Tierschützer wegen Anbau unter Druck

Ein Domizil für Katzen soll mehr Platz im Treuener Tierheim schaffen. Doch der Eröffnungstermin musste jetzt von Ende Juli auf den Herbst verschoben werden. Weshalb das so ist.

Treuen.

Umzugskisten stapeln sich vor dem zweigeschossigen Anbau, der sich noch im Rohbau-Zustand befindet. Notlösungen sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Und das seit Monaten. 16 Katzen sind momentan im kleinen Treuener Tierheim untergebracht. "Die Situation ist unerträglich", sagt Karin Slogsnat vom örtlichen Tierschutzverein, dem das Heim gehört. Denn dort, wo seit Ende Juli eine Quarantäne- samt Krankenstation sowie Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein sollten, befindet sich nach wie vor eine Baustelle.

Am Donnerstag machte sich Susanne Schaper, Sprecherin der Linksfraktion im Sächsischen Landtag für Sozial-, Gesundheits- und Tierpolitik, bei ihrer Reise durch vogtländische Tierheime in Treuen ein Bild. Auch sie schüttelte den Kopf über den unbefriedigenden Zustand. Insbesondere angesichts der dürftigen Unterstützung von kommunaler Seite. Denn nicht nur Platz ist überaus knapp bemessen, sondern auch Geld, um den Tieren etwas mehr als das Allernötigste zu bieten. Mit knapp 4000 Euro beteiligt sich die Stadt an dem Bauprojekt. Insgesamt kostet der Anbau 235.000 Euro - und liegt damit gut 100.000 Euro über der Kostenschätzung von 2015. Obwohl das Projekt zu 90 Prozent gefördert wird, blieb ein Anteil von über 30.000 Euro am Verein hängen. Außer von der Stadt kam Geld vom Landkreis (5000 Euro) und vom Deutschen Tierschutzbund (30.000 Euro). Spenden halfen, den Rest zu bewältigen.

Seit drei Jahren wird am Gebäudeteil gebaut. Stillstand und Kostensteigerungen plagen den Verein regelmäßig. Unter anderem aufgrund gestiegener Materialkosten in der Baubranche, so Slogsnat. Den größten Rückschlag mussten die Tierliebhaber 2016 verkraften. Damals füllte sich im Baufeld ein Loch mit Wasser. Um das Problem zu lösen, musste eine teure Grundplatte als Fundament gegossen werden - dazu kamen noch die Planungskosten.

Sorgen machen jetzt noch Firmen, die im Inneren Restarbeiten erledigen sollen. Der Verein werde ständig vertröstet, fühlt sich nicht ernst genommen. "Die Firmen sind ausgelastet und sagen keinen genauen Termin zu", klagt Karin Slogsnat. Dabei dränge die Zeit: Sieben Katzenbabys samt Mutter brauchen einen eigenen Raum. Und der Anbau muss noch ausgestattet werden. Doch auch dafür fehlt das Geld.

Acht ehrenamtliche Helfer kümmern sich derzeit um die Katzen und einige Pensionstiere. "Das Personalproblem verschärft sich immer mehr", sagte Slogsnat. Sie wünscht sich mehr Akzeptanz bei den Bürgern und der Stadt. Eine kommunale Pauschale von 30 Cent pro Einwohner - also 2400 Euro - sei bei Ausgaben von etwa 30.000 Euro pro Jahr nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch Susanne Schaper musste angesichts der wenigen Cent schlucken. "Anderswo sind es 1 Euro oder 1,10 Euro", sagte sie und kündigte an, weiter daran mitzuarbeiten, die Kommunen beim Tierschutz als öffentlicher Aufgabe in die Pflicht zu nehmen.

www.tierschutz-treuen.de

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