Vor 500 Jahren gegossen: In Werda schlägt eine alte Glocke

Sie entstand kurz nach der Reformation und hat zwei Weltkriege überstanden: die Bronzeglocke der barocken Katharinenkirche. Jetzt muss das gute Stück zur Reparatur - parallel zur Turmsanierung.

Werda.

Hinter der Schule von Werda verbirgt sich ein Kleinod: die St. Katharinenkirche. Denn nicht nur das in den Jahren 1776/77 errichtete Gotteshaus steht unter Denkmalschutz, sondern auch eine der drei dort hängenden Glocken. Die älteste wurde im Jahr 1520 gegossen. "Damit dürfte sie zu den drei ältesten Glocken im Vogtland gehören", sagt Daniel Gerbeth vom Werdaer Kirchenvorstand.

Der Denkmalschutz hat die Bronzeglocke mit einem Durchmesser von etwa einem Meter gleich zweimal vor der Zerstörung gerettet. Denn während des Ersten und Zweiten Weltkrieges wurden jeweils die beiden anderen Glocken abgenommen, zerschlagen und eingeschmolzen. "Die Bronzeglocke durfte damals nicht abgenommen werden, weil sie so alt ist", erklärt Gerbeth, der sich auch mit der Ortsgeschichte befasst. Ersatz gab es zuletzt 1960. Damals erhielt die Kirche zwei Eisenhartgussglocken. Da dieses Material nicht so lange hält, werden die Eisenglocken bald durch zwei neue Bronzeglocken ersetzt.

"Barocke Saalkirche mit Ostturm, im Kern mittelalterlich, von baugeschichtlicher und ortshistorischer Bedeutung." Diese Beschreibung der Werdaer Katharinenkirche steht auf der Denkmalliste des sächsischen Landesamtes für Denkmalschutz. Der mittelalterliche Kern bezieht sich laut Gerbeth auf drei Mauerteile, die beim Neubau des Kirchenschiffes in den Jahren 1776/77 einbezogen wurden. Dieser Neubau vor gut 230 Jahren sei notwendig gewesen, weil das mittelalterliche Gebäude baufällig war. Die Bauzeit der ersten Werdaer Kirche datiert Gerbeth in die Zeit der ersten Erwähnung des Ortes um das Jahr 1250. "Das war wohl damals eher eine Kapelle als eine Kirche."

Der barocke Sakralbau wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder repariert. Zuletzt wurde das Dach des Kirchenschiffes frisch gedeckt und das Mauerwerk trocken gelegt. Eine Großreparatur ist in den nächsten zwölf Monaten für den oberen Teil des Kirchturmes geplant. Dort haben Hausschwamm und Braunfäule gewütet. Auf das Ergebnis zeigt Gerbeth. Im Turm ist das Holz regelrecht zerbröselt. Da der gesamte obere Turm im Fachwerkstil mit Holz gebaut wurde, ist nun die Standsicherheit gefährdet.

In Vorbereitung der Sanierung werden am 16. November alle drei Kirchenglocken abgenommen. Verabschiedet werden sie am kommenden Sonntag, um 11 Uhr, mit einer Andacht. Die Bronzeglocke geht dann zur Reparatur nach Nördlingen, die anderen beiden Glocken werden durch Bronzeglocken ersetzt. Gerbeth: "An der abgenutzten Anschlagstelle der Glocke von 1520 wird neue Bronze aufgeschweißt." Laufen die Arbeiten wie geplant, soll die Glockenweihe vor der Adventszeit 2019 stattfinden. Während der Bauarbeiten wird an der Kirche völlige Ruhe herrschen. Gerbeth vermutet, dass auch die Kirchturmuhr ausgebaut werden muss. Sie schlägt zu jeder vollen Stunde.

Die Sanierung des oberen Turmteils samt dem Auswechseln der zwei Glocken ist mit 330.000 Euro veranschlagt. Bis auf 25.000 Euro hat die Gemeinde den Betrag durch Zuschüsse von der Sächsischen Landeskirche (140.000 Euro), die Leader-Förderung (50.000 Euro), Rücklagen sowie Eigenmittel zusammen. Die Werdaer Pfarrerin Ute Eismann hofft, dass der Restbetrag mit Spenden gedeckt werden kann.

Beim Geldsammeln hat sich laut Gerbeth auch die Junge Gemeinde des Ortes hervorgetan. Die jungen Leute haben an verschiedenen Stellen Kartons aufgestellt, in denen Pfandflaschen abgelegt werden können. Dadurch kamen 630 Euro zusammen.

Spendenkonto Evan.-Luth. Kirchgemeinde Bergen-Werda; Spendenkonto DE 62 8705 8000 3576 0001 18; Spendenzweck: Kirchturm und Glocken.

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