Theater-Zoff: Plauener fühlen sich düpiert

Wer bezahlt, der bestimmt auch die Richtung. CDU und Linke äußern dunkle Befürchtungen. Der OB soll jetzt von Zwickau ein Bekenntnis einfordern.

Plauen.

In die Enttäuschung über Zwickaus jüngst angekündigte Pläne, die Finanzierung des gemeinsam mit Plauen betriebenen Theaters neu verhandeln zu wollen, mischen sich in Plauen scharfe Töne und Vorwürfe. Allen voran die CDU.

Nach Ansicht ihres kulturpolitischen Sprechers, Stadtrat Lutz Kowalzick, hat das Zwickauer Vorgehen ein "besonderes Geschmäckle". 2018 kam es zur Senkung des Plauener Finanzierungsanteils von 40 auf 32,5 Prozent, den sich die Stadt mit einem Einflussverlust im Aufsichtsrat erkauft hatte. Zwickau nutze diesen Einfluss nun aus. Die Muldestadt habe dies bei der Berufung des neuen Generalintendanten ab 2022 "bereits im November 2020 in Anspruch genommen", um knapp zwei Monate später "die dafür eingegangenen Verpflichtungen nicht mehr einhalten zu wollen", erklärt Kowalzick. "Wir fühlen uns düpiert."

Die Linke schlägt in dieselbe Kerbe und befürchtet, dass es Zwickau mit dem 2019 nach langwierigen Verhandlungen vereinbartem neuen Grundlagenvertrag nicht so ernst gemeint haben könnte. "War den Zwickauer Stadträten schon vor zwei Jahren klar, dass sie das Theater in seiner jetzigen Struktur nicht erhalten wollen?", fragt Claudia Hänsel, Fraktionsvorsitzende der Linken im Stadtrat. Durch die geänderten Mehrheitsverhältnisse "scheint dies in die Nähe zu rücken".

Die CDU kritisiert beim Blick auf die Entscheidungen 2018/19 auch Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP). Es sei jetzt genau das eingetreten, wovor die Union gewarnt habe, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Schmidt. Oberdorfer habe einen Deal mit seiner damaligen Zwickauer Amtskollegin Pia Findeiß (SPD) ausgehandelt und "als großen Erfolg für Plauen und das Theater dargestellt". Auch nach ursprünglicher Ablehnung der Vertragsentwürfe durch den Plauener Stadtrat habe der OB "nur marginale Verbesserungen für die Plauener Stimmrechte" ausgehandelt.

Das scheidende Stadtoberhaupt hinterlasse ein schweres Erbe und müsse nun rasch mit Zwickaus neuer Oberbürgermeisterin Constance Arndt (Bürger für Zwickau/BfZ) ins Gespräch kommen. Die CDU erwartet im Ergebnis "ein klares Bekenntnis zum Mehrspartentheater", fordert Jörg Schmidt.

Ähnlich die Erwartungen der Linken. "Wir sollten an die Zeit nach der Pandemie denken und alles dafür tun, das Theater zu erhalten", erklärt Stadträtin Petra Rank. Akteure des Theaters brauchen eine Perspektive und die Gäste wieder Kulturangebote.

OB Ralf Oberdorfer bekennt sich zum Erhalt des Theaters und sieht "keine Alternative" zum 2019 ausgehandelten Grundlagenvertrag. Plauen zahlt fürs Theater unterm Strich 3,33 Millionen Euro 2021 und 3,51 Millionen Euro 2022. Einen höheren Betrag zu leisten, sei "völlig ausgeschlossen". Plauen befasse sich auch nicht mit Planungen, Sparten am Theater zu verändern. "Nach wie vor gilt die Forderung an die Geschäftsführung, das bestehende Strukturkonzept umzusetzen."

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