Trio rangelt um Zuständigkeiten: Bahn-Servicecenter droht das Aus

Der Erhalt im Oberen Bahnhof Plauen ist per Vertrag gesichert. Doch die drei Beteiligten - ZVV, MRB und DB - finden partout nicht zusammen.

Plauen/Auerbach.

Die Uhr tickt. Vor viereinhalb Jahren erhielt der Verkehrsverbund Vogtland (VVV) den Auftrag zur Sanierung des Informations- und Servicecenters im Oberen Bahnhof Plauen. Geschehen ist bis heute nichts. Doch nach der Kündigung des Mietvertrages zum 30. September 2021 droht nun der einzige Anlaufpunkt des Vogtlandkreises für Fahrplanauskunft und Ticketverkauf der Bahnunternehmen zu verschwinden. Eine Nahverkehrs-Schnittstelle ohne Auskunft - "das ist nicht hinnehmbar", rief Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) das vor sich hin schwelende Problem in der Februarsitzung des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ZVV) in Erinnerung.

"Wir sind in Gesprächen", antwortete ZVV-Geschäftsführer Michael Barth und bestätigte, dass die Zeit drängt. Vielleicht noch im Februar könnte es eine Einigung geben. Im Gespräch seien zwei Varianten: Variante 1 wäre die Umsetzung der 2016 vom ZVV beschlossenen Sanierung in den derzeitigen Räumen der Servicestelle im Bahnhofsgebäude. Variante 2 würde den Umzug in kleinere Räume bedeuten, ebenfalls im Oberen Bahnhof Plauen. Barth hatte bereits zwei Monate zuvor auf die prekäre Lage verwiesen. Trotz Zusagen lassen sich die beteiligten Bahnunternehmen Zeit. Doch was läuft beim Gerangel um Pflichten und Zuständigkeiten ab?

Da ist erstens der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr, bestehend aus dem Vogtlandkreis und der Stadt Plauen. Ihm obliegt die Beauftragung der regionalen Verkehrsleistungen. Der ZVV muss sich auch um deren Organisation und Finanzierung kümmern. Er beauftragte schließlich seine Tochter VVV, die Modernisierung des Servicepunktes zu übernehmen.

Zweitens gibt es den Eigentümer des Bahnhofsgebäudes, die Deutsche Bahn AG. Deren Berliner Tochterfirma DB Station & Service AG fungiert als Betreibergesellschaft der "Verkehrsstationen am Streckennetz der DB Netz AG". Auf Deutsch: Die DB S&S muss sich um die Personenbahnhöfe kümmern.

Drittens schließlich gibt es den Verkehrsanbieter für den Regionalexpress Dresden-Hof, die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB). Und jene MRB ist auch für das Betreiben der Vertriebsstelle im Plauener Bahnhof zuständig. Seit dem weitreichenden Rückzug der Deutschen Bahn ist der internationale Transdev-Konzern mit seiner Tochter MRB im Vormarsch. Transdev bezeichnet sich als "größten privaten Mobilitätsanbieter in Deutschland".

Doch dieses Trio findet im Falle des Servicepunktes Plauen offenbar noch immer nicht zusammen. Der ZVV beklagt den miesen Zustand und steigende Mieten im Bahnhof und kündigte den Mietvertrag. Die DB reagierte "überrascht" und wies die Vorwürfe zurück. Die MRB sagt, sie wisse von der Kündigung seit Dezember, und sie räumt ein, für eine Vertriebsstelle im Bahnhof "vertraglich verpflichtet" zu sein. Hingekriegt hat sie es bis heute nicht. Man prüfe Optionen, suche nach Alternativen, sei im Austausch und "im Moment weiterhin optimistisch".

Bahnkunden haben kein Verständnis mehr für die schleppende Umsetzung einer Lösung, zumal die Politik Bus und Bahn für die Zukunft absoluten Vorrang einräumt. Während sich Fahrgäste mitunter ironisch die gute alte Deutsche Reichsbahn zurückwünschen, schieben sich die Akteure den schwarzen Peter gegenseitig zu.

Unterdessen schaut der Fahrgastverband Pro Bahn kopfschüttelnd auf das Gerangel und fordert eine Lösung im Sinne der Bahnkunden. Bertram Zetzsche, Schatzmeister von Pro Bahn Mitteldeutschland: "Alle drei Akteure haben bisher keine glückliche Figur abgegeben."

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