Wegen Stasi und DSU: Persigehl fällt als Kandidat in Ungnade

Schon wegen seiner Kreistagskandidatur für die DSU hatte sich der Ex-Fußballer mit den Bürgern für Falkenstein überworfen. Durch die Stasi-Affäre kommt es jetzt zum öffentlichen Bruch.

Falkenstein.

Nach dem Bekanntwerden der Stasi-Vergangenheit von Stefan Persigehl (57) haben sich die Bürger für Falkenstein (BfF) öffentlich von ihrem Kandidaten für die Stadtratswahl distanziert. Nicht öffentlich hat die Wählervereinigung dies nach eigenen Angaben bereits im April getan - nachdem man aus der "Freien Presse" von seiner Kreistags-Kandidatur für die DSU erfuhr. "Da die parteipolitische Unabhängigkeit einer der zentralen Werte der Bürger für Falkenstein ist, wurde daraufhin beschlossen, dass Stefan Persigehl keine politische Zukunft in den Reihen der BfF hat", heißt es in der Stellungnahme. Da ein Rückzug der Kandidatur zu diesem Zeitpunkt leider nicht mehr möglich gewesen sei, habe man Namen und Foto von Stefan Persigehl aus allen Wahlwerbemitteln entfernt und 5000 Wahl-Flyer neu drucken lassen.

Das habe natürlich einige hundert Euro gekostet, erläutert Theo Kießling junior, bei der BfF seit Kurzem zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und ebenfalls Rats-Kandidat: "Aber das mussten wir machen, um glaubwürdig zu bleiben." Durch die aktuellen Recherchen der "Freien Presse" zu Persigehls Vergangenheit als Stasi-Spitzel sehe man die Entscheidung bestätigt, dass dieser keinen Platz in den Reihen der Bürger für Falkenstein hat: "Seine frühere Mitarbeit für das Ministerium für Staatssicherheit kollidiert mit den Werten und moralischen Überzeugungen der BfF."


Stefan Persigehl ist laut Kießling im März auf die Wählervereinigung zugekommen "mit dem Wunsch, sich lokalpolitisch zu engagieren und sich um ein Mandat im Falkensteiner Stadtrat zu bewerben". Damals habe nichts dagegen gesprochen, weil weder seine DSU-Kandidatur noch seine Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit bekannt gewesen seien.

DSU-Parteichef Robert Rink wusste nach eigenen Angaben ebenfalls nichts von Persigehls Stasi-Vergangenheit. Falls er für die Partei in den Kreistag gewählt werde, müsse ein Ausschuss seine Belastung prüfen, so Rink am Montag. Falls er belastet sei, werde man ihm "ans Herz legen, zu gehen". Am Stimmzettel lässt sich definitiv nichts mehr ändern: Stefan Persigehl wird bei der BfF auf Platz 19 für die Ratswahl kandidieren, für die DSU auf Platz 4 für die Kreistagswahl.

Persigehl spielte zu DDR-Zeiten beim FC Karl-Marx-Stadt Fußball. Dort bespitzelte er laut Aktenlage von 1983 bis mindestens 1988 seine Kameraden. Zeitweise hatte er offenbar große Angst vor dem Auffliegen. Bei einem Treffen im August 1986 berichtete der IM Axel Seidel, so Persigehls damaliger Tarnname, von Spitzel-Gerüchten im Oberliga-Kollektiv. Nachdem Details über Reisen nach Österreich und in die Schweiz bekannt geworden waren, äußerten Kameraden den Verdacht, es müsse sie jemand "verpfiffen" haben. Der IM war nach Angaben der Stasi-Leute darüber "sehr aufgeregt".

Im September 1988 erschien Persigehl dann laut Stasi-Bericht "mit schlechter Laune" zum Treff: Er sollte zur Musterung für die NVA, was ihm gar nicht passte. Auch seine Frau habe geschimpft, wurde protokolliert. Lieber wollte er zur Bereitschafts-Polizei. Doch da könne ihm selbst das MfS nicht helfen, wurde ihm mitgeteilt.

Persigehl hat die IM-Tätigkeit 1992 eingeräumt, aktuell wollte er nicht mehr darüber reden. (mit erki)

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