Totes Baby: Mutter schwebte in Lebensgefahr

Neugeborenes war lebensfähig - Jugendamt nimmt Oma die Enkel weg

Zwickau/Plauen.

Im Prozess um den Säugling, der vergangenes Jahr tot in der Wohnung seiner Mutter gefunden wurde, sind am Montag weitere Details zur Rolle des Jugendamtes bekannt geworden. Die Behörde in Plauen soll der alleinerziehenden jungen Frau die Hilfe verweigert haben, als diese damals darum bat.

Nach dem Fund des toten Babys wollten die Schwester der Frau und deren Mutter die beiden Kinder der 31-Jährigen in ihren Familien aufnehmen. Das habe das Jugendamt jedoch abgelehnt, erklärte die 44-jährige Schwester am Rande der gestrigen Gerichtsverhandlung: "Das Jugendamt ist nicht auf uns eingegangen und hat uns keine Hilfe gegeben. Es hieß nur, dass man uns die Erziehung nicht zutraut und einen Heimplatz sucht für die beiden." Bis heute hat sich die Behörde nicht zu dem Fall geäußert. Die beiden fünf und acht Jahre alten Mädchen kamen damals in eine Pflegefamilie und blieben dort von Januar bis Mai. Erst danach durften die Kinder zu ihrer Großmutter und ihrer Tante ziehen. Die 44-Jährige ist selbst staatlich anerkannte Erzieherin, arbeitet aber seit mehreren Jahren in einem anderen Beruf.

Die Kindsmutter schwebte nach der heimlichen Hausgeburt in Lebensgefahr, unter anderem wegen Nierenversagens, Drogenkonsums und Komplikationen bei der Geburt. Nach mehreren Wochen auf der Intensivstation ließ sie sich freiwillig in eine Psychiatrische Klinik einweisen. Sie soll ihre dritte Tochter vergangenes Jahr im Januar unter einem Kleiderstapel versteckt haben. Wegen Totschlags droht ihr eine mehrjährige Haftstrafe.

Zum Prozess am Montag vor dem Landgericht Zwickau hatte das Gericht eine Kinderärztin als Sachverständige zu den Überlebenschancen des Neugeborenen befragt. Die Klinikärztin konnte anhand des Obduktionsberichts keine Anzeichen dafür erkennen, dass sich das Kind nach der Geburt in einem kritischen Zustand befunden hat.

Die 31-jährige Mutter war nach eigenen Angaben von einer Totgeburt ausgegangen, das Baby sei blau und schlaff gewesen. Aus Panik, ihre Kinder könnten den toten Säugling sehen, habe sie diesen in Tücher gewickelt und anschließend im Schlafzimmer versteckt. Die Schwangerschaft hatte sie ihrer Familie verheimlicht. Das Schwurgericht, das aus drei Berufsrichtern und zwei Schöffen besteht, verkündet das Urteil im März.

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11 Kommentare
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    Rebes
    24.02.2021

    Ein Armutszeugnis für Deutschland. Alle Behörden überfordert. Ich denke es sind mehrere unglückliche Verkettungen, die zu dem tragischen Ende für das Baby geführt haben.