Suizid auf Schienen: Lokführer erhaltenumfassende Betreuung

In Bayern klagt ein infolge einer Traumatisierung entlassener Lokführer auf Schadenersatz. Die Vogtlandbahn setzt ihr Personal nach Schicksalsschlägen anders ein.

Neumark.

Rein statistisch gesehen erlebt ein Lokführer in Deutschland alle 20 Jahre einen Schienensuizid. "Das ist so, da ordnet sich unser Unternehmen genau ein", sagt mit Jörg Puchmüller der Pressesprecher der Länderbahn, zu der die Vogtlandbahn gehört. Doch sollte infolge eines solchen Erlebnisses ein Lokführer nicht mehr in den Führerstand wollen oder können, dann wird er an anderer Stelle des etwa 1000 Mitarbeiter starken Unternehmens eingesetzt. "Etwa als Kundenbetreuer oder in der Verwaltung. Generell kann man sagen, dass der Betroffene nie alleingelassen wird, es gibt immer ein alternatives Angebot", sagt der Sprecher in Bezug auf einen aktuellen Fall in München. Vor dem Oberlandesgericht klagt gerade ein Lokführer auf Schmerzensgeld, Schadenersatz und Verdienstausfall, weil er nach einem solchen traumatisierenden Vorfall und gescheiterten Wiedereingliederungsversuchen entlassen worden war.

Das Thema Suizid auf den Gleisen - immerhin nehmen sich in einem Jahr in Deutschland 1000 Menschen auf diese Weise das Leben - spielt bei der Länderbahn bereits in der Ausbildung der Lokführer eine Rolle. So gehen die Lehrkräfte in der Eisenbahnschule Neumark auf diesbezüglichen Aspekte ein. Das reicht vom Maßnahmepaket, das nach einem Vorfall greift, bis hin zu statistisch untermauerten Informationen, zu welchen Zeiten und an welchen Orten damit besonders zu rechnen ist. Wird ein Mensch mit offenbar suizidalen Absichten an den Gleisen bemerkt, ist es meist schon zu spät, um rechtzeitig abbremsen zu können. In jedem Fall aber leitet der Lokführer eine Schnellbremsung ein und betätigt die Pfeife. "Dadurch sind schon Menschen quasi aufgewacht und haben ihr Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt", informiert Jörg Puchmüller.

Kommt es zu einem solchen Vorfall werden die davon betroffenen Bahnmitarbeiter sofort aus dem Dienst genommen. "Es sind nämlich nicht nur die Lokführer betroffen, auch etwa für die Kundenbetreuer kann das einen schlimmen Einschnitt bedeuten." Die psychologische Betreuung erfolgt über Vertragsärzte. Später wird eine psychologische Überprüfung angeboten. "Der muss sich nicht jeder unterziehen. Jeder wird mit so einem Ereignis anders fertig. Wir achten darauf, dass nur derjenige wieder Verantwortung übernimmt, der dazu vollumfänglich in der Lage ist."

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