Vogelkundler warnen vor Windrädern

Sachsen will die Windkraft ausbauen. Die vogtländischen Ornithologen fürchten negative Folgen für die Tierwelt.

Auerbach.

Klimaschutz und Naturschutz gehören untrennbar zusammen - so das Credo der Arbeitsgemeinschaft der vogtländischen Ornithologen. "Leider sieht die Praxis oft anders aus", heißt es in einem Papier der AG. Die Vogelkundler sind alarmiert über Sachsens Pläne zum Ausbau der Windkraft. Die Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen wolle die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bis 2030 verdoppeln, so die Ornithologen. Doch von den Betreibern der Windenergieanlagen (WEA) werde die Energiewende "nur aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet", das dürfe nicht so bleiben. Denn die WEA entwickelten "immense negative Folgen" auf die umgebende Natur, insbesondere auf Vögel und Fledermäuse, aber auch auf Insekten.

Die Ornithologen zitieren eine Schweizer Studie, nach der im Schnitt jährlich 20,7 Vögel von jeder WEA getötet werden. Da deutschlandweit 31.000 Anlagen stünden, bedeute dies jährlich 642.000 tote Vögel (siehe Infokasten). Hinzu kämen 250.000 getötete Fledermäuse sowie 12 Billionen Insekten. Die Zahlen seien "alarmierend".

Die vogtländischen Ornithologen fordern die Einhaltung von Mindestabständen nicht nur zur Wohnbebauung, sondern auch zu Horsten und Brutstätten geschützter Arten wie Rotmilan, Schreiadler, Schwarzstorch, Uhu und Rohrweihe, wenn das Regionale Windenergiekonzept erarbeitet wird. Die entsprechenden Daten habe man dem Planungsverband zugeleitet.


Diskussion um Vogelschlag

Wie viele Vögel jährlich durch Windräder sterben, ist durchaus umstritten. Ein Experte vom Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schätzte 2019 bundesweit "zwischen 10.000 und 100.000 pro Jahr". Dies wären zwischen ein und fünf Vögel pro Jahr und Anlage.

18 Millionen Vögel sterben pro Jahr bundesweit an Glasscheiben, über 1,8 Millionen an Freileitungen, weit über zehn Millionen durch Autos: Die Zahlen nennt der BUND Südlicher Oberrhein, und findet "erstaunlich", dass darüber kaum diskutiert werde. (bap)


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