Wenn das Leben doch noch mal Fahrt aufnimmt

Roland Behne ist schwer krank - so schwer, dass dem Auerbacher kein Fünkchen Lebensfreude mehr geblieben war. Dank des Hospizvereins hat sich das geändert. Und heute wird besonders gefeiert.

Rodewisch/Auerbach.

Roland Behne weiß nicht, wie lange er noch hat: Wochen, Monate, vielleicht länger? Den Blasenkrebs 2010 hatte er erfolgreich überstanden. 2017 war der Krebs wieder da: in Leber und Lymphknoten. Im Herbst 2018 entdeckten die Ärzte Metastasen im Knie. Roland Behne stürzte psychisch in eine Krise.

Heute hat der Auerbacher Geburtstag. 58 ist er geworden. Und er hat wieder Mut geschöpft. An diesem Erfolg sind maßgeblich beteiligt: Romy Baumann und der Hospizverein Vogtland. Des weiteren der Arbeiter-Samariter-Bund, der Radiomoderator Thomas Böttcher und eine Rothenkirchener Bäckerei. Doch von vorn.

Romy Baumann arbeitet als Krankenschwester auf die Palliativstation im Kreiskrankenhaus Obergöltzsch - dort, wo Roland Behne seit Dezember liegt. Das zuletzt entdeckte krankhafte Gewebe im Knochen ist ihm Anfang Januar zwar entfernt worden, doch Roland Behne wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Aus Angst vor den Schmerzen machte er keinen Schritt mehr, verlor zusehends Lebenswillen. Daraus resultierte die Prognose, dass nach dem Krankenhausaufenthalt wohl das Pflegeheim die nächste Station sein wird. Denn Behnes Schwester hat auch die über 80-jährige gemeinsame Mutter noch zu pflegen.

"Roland war am Boden", berichtet Romy Baumann. Im Zentrum stand die Frage: "Was wird aus mir." Romy Baumann ist seit Jahren eine von derzeit 45 Ehrenamtlichen beim Hospizverein Vogtland, der in Reichenbach sitzt. Schnell war der Kontakt zur Auerbacher Vereins-Koordinatorin Claudia Rücker hergestellt. Inzwischen wird fast täglich telefoniert und die zwei Frauen haben es geschafft, Roland Behne wieder auf die Beine zu helfen. Im Moment zeichnet sich ab, dass er wieder nach Hause kann. Wenn es dann zwischendurch auch noch mit der onkologischen Kur geklappt hat.

Doch das allein reicht den Hospizverein-Frauen nicht: Wohin er noch mal reisen wolle, lautete eine Frage. Roland Behne stammt aus Merseburg. Er sei schon viele Jahre nicht mehr dort gewesen, fiel ihm ein. Rücker und Baumann engagierten den Arbeiter-Samariter-Bund mit seinem Wünschewagen. Vor rund einer Woche war es soweit. "Wir waren im Schlossgarten spazieren und haben meine alte Schule samt Kindergarten besucht", berichtet Roland Behne. Und sogar seine ehemalige Kindergärtnerin, 93 Jahre alt, habe er getroffen. "Da habe ich geheult", gesteht er. Sie habe sich sogar an ihn erinnern können.

Roland Behne ist auch großer Fan von Thomas Böttcher, bekannt als Radiomoderator. Das T-Shirt, das das verrät, trägt Behne auch beim Termin mit der "Freien Presse". Als Claudia Rücker Thomas Böttcher anruft, sagt er zu. Am kommenden Samstag wird Roland Behne zu Gast beim Biertheater in Radeberg sein. Böttcher wirkt dort als Akteur in einem Kabarett-Programm mit.

Roland Behne kann es kaum fassen: "Das hätte ich vor vier, fünf Wochen nicht gedacht", sagt er. Und die zwei Hospizverein-Frauen pflichten ihm bei. Bei schwer kranken Patienten würde sich häufig alles um die Krankheit drehen, erläutert Claudia Rücker. Es gehe darum, davon abzulenken. Rücker will Betroffene ermutigen, frühzeitig mit einem Hospizdienst Kontakt aufzunehmen. "Häufig werden wir erst gerufen, wenn gar nichts mehr geht", bedauert sie.

Bleibt die Frage, was sich Roland Behne zum heutigen Geburtstag wünscht. "Noch ein paar Monate mitmachen", sagt der gelernte Bäcker, der zuletzt in der Bäckerei Günnel in Rothenkirchen angestellt war. Auch hier hat Claudia Rücker angefragt und eine Überraschung für Roland Behne organisiert. Davon wusste er bis heute nichts ...

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...