Techniksprung statt Torte - Sternwarte feiert Jubiläum

Nach sieben Jahrzehnten erhält die Rodewischer Sternwarte neue Beobachtungstechnik. Bei der Festveranstaltung war reichlich Zeit für Aus- und Rückblicke. Das neue Teleskop war ein Thema.

Rodewisch.

Normalerweise sind Siebzigjährige längst Rentner. "Hier ist das ganz anders", sagte Rodewischs Bürgermeisterin Kerstin Schöniger (CDU) vorgestern unter der großen Kuppel im Planetarium. Das Haus sei kein bisschen leise. Im Gegenteil: Die Festveranstaltung zum 70. Geburtstag der Sternwarte "Sigmund Jähn" ging auf einer Baustelle über die Bühne. Seit Mitte August laufen die Vorbereitungen für den Einbau zeitgemäßer Beobachtungstechnik auf dem Dach: Unter anderem wird der Aufstieg erneuert.

Das 30-Zentimeter große Spiegelteleskop erhält einen Nachfolger mit 50 Zentimeter Durchmesser und etliches Zubehör. Die Aufrüstung entspricht einem enormen Techniksprung. Zum einen ist die Sternwarte bald nicht mehr auf einen wolkenlosen Himmel angewiesen. Beim dem neuen Fernrohr sei weit mehr als Durchschauen möglich, sagte Hausherr Olaf Graf. "Damit können wir auch körperbehinderten Menschen etwas bieten." Beobachten ist dann per Computersteuerung über einen großen Monitor machbar und auf der Internetseite in Echtzeit erlebbar.

Zur Einweihung vor 70 Jahren hatte die Sternwarte noch woanders gestanden. Nämlich auf dem Dach des heutigen Johann-Heinrich-Pestalozzi-Gymnasiums. Das Projekt stieß damals der Lehrer Edgar Penzel an. Und es sei "unter abenteuerlichen Umständen" entstanden, sagte Kerstin Schöniger. "Baumaterial musste damals auf den Turm hochgetragen werden." Schüler und Eltern packten mit an. Als der russische Satellit "Sputnik" 1957 startete, schrieben die Rodewischer Astronomie-Arbeitsgemeinschaft Geschichte. "Edgar Penzel und seine Schüler schafften es, mit einfachsten Mitteln dessen Bahn zu berechnen. Ein paar Tage später haben sie ihn dann zum ersten Mal gesehen", erzählte Olaf Graf.

Mit dem Einzug der Astronomie als Unterrichtsfach für Zehntklässler 1959 wurde es in der Schule zu eng und ein Ortswechsel angepeilt. Mit dem Ergebnis, dass die Sternwarte seit 1967 auf der Rützengrüner Höhe am Ortsrand thront. 1985 kam ein Planetarium dazu. Und zwar durch Fürsprache von Siegmund Jähn, betonte Einrichtungsleiter Olaf Graf. Das Planetarium sei ein Riesenfortschritt gewesen, sagt er. "Damit konnten wir in eine neue Zeit starten und endlich Volkssternwarte sein."

Bis 1994 brachte es die mit der Wende in städtische Trägerschaft übergegangene Einrichtung auf etwa 100.0000 Bahnsatelliten-Vermessungen. Eigene Forschungen sind Geschichte. Heute öffnet sich das Haus für Beobachtungen, Vorträge und kulturelle Veranstaltungen. Auch die Arbeitsgemeinschaft Astronomie des Pestalozzi-Gymnasiums hat dort ihre Heimat.

Solch eine Entwicklung schüttelte die Einrichtung nicht aus dem Ärmel, gab Kerstin Schöniger zu bedenken. "Das hängt auch mit engagierten Menschen, mit Machern zusammen", sagte sie. "Und man braucht gute Partner."

www.sternwarte-rodewisch.de

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