Trockenheit: Wasser sparen - oder nicht?

Ein heißer April, ein extrem heißer Juni, seit zwei Wochen kaum ein Regentropfen: Die erneute Trockenheit bereitet vielen Vogtländern Sorgen - auch ums Trinkwasser. Der zuständige Minister rief schon im Mai zum Sparen auf. Der vogtländische Wasserzweckverband hält indes dagegen.

Werda/Muldenberg.

Zwei Cent kostet der zehn Liter Eimer Wasser im Vogtland. Seit des Rekordwertes 1996 fiel der Preis fürs Trinkwasser. Das lässt die Vogtländer den Hahn aufdrehen - gerade in Zeiten von Hitze und Trockenheit. Verbrauchten sie vor 15 Jahren im Durchschnitt noch sieben solcher Eimer an einem Tag, sind es heute pro Person anderthalb mehr. "Es ist eine Generationenfrage", sagt Ronny Röder. Er ist Trinkwasserchef beim Zweckverband Wasser und Abwasser Vogtland. "Die meisten sehen es als selbstverständlich an, dass das Wasser aus der Wand kommt."

Das sächsische Umweltministerium rief die Bürger bereits Anfang Mai zu einem sorgsamen Umgang mit Wasser während der Sommermonate auf, da die Regendefizite aus dem Vorjahr in den Pegeln von Grundwasser, Talsperren und Flüssen noch immer nachwirken. "Ein präventiv sorgsamer Umgang mit Wasser jedes Einzelnen kann dabei zusätzlich helfen, Dargebotsmängeln aufgrund von Trockenwetterperioden vorzubeugen", so Umweltminister Thomas Schmidt (CDU). Die Plauener Stadtverwaltung ruft während der aktuellen Hitzewelle wie schon voriges Jahr dazu auf, Straßenbäume privat zu wässern.


Im Rekordhitzesommer voriges Jahr erzielte der Zweckverband ein Umsatzplus von mehr als drei Prozent. Für Ronny Röder ein gutes Geschäft. "Es gibt keinen Grund, aktuell zum Wassersparen aufzurufen", sagt der Trinkwasserchef. "Das Vogtland ist gut versorgt. Den Hitzesommer voriges Jahr werten wir als Stresstest, der aber auch zeigte, dass wir gut aufgestellt sind." Selbst bei größter Hitze seien die Tests des Gesundheitsamts an den 180 als Wasserspeicher genutzten Hochbehältern unauffällig gewesen. 37 eigene Wasserwerke betreibt der Zwav in der Region, so genannte Dargebote. Einzig das Werk in Marieney habe den Tagesbedarf der Einwohner zeitweise nicht gedeckt. Vier Wochen rollten zwei Wasserwagen ins Dorf.

Die Fernwasserversorgung gleicht Defizite im Wassermix aus. Zwei Drittel des Trinkwasserverbrauchs bezieht der Zwav über die von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) betriebenen Trinkwassertalsperren Muldenberg, Werda und Dröda. In Muldenberg gab es während der länger als ein halbes Jahr andauernden Trockenperiode den geringsten Füllstand, so die LTV auf Anfrage, aber immer noch 58 Prozent des Stauziels. Der Tiefstand war am 2. Dezember erreicht. Dröda, die größte der Trinkwassertalsperren, hatte zu dem Zeitpunkt noch 63 Prozent des üblichen Wasserstands, war aber schon zu Beginn der Trockenheit abgesenkt. Selbst in zwei- bis dreijährigen Trockenperioden bestehe eine sehr hohe Versorgungssicherheit, sagt Pressesprecherin Karin Schöne.

Nach den Erfahrungen aus dem vorigen Jahr geht der Trinkwasserchef beim Zwav mit der Angabe von drei Jahren nicht mehr mit. "Das ist doch zu mutig", sagt er. "Zwei Jahre könnten wir aber überbrücken."

Fünf Millionen Euro fließen jährlich in Investitionen ins Rohrleitungsnetz. Zusätzlich fallen anderthalb Millionen Euro für Reparaturen der 2500 Kilometer Leitungen an. Das Netz wird rund um die Uhr digital überwacht. Rohrbrüche oder Schmutzeinträge melden Sensoren fast auf die Minute. "Das wird in trockenen Sommern zunehmend wichtig für uns", sagt Röder. Wie bei Frost im Winter sorgt anhaltende Trockenheit für Bewegung in den Erdschichten - und für mehr Rohrbrüche. Experten nennen das Phänomen Sommerfrost.

Die Anschlussquote ans Trinkwassernetz liegt in der Region bei 99,4 Prozent. Doch trocknen Brunnen aus, wird die Lage ohne Anschluss prekär, wie Bürger der Birkenhäuser aus Schilbach bei einem Forum der "Freien Presse" beklagten. Eine Lösung gibt es bislang nicht.

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