dabei beseitigten sie ein Hindernis, das sie 2016 selbst errichteten: Damals war eine Veränderungssperre für die Nachbargrundstücke des Versorgungszentrums verhängt worden, weil sich ein Fachmarktzentrum ansiedeln wollte.


Der Rat billigte einen neuen Bebauungsplan für das insgesamt 16.000 Quadratmeter große Gebiet. Dadurch soll der Bau des neuen, deutlich größeren Lebensmittelmarktes auf den Grundstücken von Feldschlösschen und Lagerhalle ermöglicht werden. Zweites Ziel ist die Modernisierung des bisherigen Nahversorgungszentrums.

Die Besucher bekamen kein offizielles Rederecht, äußerten aber in emotionalen Zwischenrufen und Fragen ihre Ängste: Ohne Supermarkt sei die Situation für alte und behinderte Neubau-Bewohner "grauenvoll" und "eine Katastrophe". Die Vertreter der Stadt hoben hervor, dass sie niemanden zum Betreiben eines Marktes verpflichten könnten. Bauamtsleiter Patrick Zschiesche betonte, die Stadt habe bereits im Januar 2017 den Vorbescheid für eine Vergrößerung des Rewe-Marktes erteilt. Dass Rewe und der damalige Grundstücks-Eigentümer anschließend nicht einig geworden seien, könne man dem Rathaus nicht anlasten.

Den Gästen war vor allem wichtig, dass es zu keiner Versorgungslücke zwischen der Rewe-Schließung und der Eröffnung des neuen Supermarkts kommt. Zschiesche machte ihnen da allerdings wenig Hoffnung: Man rede "mit Dritten", um die Nahversorgung zu sichern, doch die Lücke werde wohl da sein, meinte er. Oberbürgermeister Manfred Deckert (parteilos) versicherte: "Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um schnellstmöglich Klarheit zu schaffen."

Bei der Ansiedlung von Firmen auf dem jetzt deutlich größeren Areal pocht die Stadt auf "zentrenunschädliche Sortimente" und hat dazu Empfehlungen des Büros Cima eingeholt. Demnach soll der Lebensmittelmarkt maximal 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, eine Fachdrogerie 300, außerdem seien Apotheke, Blumengeschäft, Schreibwaren, Bäcker und Fleischer mit maximal 50 Quadratmeter "sinnvoll und zukunftsfähig".

Investor Rainer Dorn verweist darauf, dass es heutzutage keinen Drogeriemarkt unter 700 Quadratmeter mehr gebe. Doch über solche und andere "Stolpersteine" müsse man später reden: "Sobald die Verwaltung uns den Bauvorbescheid erteilt, legen wir los."

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