Treuener Bürgerbus: Start rückt näher

Wenn alles gut geht, rollen schon ab Oktober Kleinbusse mit ehrenamtlichen Fahrern in schlecht erreichbare Ortsteile. Vorher sind jedoch einige Hürden zu nehmen.

Treuen.

Sechs potenzielle Bürgerbus-Fahrer haben sich für Treuen gemeldet - vier von ihnen kamen am Dienstag zur Info-Veranstaltung ins Rathaus der Trebastadt. Das sind deutlich weniger als im benachbarten Lengenfeld, wo es zunächst sogar 14 Kandidaten für das Ehrenamt gab. Doch ÖPNV-Geschäftsführer Thorsten Müller ist zuversichtlich: "Mit vier bis fünf Leuten kann man erst mal starten", so sein Resümee. "Damit lassen sich zwei Touren absichern." Tatsächlich haben sich Adorf und Bad Elster, wo der Bürgerbus etabliert ist, anfangs auch nicht mehr Interessenten gemeldet. "Motivierte Fahrer, die Bock drauf haben", sind laut Müller "Dreh- und Angelpunkt" des Bürgerbus-Vorhabens. Die vier Anwesenden wollen nun alles Notwendige tun, um bald am Kleinbus-Lenker zu sitzen. Der Treuener Stadtrat hatte im Dezember beschlossen, sich am Bürgerbus-Projekt zu beteiligen. Die Kosten für die Kommune betragen einmalig 5000 Euro.

Größte Hürde vor dem Start ist nun zunächst der Erwerb des Führerscheins zur Fahrgastbeförderung für alle Kandidaten. Dabei werden außer dem Punktekonto in Flensburg und dem Führungszeugnis vor allem die körperliche und die psychologische Verfassung sowie die Sehkraft überprüft. Lutz Hoffmann, beim Verkehrsverbund Vogtland (VVV) der Kontaktmann zum Bürgerbus-Verein, geht davon aus, dass es zwei Monate dauern kann, bis dieser besondere Führerschein ausgestellt ist, den sonst vor allem Taxifahrer benötigen. Die Kosten bekommen die Fahrer ersetzt, ebenso ihren Aufwand für die Fahrt zum Startpunkt des Busses. Ansonsten ist das Ganze ehrenamtlich: "Kosten werden erstattet, aber Geld verdienen kann man hier nicht", betonte Müller bei der Info-Veranstaltung.

Die Zeit bis zum Führerschein-Erwerb können Bürgerbus-Verein, Stadt und Verkehrsverbund (VVV) nutzen, um einen Fahrplan aufzustellen. Als mögliche Zielorte für den Bus nannte Bürgermeisterin Andrea Jedzig die Ortsteile Mahnbrück und Perlas. Nach den Erfahrungen im Vogtland sind 90 Prozent der Fahrgäste Senioren und Schwerbehinderte, die sonst kaum aus ihren Wohngebieten und Dörfern herauszukommen. Auch ein Bus muss beschafft werden - überwiegend mit Fördermitteln. Bis der da ist, könne eventuell ein Bus aus Lengenfeld genutzt werden, hieß es.


Stichwort Bürgerbus

Bürgerbusse sollen eine Ergänzung zum Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs sein - und zwar dort, wo dieser nicht kostendeckend angeboten werden kann, weil zu wenige Fahrgäste einsteigen. Oder dort, wo normale Busse gar nicht durchkommen, etwa in Neubaugebieten.

Ehrenamtlich tätige Fahrer steuern die Bürgerbusse. Im Vogtland kommen barrierefreie, achtsitzige Mercedes-Sprinter zum Einsatz. Die Fahrzeuge werden von Verkehrsunternehmen mit Hilfe von Fördermitteln angeschafft und gewartet.

In Lengenfeld, Adorf und Bad Elster sind seit März 2017 Bürgerbusse im Einsatz. Die Einzelfahrt kostet 1,60 Euro, mit der Vogtland Card

Mobil zahlen die Passagiere nur

1,15 Euro. (bap)

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3Kommentare
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    Zeitungss
    04.08.2018

    Der GESCHÄFTEführer des VVV kann dieses zukunftsweisende Projekt auch nicht erklären, oder???? Hat die für die Gerechtigkeit sorgende Frau Zimmermann ( ich glaube Linksfraktion) auch schon einmal von diesen System etwas mitbekommen ???? Ein Teil der AN streikt für höhere Löhne, ein anderer Teil jammert über die "gute" Bezahlung im Vogtland und ein kleiner Teil arbeitet ihren Ausbeutern zu, verstehe das wer will.

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    FelixGrieser
    02.08.2018

    Ja dem VVV sind selbst die paar wenige Euro für einen Busfahrer der hier in der Region sogar für unter 10€/h einem sehr verantwortungsvollen Job nachgeht zuviel....Wenn man interne Kenntnisse davon hat wie teilweise schon aktive Bürgerbusbfahrer den notwendigen Personenbeförderungsschein erlangt haben, dann....

  • 1
    0
    Zeitungss
    02.08.2018

    VVV sollte nicht auf dem Bus stehen (siehe Bild), Ausbeuterverbund wäre treffender.
    Was hier abläuft, ist eigentlich ein Skandal und man ist auf dem Weg, das Vogtland zum lohnfreien Land zu machen. Leider gibt es Leute, welche es absolut nicht begreifen wollen oder können. Der VVV als Vorbild für die Wirtschaft, besser geht's wirklich nicht. Die Erfinder habe die Stimme verloren, nun gut, erklären kann man es einem normalen Menschen eh nicht. Das Vogtland bringt sich wieder einmal genau an richtiger Stelle ins Gespräch. Wohlgemerkt, es geht nicht um den Bus selbst, sondern um die Ehrenamtlichen. Jeder Tagelöhner hat da noch bessere Konditionen.



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