Wenn eine Drohne überm Haus schwebt

Nicht nur in Buchwald gilt: Kamera-Drohnen über Wohngrundstücken sind verboten. Es sei denn, der Eigentümer stimmt zu.

Limbach.

Da staunte eine Frau aus dem Limbacher Ortsteil Buchwald (Name ist der Redaktion bekannt) nicht schlecht, als sie am 20. Oktober gegen 17.15 Uhr eine Drohne über ihrem Grundstück erblickte.

"Sie verweilte über unserem Haus und Hof sowie über dem Hof meiner Schwiegereltern und deren Haus. Das rote Licht war an, also filmte uns jemand", schildert sie. Ihr Mann und ein Bekannter seien mit dem Auto der Drohne hinterhergefahren. Wie sich herausstellte, habe ein Mann, der in der Stadtverwaltung Reichenbach arbeitet, zusammen mit Verwandten die Drohne fliegen lassen. Angeblich nur über einem Grundstück, das einem Bruder gehöre. Die Frau erklärt indes, die Drohne überm eigenen Garten gesehen zu haben, und beklagt einen Verstoß gegen die Drohnen-Verordnung von 2017. Sie fragt: "Sollte ein Mitarbeiter der Stadt Reichenbach (...) nicht wissen, dass Drohnen nicht über Wohngrundstücke fliegen dürfen, wenn sie mehr als 250 Gramm wiegen oder wenn sie optische oder akustische Signale empfangen, übertragen oder aufzeichnen können?" Der Rathaus-Mitarbeiter wollte sich auf Anfrage der "Freien Presse" nicht äußern.

Aus Netzschkau, das eine Verwaltungsgemeinschaft mit Limbach unterhält, teilt Hauptamtsleiterin Angela Schönsee mit: "Der private Drohnenflug in Buchwald wurde in der Stadtverwaltung Netzschkau nicht angemeldet." Überhaupt sei man in der Vergangenheit "über keine weiteren Belästigungen durch Drohnen informiert" worden. Innerhalb geschlossener Ortschaften in öffentlichen Bereichen, die für jedermann zugänglich und nutzbar sind, und im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen sei der Betrieb der zuständigen Ordnungsbehörde und Polizeidienststelle mindestens sieben Arbeitstage vorher schriftlich anzuzeigen. Beim Überfliegen privater Grundstücke müsse der Steuerer laut Landesdirektion Sachsen die Erlaubnis vom Eigentümer einholen.

Und wie ist das in Reichenbach? Bisher wurden im Ordnungsamt der Stadt keine privaten Vorkommnisse mit Drohnen registriert, teilt Stadtsprecherin Heike Keßler mit. "Fühlt sich der Bürger belästigt, weist das Ordnungsamt auf die Möglichkeit der privaten Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft hin."

Sollen private Flächen zu Filmaufnahmen überflogen werden, sei die Zustimmung vom Eigentümer oder Mieter vorher einzuholen, erklärt Keßler. Wenn eine Drohne über städtische Grundstücke fliegen soll, sei die Erlaubnis der Stadt einzuholen. Das Ordnungsamt habe dazu bereits Genehmigungen unter Auflagen erteilt.

Die betroffene Buchwalderin möchte Drohnenbesitzer allgemein wachrütteln, was sie dürfen und was nicht. Verboten ist der Betrieb von Drohnen zum Beispiel über Menschenansammlungen, Unglücksorten, Krankenhäusern, Industrieanlagen, Gefängnissen, Naturschutzgebieten, Hauptverkehrswegen, Flugplätzen sowie Wohngrundstücken. Ist die Drohne schwerer als 0,25 kg, muss sie eine Plakette mit Namen und Adresse des Eigentümers tragen. Ab 2 kg sind besondere Kenntnisse nachzuweisen. Ab 5 kg ist eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde nötig.

Mehr zu den geltenden Regeln der Drohnenverordnung von 2017: www.freiepresse.de/drohnen

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