Strafnachlass für Drogenkoch

Mit seinem mobilen Labor stellte der Angeklagte Crystal her - das hat er jetzt zugegeben. Das Geständnis erspart ihm zwar 13 Monate Haft, doch viel nützt ihm das nicht.

Zwickau/Falkenstein.

Im März hatte das Amtsgericht Zwickau einen 48-jährigen Tschechen zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er in Falkenstein und Auerbach die Droge Crystal herstellte und in Umlauf brachte. Am Dienstag verkürzte das Landgericht Zwickau im Berufungsverfahren die Gefängnisstrafe auf zwei Jahre und elf Monate. Nach Überzeugung von Richter Rupert Geußer war die Beweislage zu dünn, um die vier Jahre zu rechtfertigen: "Wir wissen nicht, welche Mengen Crystal der Angeklagte wirklich hergestellt hat - es wurde nichts gefunden, bis auf kleine Reste." Die erste Instanz habe sich deshalb auf "Deutungen" aus der Telefonüberwachung durch die Polizei sowie auf Gutachten verlassen.

Diesmal war die Beweislage besser: Der Angeklagte hatte sein Schweigen gebrochen und eingeräumt, tatsächlich in fünf Fällen Crystal gekocht zu haben - viermal in einer Falkensteiner Wohnung, einmal in Auerbach. Dazu nutzte er ein mobiles Labor mit Gasbrenner, Glasteller, Erlenmeyer-Kolben und Mikrowelle. Er verkochte ein ephedrinhaltiges Medikament und weitere Substanzen wie Jod, Reinigungsmittel und Säure. "Maximal fünf Gramm" habe er dadurch jeweils gewonnen, beteuerte er. In zwei Fällen sei ihm die gesamte Ausbeute angebrannt und unbrauchbar geworden. In den verbliebenen drei Fällen habe er jeweils die Hälfte des Rauschgiftes selbst verbraucht. Und auch die andere Hälfte habe er lediglich "zum Selbstkosten-Preis" abgegeben, also keinen Gewinn erzielt.


Vor dem Geständnis hatten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht eine Übereinkunft über einen neuen Strafrahmen getroffen: Der Tscheche sollte mindestens zwei Jahre und neun Monate, höchstens aber drei Jahre und drei Monate Haft bekommen, wenn er redete. Richter Geußer blieb am unteren Ende des Strafrahmens und folgte dem Antrag der Staatsanwältin.

"Wir haben die Ahnung, dass es mehr Drogen waren, als zugegeben wurde", so der Richter. Doch das lasse sich eben nicht beweisen. Immerhin seien es wohl auch keine "großen Mengen" gewesen: Laut Gutachten sei bei der verwendeten Labor-Technik eine Ausbeute von sechs bis neun Gramm pro Kochvorgang zu erwarten. Strafmildernd wurde gewertet, dass der Angeklagte selbst offenbar schwer abhängig war - angeblich konsumierte er ein halbes Gramm am Tag.

Der Strafnachlass bringt dem Tschechen am Ende nicht viel: Sobald er seine Haft in Deutschland abgesessen hat, wird er in seine Heimat abgeschoben, wo eine noch offene Gefängnisstrafe und ein weiterer Prozess, diesmal wegen Raubes, auf ihn warten. Um der Strafverfolgung zu entgehen, war der Mann 2015 nach Sachsen geflohen. Insgesamt hat der 48-Jährige schon 19 Jahre hinter Gittern verbracht, zum Großteil wegen Verkaufs und Herstellung von Crystal. Wegen seiner vielen Haftstrafen sei er auch nie dazu gekommen, eine Berufsausbildung zu machen, erklärte er vor Gericht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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