Vogtländerin gründet ein Meerschweinchen-Waisenhaus

Cindy Repschläger nimmt in ihrem Garten sozial schwache Meerschweinchen auf. Eigentlich züchtet sie Cuys - peruanische Essmeerschweinchen. Aber zum Knuddeln.

Plauen.

Sie heißen Fee, Astrid und Moses und leben in der knuffigsten WG Plauens. Knapp 50 Meerschweinchen versorgt Cindy Repschläger gerade in ihrem Garten, und die meisten von ihnen nahm sie auf, weil ihre Besitzer sie nicht mehr wollten. "Ich habe schon Tiere abgeholt, die in Schuhkartons gelebt haben", sagt Cindy Repschläger.

Die Fellknäuel mit den dünnen Beinchen sind der jungen Frau ans Herz gewachsen. In Haselbrunn bewirtschaftet die 25-Jährige eine Notstation für Meerschweinchen. Sie besteht aus einem Holzhaus voller Käfige und Freilaufflächen, in dem die Tiere in Wohngruppen leben. Viele von ihnen wurden im Internet zum Verschenken angeboten. Manche hätten kurz davor gestanden, Schlangenfutter zu werden.

Meerschweinchen sind beliebt. Es gibt Schönheitswettbewerbe für sie, etwa im bayerischen Vaterstetten vor zwei Monaten. Und im Internet bieten diverse Händler Mode-Kollektionen für die Nagetiere an.

Sie haben aber auch ein schweres Los. "Wenn sie ihrem Besitzer langweilig werden, lassen sie sich leicht in eine Ecke schieben", sagt Cindy Repschläger. Eine Schweinchen-Familie, die bei ihr lebt, habe in Plauen in einer Fleischer-Plastikbox gehaust. Ohne Häuschen, nur mit trockenem Brötchen zum Knabbern. Ein tragendes Meerschweinchen, ebenfalls untergekommen in der Knuddel-WG, sei in einer Garage abgeparkt gewesen. Cindy Repschläger vermittelt den Tieren eine neue Familie. Vergangenes Jahr waren es über 100, sagt sie. Ein zweites tierisches Problem will sie lösen, indem sie Meerschweinchen verleiht. Wenn von zwei Schweinchen eines stirbt, kann man bei Cindy Repschläger einen neuen Partner ausleihen - damit das Tier nicht einsam ist: "Schlimm, wenn es heißt, der ist vier, der kann jetzt alleine bleiben."

Eigentlich ist sie Tierwirtin für Geflügelhaltung, hat auf Chemielaborantin umgeschult. Ihr Herz für Meerschweinchen habe sie während des freiwilligen ökologischen Jahres im Naturzentrum Pfaffengut entdeckt. Ab und zu seien dort Meerschweinchen abgegeben worden.

"Einmal habe ich zwölf Stück nach Hause geholt und aufgepäppelt", erzählt Cindy Repschläger. Inzwischen kennt sie alle Rassen, die es gibt. Und sie züchtet Cuys, peruanische Essmeerschweinchen. Die sind fast doppelt so groß wie normale Exemplare und gelten als ruhig, genügsam und sozial gegenüber kleineren Schweinen. Die junge Frau verkauft sie bundesweit als Kuscheltiere. Die Zucht kam dazu, als die Notstation schon da war.

Das Meerschweinchen-Waisenhaus betreibt die Plauenerin auf eigene Kosten: "Jedes Hobby kostet Geld." Drei Stunden am Tag verbringt sie damit, und samstags ist das große Wiegen mit Wiege-Protokoll. So kontrolliert sie, ob die Tiere fit sind. Der schwerste Mann im Stall ist Cuy-Bock Adam. Zweieinhalb Kilo bringt er auf die Waage. Das ist mehr als doppelt so viel wie ein Durchschnitts-Meerschwein.

www.cuys-von-haselbrunn.de.tl

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