Waldpilze noch radioaktiv belastet

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat den neuesten Bericht veröffentlicht. Auch im Vogtland wurden dafür Pilze untersucht.

Bad Brambach/Auerbach.

30 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl sind im Süden Deutschlands einige Speisepilzarten noch immer stark radioaktiv belastet, unter anderem Maronen- und Sandröhrlinge. Darauf macht das Bundesamt für Strahlenschutz in einem jetzt veröffentlichten Bericht aufmerksam. Wer übliche Mengen nicht überschreite, müsse aber keine negativen gesundheitlichen Folgen aufgrund der Radioaktivität fürchten, hieß es. Die Behörde empfiehlt Pilzsammlern, nicht mehr als 250 Gramm Frischmasse an Waldpilzen pro Woche zu verzehren.

Für die Analyse werden jährlich Pilze an verschiedenen Standorten in Bayern sowie seit 2007 auch im Bad Brambacher Ortsteil Hohendorf als einzigem Kontrollpunkt in Sachsen gesammelt und auf die Kontamination von Cäsium 137 sowie Kalium 40 untersucht. Cäsium hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. In den außergewöhnlich hoch kontaminierten kleineren Gebieten im Bayerischen Wald, im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt, im Berchtesgadener Land sowie in der Region Mittenwald seien heute noch die höchsten Radiocäsiumgehalte in Pilzen zu erwarten, erklären die Autoren des Berichts. Über diesen Gebieten gingen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Anfang Mai 1986 Gewitter nieder. Das radioaktive Cäsium konnte sich in den Waldböden längere Zeit halten als auf Ackerböden. Zudem nehmen es einige Pilzarten auch aus tiefer liegenden Bodenschichten auf. Am Standort im südlichen Teil des Vogtland wurden geringere Werte gemessen. Im Bericht sind einzelne Speisepilzarten nur für die besonders belasteten Regionen aufgelistet.

Das Bundesamt für Strahlenschutz rät, insbesondere auf den Verzehr hoch kontaminierter Pilze zu verzichten. "Bei regelmäßigem Wildpilzverzehr sollte auch aus anderen Gründen eine Menge von 200 bis 250 Gramm Wildpilze pro Woche nicht überschritten werden", heißt es in der Analyse. Pilze können Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium anreichern.

Lothar Roth, Pilzberater aus Adorf und Mitglied des Vereins  Vogtländische Arbeitsgemeinschaft Mykologie, rät verunsicherten Pilzsammlern dazu, die braune Huthaut von Maronen abzuziehen, sollten sie die radioaktive Belastung der Waldpilze fürchten. "Cäsium lagert sich insbesondere dort im Pilz ab", sagt er. Mit der Frage nach der radioaktiven Kontamination der Pilze in vogtländischen Wäldern sei er bei Beratungsgesprächen häufig konfrontiert. Roth betont, dass die Belastung durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 33 Jahren in hiesigen Breiten weit geringer sei als in bestimmten Lagen Bayerns. Zu dem Ergebnis kommt auch das Bundesamt für Strahlenschutz im aktuellen Bericht. Roth und seine Vereinsfreunde selbst schickten über Jahre Proben von Maronen und Steinpilzen verschiedener Fundorte an ein Institut nach Fulda. Der Grenzwert von 600 Bequerel, der auch im Handel für Champignons und Pfifferlinge gilt, wurde nie überschritten, wie Roth den Rückmeldungen entnahm. Doch auch der Pilzberater empfiehlt einen maßvollen Konsum, auch aufgrund der angereicherten Schwermetalle.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    1
    Hankman
    16.10.2019

    Schon komisch, dass es in Sachsen nur eine einzige Stelle gibt, an der die radioaktive Belastung von Pilzen untersucht wird. Vor allem das Vogtland war ja seinerzeit von dem Fallout nach Tschernobyl betroffen. Ich denke, ein oder zwei weitere "Messstellen" im Vogtland wären sinnvoll. Was viele nicht auf dem Schirm haben: Auch heute noch werden - vor allem in Bayern - erlegte Wildschweine auf Radioaktivität untersucht. Da die im Boden wühlen und unter anderem Pilze fressen, nehmen sie auch radioaktive Stoffe auf. Ein Teil der erlegten Tiere wird regelmäßig aussortiert, weil die Belastung zu hoch ist und der Verzehr des Fleisches bedenklich wäre.

    So viel übrigens auch zum Thema "saubere" und "sichere" Atomenergie.



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