Weiter Streit ums Birkhuhn

Ende August hatte Umweltminister Schmidt das Artenschutzprogramm in Kraft gesetzt. Nun sagt die Initiative Birkhuhnschutz, es sei zu schwammig formuliert. Die Forstlobby warnt umgekehrt vor Waldzerstörung.

Auerbach/Dresden.

Jahrelang war um das Papier gerungen worden, kurz vor der Landtagswahl hatte es Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) jüngst in Kraft gesetzt: das Artenschutzprogramm für das Birkhuhn. Es hieß, alle Seiten hätten sich geeinigt, man habe einen Kompromiss gefunden. Es bestehe Hoffnung für die verbliebenen 30 Tiere in den vier Vogelschutzgebieten des Erzgebirges und Vogtlandes.

Jetzt stellt sich heraus: Weder die Forst- und Waldlobby, noch die Birkhuhnunterstützer sind zufrieden. Die einen verteilten nun einen offenen Brief, die anderen schrieben dem Umweltminister direkt ihre Kritikpunkte. Das Umweltministerium sagt dazu vorerst nichts, das direkte Schreiben werde man beantworten, auf offene Briefe reagiere man generell nicht, sagte Ministeriumssprecher Frank Meyer.

Die Streitpunkte? Für die Initiative Birkhuhnschutz, zu der der Auerbacher Ornithologe Michael Thoß zählt und die insgesamt drei Naturschutzverbände vertritt, ist das gültige Artenschutzprogramm eine Mogelpackung. "Es ist zu schwammig formuliert", erklärt Thoß. Konkret geht es um die Kernflächen für das Birkhuhn, bei denen man sich im Vorfeld auf 720 Hektar in den vier Gebieten insgesamt geeinigt habe. Davon sind Thoß und Co. nach einem Termin Anfang Juli im Ministerium ausgegangen.

Bei genauerem Studium des Programmes habe sich nachträglich herausgestellt, dass durch prozentuale Einschränkungen am Ende nur rund die Hälfte der Flächen herauskommt. Auch die Definition, wie birkhuhnfreundlicher Wald gestaltet sein soll, sei zu offen formuliert. Das führe zwangsläufig zu Problemen in den regionalen Arbeitsgruppen, in denen der Forst dann seine Interessen wieder uneingeschränkt durchsetzen werde, vermutet Thoß. Er kritisiert zudem, dass die Naturschützer die Endfassung des Papiers vor Inkrafttreten nicht nochmals vorgelegt bekommen hätten.

Im offenen Brief der Gegenseite an den Umweltminister, namentlich von sechs Landesverbänden, von der Stiftung Wald bis zur Forstunternehmervertretung, wird unterdessen vor der mit dem Artenschutzprogramm einhergehenden "Waldzerstörung" gewarnt. Angesichts des derzeitigen Waldsterbens sei es unverhältnismäßig, in einem fest definierten Gebiet auf mehreren hundert Hektar jeden Baum über sechs Meter zu fällen.

Die Vogelschützer weisen an dem Punkt darauf hin, dass es sich bei den Birkhuhnflächen um weniger als ein Prozent der Staatswaldfläche in Sachsen handelt.

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