Trinkerszene am Neumarkt: Betroffene kritisieren die Stadt

Attacken mit Glasscherben und Nazi-Graffiti: Solche Straftaten dürfe das Rathaus nicht verharmlosen, meinen Leute, die regelmäßig vor Ort sind.

Auerbach.

Das Treiben der Zecher auf und am Neumarkt beobachtet der Auerbacher Robert Freund (39) schon lange, weil hier Verwandte wohnen: "Das geht ja über viele Jahre, jetzt hat es sich arg zugespitzt." Er hat kein Verständnis für die Äußerung von Stadtsprecher Hagen Hartwig, es gebe keine konkreten Hinweise, Beschwerden oder Anzeigen. "Ich war selbst Zeuge, als es vor der Bäckerei Börner zum Streit zwischen Betrunkenen kam, von denen einer ins Schaufenster fiel", schildert er ein Ereignis aus dem Juni. Einer der Beteiligten habe sich anschließend eine große Glasscherbe gegriffen und versucht, den anderen damit zu stechen. "Da gab es selbstverständlich eine Anzeige." Er findet es "Mist, dass die Stadt sich jetzt so hinstellt, als sei dort nichts Ernsthaftes passiert und sie könne nichts tun". So einfach dürfe sich die Kommune nicht aus der Verantwortung stehlen, findet Freund.

Beate Barthel, Inhaberin von Mode Siegel, verweist auf die Anzeigen wegen Nazi-Graffiti gegen einen Angehörigen der dortigen Trinkerszene, sie weiß auch von Anzeigen gegen Wild-Pinkler. "Es kann doch nicht sein, dass erst noch Schlimmeres passieren muss, bis das Rathaus handelt", findet die Geschäftsfrau. Sie will in der Sache demnächst einen Brief mit der Bitte um Unterstützung an OB und Stadtrat schicken. "Man darf uns als direkt Betroffene hier nicht allein lassen", sagt Beate Barthel. "Das ist schließlich ein gesamtgesellschaftliches Problem." Aus Sicht der Unternehmerin müsse den Leuten, die sich dort tagtäglich treffen und Alkohol konsumieren, auch Hilfe angeboten werden, etwa durch Streetworker und Sozialarbeiter: "Das wäre eine Aufgabe für die Diakonie."

Laut Polizeisprecher Oliver Wurdak hat es am Neumarkt in den vergangenen sechs Wochen vier Anzeigen gegeben: einmal Sachbeschädigung, zweimal Körperverletzung, eine Beleidigung - die beiden letzten Delikte innerhalb der Gruppe. Zudem seien Lärmbelästigung und Urinieren in der Öffentlichkeit als Ordnungswidrigkeiten registriert worden. Und die Polizei habe sechs Platzverweise ausgesprochen: "Denen wurde auch nachgekommen", so Wurdak. Die Schlägerei vor dem Bäcker war schon im Juni, ist also in der Aufzählung nicht enthalten. Und die Nazi-Schmierereien gingen zwar vom Neumarkt aus, verteilten sich aber über die ganze Stadt.


Aus der Polizeiverordnungder Stadt Auerbach

Auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen ist verboten:

a) aufdringliches oder aggressives Betteln, beispielsweise durch hartnäckiges Ansprechen, durch körperliches Bedrängen oder in deutlich alkoholisiertem Zustand, sowie erhebliches Belästigen anderer Personen durch aufdringliches oder aggressives Verhalten;

b) der Genuss von Alkohol, wenn bereits dieser auf Grund konkreter Vorgänge unmittelbar erwarten lässt, dass andere Personen erheblich belästigt werden, etwa durch aufdringliches oder aggressives Verhalten;

c) die Notdurft verrichten;

d) Zerschlagen von Flaschen oder anderen Gegenständen;

e) Liegenlassen, Wegwerfen oder Ablagern von Gegenständen außerhalb der dafür zur Verfügung gestellten Behältnisse

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