Straßenkreuzer kurvt durch den Wendeherbst

Auerbach vor 30Jahren Ein Bundesbürger dokumentierte zufällig die Stadt in der Zeit der Wende. "Freie Presse" zeigt, was sich verändert hat. Heute: Das Westauto auf dem Altmarkt.

Auerbach.

Der Auerbacher Altmarkt Anfang November 1989: Vor dem Feinkost-Geschäft an der Ecke Nicolaistraße unterhalten sich Passantinnen. Man sieht verrußte, bröckelnde Fassaden, ein Moped im Vordergrund. Wie ein Fremdkörper wirkt der lang gestreckte Straßenkreuzer, der erkennbar nicht aus DDR-Produktion stammt.

War ein Bundesbürger damit zu Besuch, kurz vor dem Mauerfall? Nein, sagt Fotograf Tino Leucht, der damals dieses und andere Farbfotos schoss: "Das Auto war nicht im Westen zugelassen." Das ergebe sich aus dem Kennzeichen, das zwischen der mittleren und der rechten Zeichenkette einen Bindestrich habe: "Komplett entziffern konnte ich es leider nicht." In der Auerbacher Facebook-Gruppe wurde über das Thema eingehend debattiert. Demnach handelt es sich bei um einen Opel Kapitän P 2,6, der von 1959 bis 1963 gebaut wurde. Offenbar gab es mehrere "Opelfreaks", die solche Oldtimer hegten und pflegten und so durch die Jahrzehnte der DDR-Mangelwirtschaft brachten. Erworben werden konnten Westautos über das "Staatliche Kontor für Maschinen- und Materialreserven". Auch Günter Feustel, Vorsitzender der Briefmarkenfreunde, hat schon als Kind Luxuskarossen aus dem Ausland fotografiert, die DDR-Bürgern gehörten.

Wer mehr weiß über "Opelfreaks" und andere Oldtimer-Fans zu DDR-Zeiten, kann gern eine Mail an die Redaktion schicken:

red.auerbach@freiepresse.de

 

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