Tierschutzverein kauft Haus - sobald die Förderung steht

Der Gemeinderat Ellefeld hat den Verkauf des Grundstücks Schulstraße 28 gebilligt. Ob er tatsächlich vollzogen wird, hängt jedoch vom Freistaat Sachsen ab.

Ellefeld.

Die Pläne für ein "Katzenhaus" in Ellefeld werden konkret: Auf seiner Sitzung am Mittwoch hat Ellefelds Gemeinderat dem Verkauf des Grundstücks Schulstraße 28 an den Tierschutzverein Auerbach und Umgebung zugestimmt. Der Kaufpreis beträgt demnach 25.100 Euro. Laut Vorlage will der Tierschutzverein das Objekt als Vereinssitz und Katzenauffangstation nutzen, eine entsprechende Bauvoranfrage sei gestellt. Bisher sitzen die Tierschützer in einem völlig maroden Haus in der Falkensteiner Louis-Müller-Straße.

Ob es tatsächlich zur notariellen Bestätigung des Kaufvertrags und damit zu seinem Vollzug kommt, hängt jedoch davon ab, ob der Freistaat Sachsen anschließend die Sanierung des Hauses fördert - dies ist im Ratsbeschluss ebenfalls festgehalten. Die entsprechende Entscheidung ist laut Bürgermeister Jörg Kerber (parteilos) nicht vor April 2021 zu erwarten, weil der Haushalt vorher wohl nicht beschlossen werde. "Wir müssen erst wissen, ob es dort sinnvoll weitergeht - sonst hat das Ganze ja keinen Zweck", so Kerber. Denn ohne Unterstützung könne der Verein das Haus nicht auf Vordermann bringen.

Die Immobilie hatte zuletzt mehrfach im Fokus der Öffentlichkeit gestanden: Der völlig vermüllte Garten hinterm Haus hatte seit langem für Ärger in Ellefeld gesorgt, in Absprache mit dem letzten Besitzer hatte die Gemeinde zunächst den Unrat beräumen lassen. Nach einem eskalierten Familienstreit samt spektakulärem Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst im April waren sämtliche Bewohner, darunter vier Kinder, ausgezogen. Die Kommune erwarb das Grundstück, um weiteren Verfall zu verhindern. Im November erfolgte eine öffentliche Ausschreibung, bei der ein Mindestpreis von 25.000 Euro für das knapp 1800 Quadratmeter große Areal in der Ortsmitte festgesetzt wurde. Das einzige Gebot kam vom Tierschutzverein - bereits im September hatten die Tierschützer sich im Wohnhaus umgeschaut und Interesse bekundet.

Laut Gutachten ist das zweigeschossige Wohnhaus (das Vorderhaus) Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden, um 1990 habe es eine sehr begrenzte Teilsanierung gegeben, bei der zum Beispiel einige Fenster erneuert wurden. Ob sich eine Erhaltung lohne, hänge von der Ermittlung der Kosten für den Sanierungsaufwand ab, so die Zusammenfassung im Gutachten. Die Tierschützer hatten im September darauf verwiesen, dass man das Haus schließlich nicht für menschliche Bewohner, sondern für Katzen umbauen wolle - und dies sei machbar. Eine aktuelle Stellungnahme war vom Tierschutzverein am Donnerstag nicht zu bekommen.

Nach Schätzung von Bürgermeister Kerber wird die Sanierung, selbst für "Katzenzwecke", mindestens 200.000 Euro kosten. Vom zuständigen Ministerium gebe es bereits ein "positives Votum", dass das Vorhaben generell förderfähig sei.

Nicht mehr zu retten ist laut Gutachten das Hintergebäude: Wegen des schnell fortschreitenden Verfalls wird der Abbruch empfohlen. Man habe "erhebliche Schäden an der Substanz mit Vermüllung und Vandalismus" festgestellt, welche keine beziehungsweise nur eine sehr eingeschränkte Nutzung mehr zulasse. Eine Gefährdung von Menschen könne hier nicht ausgeschlossen werden.

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