Umfrage: Radfahrer leben in Auerbach gefährlich

Fast drei Viertel der befragten Radler fühlen sich durch den Autoverkehr gefährdet, nur wenige schicken ihre Kinder gern mit dem Rad zur Schule. Der zuständige Amtsleiter hat schon ganz konkrete Pläne für Verbesserungen.

Auerbach.

Eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hat ergeben, dass das Radfahren in Auerbach nach wie vor kein Zuckerschlecken ist. Beim "Fahrradklima-Test" landet die Drei-Türme-Stadt bundesweit im hinteren Mittelfeld, deutlich hinter vergleichbaren sächsischen Städten.

Im Herbst hatten 53 Auerbacher an einer Umfrage teilgenommen. 71 Prozent von ihnen fühlen sich laut Mitteilung des ADFC gefährdet, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind. 63 Prozent gaben an, sie würden regelmäßig von Autofahrern bedrängt oder behindert. 72 Prozent meinen, dass es zu wenig sichere Abstellanlagen für Fahrräder gibt, 89 Prozent finden, dass der Winterdienst nicht fahrradfreundlich ist. "Außerdem fühlen sich nur elf Prozent der Auerbacher Radfahrenden als gleichwertige Verkehrsteilnehmer akzeptiert", teilt der ADFC mit. Deutlich besser als der sächsische Durchschnitt bewerteten die Auerbacher dagegen das Vorgehen gegen Falschparker auf Radwegen. Auch sagten 62 Prozent, dass ihnen das Radfahren in der Stadt "grundsätzlich Freude bereitet".

Nur 26 Prozent hätten ein gutes Gewissen, ihr Kind allein in der Stadt Rad fahren zu lassen. "Und sogar nur 20 Prozent der Auerbacher haben das Gefühl, dass es gewünscht ist und gefördert wird, wenn Kinder mit Rad zur Schule fahren." Laut Mitteilung finden 77 Prozent, dass Auerbachs Infrastruktur "für Kinderanhänger ungeeignet ist". Für 59 Prozent gleiche die Fahrt auf einem Auerbacher Radweg eher einem Hindernislauf, 53 Prozent kritisierten die Oberflächenqualität der Radwege.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, sieht in Auerbach deutlichen Aufholbedarf. "Der Fahrradklima-Test zeigt, dass die Auerbacher bei der Förderung des Radverkehrs mehr erwarten als warme Worte. Wenn sich 71 Prozent beim Radfahren gefährdet fühlen, dann müssen Konsequenzen gezogen werden." Immerhin zeige der Test auch, dass Verbesserungen ankommen: "42 Prozent sind mit der Breite der Radwege zufrieden, sachsenweit liegt der Wert lediglich bei 25 Prozent. Die Kommunalpolitik ist jetzt gefordert, den Bedürfnissen der Auerbacher Radfahrenden gerecht zu werden", sagt Krause.

Beim zuständigen Amtsleiter im Rathaus, Knut Kirsten, rennt er damit offene Türen ein. "Die empfundene Gefährdung ist nachvollziehbar", meint Kirsten, der selbst passionierter Radfahrer ist. Auch aus seiner Sicht fehlt vielen Autofahrern nach wie vor das Bewusstsein, dass Radler "vollwertige Verkehrsteilnehmer sind". Das Feedback durch die Umfrage könne dazu beitragen, dass Belange des Radverkehrs sowohl im Rathaus als auch im Stadtrat mehr Gehör finden, hofft Kirsten. "Sehr nachdenklich" machten ihn die Aussagen zum Schulweg der Kinder: "Wobei die Befürchtungen völlig nachvollziehbar sind." Aber als Stadt würde man es gerne sehen, wenn mehr Schüler per Rad kommen: "Das ist ja der klassische Radverkehr, und Abstellmöglichkeiten gibt es an den Schulen genug."

Kirsten kann zumindest eine Verbesserung ankündigen: Den neuen Radweg entlang der gesamten Kaiserstraße, die gerade saniert wird. "So einen Schutzstreifen strebe ich auch für die Falkensteiner Straße an -die ist aus meiner Sicht dafür prädestiniert", so der Amtsleiter. Doch darüber sei man noch nicht einmal im eigenen Haus einig.

Aus Kirstens Sicht wäre ein Radweg an der Falkensteiner ein wichtiger Lückenschluss zum Göltzschtalhöhenweg, der nahe Kinella auf Ellefelder Flur erreicht würde. "Wir müssen das Radwegnetz Schritt für Schritt ausbauen", meint Kirsten. Soeben habe man eine Zusage für den ersten Teil dieses Ausbaus auf der Richardshöhe bekommen.

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