Weltenbummler in Sachen Astronomie

Sternwarten-Chef Olaf Graf hat über seine Amerika-Reisen berichtet. Er hob in den USA in die Stratosphäre ab und besuchte in Chile "Kathedralen der Wissenschaft".

Rodewisch.

Als erster Vogtländer und zweiter Sachse ist Olaf Graf mit dem einzigen fliegenden Stratosphären-Observatorium vom kalifornischen Palmdale abgehoben. Einen Monat zuvor, im Januar, besuchte er in Chile wissenschaftliche Forschungsstätten mit den weltweit größten Teleskopen. Am Freitag und Samstag berichtete der Rodewischer Sternwarten-Leiter erstmals von seinen Missionen. Beide Vorträge waren ruckzuck ausverkauft.

Die wichtigsten Eindrücke in dreieinhalb Stunden zu vermitteln, muss eine Wissenschaft für sich gewesen sein. Schließlich gab es mehr als genug zu erzählen. Auf seiner spektakulärsten Reise sollte Olaf Graf Höhen und Tiefen erleben. Nachdem er sich erfolgreich für einen Forschungsflug mit dem Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (Sofia) beworben hatte, durfte die umgerüstete Boeing 747 der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA dank der Haushaltssperre nicht starten. Als diese Hürde aus dem Weg geschafft war und das Abheben unmittelbar bevorstand, zog ein Schneesturm auf. Der erste in Südkalifornien seit 25 Jahren, erzählte Olaf Graf. Am nächsten Tag streikte die Technik. Weil aus dem ursprünglich geplanten einwöchigen Aufenthalt zwei werden durften, kamen der Vogtländer und drei weitere Lehrer aus Deutschland doch noch in den Genuss eines Nachtfluges bis in knapp 15.000 Meter Höhe. Am Ende wurden es sogar zwei.

Beeindruckt haben Olaf Graf nicht nur der Mars, diverse Galaxien, Polarlichter und der Blick vom Cockpit-Sitz, sondern auch die Technik an Bord. "Das Loch im Rumpf der 747 ist zweimal so groß wie ein Garagentor", erzählte der Physik- und Astronomielehrer seinen staunenden Gästen. Enormen Dimensionen war er schon in der chilenischen Atacama-Wüste begegnet. Unter anderem dem größten bis dato gebauten und von der Europäischen Südsternwarte betriebenen Teleskop im Paranal-Observatorium. Jedes der vier Einzelteleskope habe einen Durchmesser von 8,2 Metern, berichtete Olaf Graf und scheute keine Vergleiche: "Der größte Spiegel in unserer Sternwarte bringt es auf 30 Zentimeter."

Bei einer anderen Dimension musste der Schönbrunner passen. Von den 66 Mega-Antennen des Radioteleskop-Observatoriums ALMA auf über 5000 Höhenmetern konnte er keine eigenen Bilder zeigen. "Dort habe ich mich nicht mehr hingetraut", erzählte Graf. Allerdings hatte die dünne Luft in Kombination mit der Wüstenhitze und Trockenheit auch ihre Vorteile. In der Atacama gäbe es bis zu 350 klare Nächte pro Jahr. Während dieser Reise, die eine Fortbildung chilenischer Astronomielehrer durch deutsche Kollegen zum Kernziel hatte, fesselte Olaf Graf die "Gewaltigkeit der astronomischen Forschungseinrichtungen" besonders. "Das sind Kathedralen der Wissenschaft", sagte er. Allerdings würden sie bisweilen auch Industriehalden gleichen.

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