Brandanschlag auf Impfzentrum in Eich - Politiker fordern Konsequenzen

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Corona-Leugner und Impfgegner machen seit längerem gegen Impfzentren und Impfteams mobil. In Sachsen hat die Feindseligkeit nun eine neue Dimension erreicht. Nur durch Glück geht ein Angriff glimpflich aus.

Treuen/Dresden.

Es ist bereits der dritte Angriff auf das Impfzentrum im Treuener Ortsteil Eich: Nachdem im Januar und März mutmaßliche Impfgegner Parolen wie "Giftzentrum" und "Giftlager" schmierten, flogen am späten Dienstagabend selbst gebastelte Molotowcocktails gegen das Gebäude. Dazu hatten die Täter drei Bierflaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt und Lunten angezündet, zumindest zwei von ihnen sollen nach dem Aufprall gebrannt haben. Die beabsichtigte explosionsartige Entzündung blieb jedoch aus. Zwei Sicherheitsleute lösten sofort Feueralarm aus, sie konnten die Lunten jedoch vor Eintreffen der Feuerwehren selbst löschen.

Die Brandsätze wurden gegen zwei Rolltore an der rechten Seite des Gebäudes geworfen; die Täter sollen abgewartet haben, bis der Wachdienst auf der anderen Seite unterwegs war. Sie kamen offenbar durch Löcher im Bauzaun und sollen anschließend in einem roten Pkw geflüchtet sein, Zeugen sprechen von zwei bis drei Personen.

Seit den ersten Attacken zu Jahresbeginn wird das gesamte Areal mit hochauflösenden Kameras überwacht, die sich auch zwischen den attackierten Rolltoren befinden. Die Aufnahmen werden nach Auskunft von Polizeisprecher Jan Meinel momentan ausgewertet

DRK-Sprecher Kai Kranich spricht von einer "ganz neuen Qualität" der Angriffe auf Impfzentren: "Einen solchen Brandanschlag hat es in Deutschland meines Wissens noch nie gegeben, das ist beschämend für unser Land", stellt er fest. Die Tat sei "verabscheuungswürdig", hier sei die Bedrohung von Leib und Leben von Menschen "billigend in Kauf genommen" worden: "Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter." Falls hier Impfgegner am Werk gewesen seien, sollten sie sich fragen lassen, "ob sie tatsächlich mit Molotowcocktails Menschenleben schützen wollen". Man lasse sich im Einsatz gegen die Pandemie jedoch nicht beirren, versicherte der DRK-Sprecher am Mittwoch am Ort des Anschlags.

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) verurteilte den Angriff als abscheuliche Tat. «Ich bin sehr erleichtert, dass keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Schaden gekommen sind. Sie engagieren sich täglich, um Menschen mit der Corona-Schutzimpfung einen Schutz vor schwerer Erkrankung zu ermöglichen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur und sprach von einer neuen Eskalationsstufe, nachdem es zuvor wiederholt verbale Angriffe auf mobile Impfteams gab.

Die Linke forderte ein entschiedenes Vorgehen gegen radikale Impfgegner. «Die Staatsregierung muss dem Treiben von Pöblern und Gefährdern entschieden entgegentreten. Sonst wird sich die gesellschaftliche Eskalationsspirale weiterdrehen», teilten Parteichefin Susanne Schaper und der Landtagsfraktionsvorsitzende Rico Gebhardt mit. Radikale Impfgegner wollten mit Anschlägen und aggressiven Verbalattacken ein Klima der Angst schaffen.

«Radikale Impfgegner und Corona-Leugner sind eine Gefahr für die Innere Sicherheit», sagte CDU-Generalsekretär Alexander Dierks. Die Ereignisse in Zittau und Treuen seien ein weiterer Beleg dafür, dass «die aggressive Rhetorik von Impfgegnern, Corona-Leugnern und rechtsextremen Spaltern ihre gefährliche Wirkung entfaltet». Menschen würden dadurch angestachelt, Straftaten zu begehen. «Dagegen muss mit allen Mitteln des Rechtsstaates vorgegangen werden. Wir dürfen hier keine Toleranz zeigen.» Bei einer Impfaktion am Beruflichen Schulzentrums in Zittau war es am Dienstag bei Protesten von Impfgegnern zu tumultartigen Szenen gekommen.

«Dieses Gewaltpotenzial hat nichts mit freier Meinungsäußerung zum Thema «Impfen» zu tun, sondern stellt eine Straftat dar», betonte Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar. Die sächsische Polizei stehe im direkten Austausch mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), um die Orte, an denen sich die Menschen in Sachsen impfen lassen wollen, bestmöglich zu schützen. Das DRK betreibt im Freistaat die Impfzentren und betreut auch die mobilen Teams.

Corona-Leugner und Kritiker von Schutzmaßnahmen hatten immer wieder gegen das Impfen mobil gemacht. Bei einem Angriff in Gera waren nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen vor kurzem zwei medizinische Fachangestellte verletzt worden. (bap/dpa)