Vogtland statt Grand Canyon: Geopark nimmt Form an

Vorhandenes besser verkaufen: Das ist ein Ziel des Geoparks. Ein wichtiger Schritt zur Umsetzung ist nun getan. Wissenschaftler aus Freiberg haben ein Konzept erstellt. Doch entscheidend für den Erfolg ist etwas anderes.

Oberlauterbach.

Was haben August der Starke und die Queen gemeinsam? In ihren Juwelen glitzern Topase aus dem Schneckenstein. Überhaupt ist der Felsen im Vogtland weltweit einzigartig. Ein Geotop der Extraklasse, sagen Wissenschaftler. Aber was nützt das, wenn es keiner weiß? Natürlich nichts.

Vorhandenes besser verkaufen - das ist eines der Ziele des Geoparks "Sagenhaftes Vogtland", der zwischen Falkenstein und Muldenhammer entstehen soll. Seit Monaten laufen die Planungen. Am Dienstag hat ein Team der TU Bergakademie in Freiberg den Zwischenstand im Umweltzentrum Oberlauterbach präsentiert. Die Studie dient als Arbeitsgrundlage für die Umsetzung. Doch entscheidend für den Erfolg ist das Engagement der Bevölkerung.

Martina Becker ist eine von denen, die loslegen wollen. Ihre Heimat liege ihr am Herzen - und die habe etwas Engagement bitter nötig. Noch etwas treibt die Leiterin des Auerbacher Gymnasiums um: "Der Weg zur Natur ist Kindern heute verstellt", sagt sie. Und: "Viele kennen den Grand Canyon - aber nicht ihre Heimat." Dem will der Geopark entgegenwirken. Vom Kleinkind bis zum Rentner sollen alle dort lernen, dass Rohstoffe nicht auf Bäumen wachsen. Wie alles mit allem zusammenhängt kann man besonders gut beobachten, wo sich das Erdinnere nach außen stülpt - oder wo es der Mensch ans Licht gerissen hat.

Weit zurück in die Erdgeschichte haben die Freiberger Forscher geblickt: Die Region um den Schneckenstein ist quasi Mittelpunkt eines Gebirgsgürtels, der vor rund 350 Millionen Jahren entstanden ist und von den Appalachen bis zur Mongolei reichte. Geologische Schätze hat dieser Prozess hinterlassen: Lochstein, Poppenstein, Schneckenstein, die Zinnkammer in Tannenberg, Steinbrüche.

Ins Konzept geflossen ist auch, was das "Sagenhafte Vogtland" an Kultur und Natur zu bieten hat. In Workshops haben Lehrerin Martina Becker und rund 70 andere aus der Region Ideen eingebracht: Radiumquelle, Flößerdorf, Kammloipe, Talsperren und Textilindustrie. Und ja: auch Wölfe und die Schwarmbeben sind Alleinstellungsmerkmale.

Der Geopark ist quasi Label für ein Gesamtkonzept, das die Region touristisch und pädagogisch vermarktet und so auch die Wirtschaft in Schwung bringen will. Wie das geht? Bloßes Vorhandensein reicht jedenfalls nicht, betont Margit Enke, Marketing-Expertin an der Bergakademie. "Die eventhungrige Gesellschaft will Inszenierung." Die Idee: Themen-Pakete, die Natur und Kultur verweben. "Auf den Spuren des Juwels", könnte so ein Paket zum Thema Bergbau heißen. Im Zentrum stünde der Schneckenstein. Es könnte Lichtinstallationen geben, Nachtwanderungen, Suchspiele. Eine Mineralienschleiferei, die zeigt, wie Kronjuwelen entstehen.

Nicht alles wird sich so umsetzen lassen, wie es die Forscher quasi auf dem Reißbrett entworfen haben. Soll es auch nicht, betont Margit Enke. Der Geopark ist kein Korsett, das die Wissenschaftler der Region überstülpen. Er muss wachsen. Margit Enkes Urteil zufolge stehen die Chancen gut. Sie ist begeistert von der Initiative der Vogtländer. "Die haben Lust drauf", attestiert sie.

Viel bleibt zu tun: Besucherzentren müssen geplant, Park-Ranger ausgebildet, Infotafeln aufgestellt, Wanderwegnetze erweitert werden. Ab kommendem Jahr soll ein Geopark-Manager die Abläufe koordinieren. Doch fürs Erste kann, wer mitwirken will, Arbeitsgruppen beitreten. Die Themen: Tourismus, Geologie/Wegeinfrastruktur und Pädagogik. In letztere hat sich Martina Becker bereits eingetragen.


Tourismus mit Gütesiegel

Die Bezeichnung "Nationaler GeoPark" wird in Deutschland nach Prüfung bestimmter Kriterien verliehen. Derzeit gibt es 16 Geoparks in Deutschland. Direkt ans Vogtland grenzt der Geopark Bayern-Böhmen.

Das "Sagenhafte Vogtland" ist ein Projekt der gleichnamigen Leader-Förder-Region. Es umfasst Falkenstein, Werda, Grünbach, Neustadt, Bergen, Ellefeld und Muldenhammer. Rund 500.000 Euro stehen für den Aufbau zur Verfügung, hauptsächlich Fördergeld der EU. (fp)

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