Wer will das Falkensteiner Kino kaufen?

Das Haus an der Schlossstraße 8 ist legendär, über 100 Jahre flimmerten dort Filme über die Leinwand. Vor sechs Jahren wurde der Betrieb eingestellt, nun will die Besitzerin verkaufen. Das bringt einen Verein in Bedrängnis.

Falkenstein.

Von vier Filmtheatern, wie Kinos früher hießen, hat das an der Schlossstraße 8 am längsten existiert. 1912 eröffnet, lief der Betrieb des Passage-Filmtheaters bis 2013. Nach dem plötzlichen Tod des letzten Betreibers Jens Opitz hatte dessen Familie den Betrieb umgehend eingestellt. Auch aus wirtschaftlichen Gründen. Nun will die Witwe das Haus verkaufen. Bei den sächsischen Grundstücksauktionen soll es am 27. November in Dresden versteigert werden. Mindestgebot: 125.000 Euro.

"Wir wollen damit den letzten Schritt gehen und hoffen, dass das Haus in gute Hände kommt", sagt Isabel Volke, Jens Opitz' Tochter stellvertretend für ihre Mutter. Man wolle und könne die Immobilie, zu der nebst Kino auch zwei vermietete Wohnungen, Büroflächen und ein Ladengeschäft gehören, nicht länger halten. Ebenso passe sie nicht ins Portfolio der Falkensteiner Immobilienfirma FGG, deren Geschäftsführung Volke gemeinsam mit ihrem Bruder Jens Opitz junior inne hat.

Als das Passage-Theater am 8. Oktober vor 107 Jahren eröffnet wurde, war es das dritte Kino für Falkenstein. Das erste hatte 1907, das zweite 1910 eröffnet. Es war die Zeit der Stummfilme, für die es noch Filmerklärer brauchte. Der berühmt-berüchtigte unter ihnen in Falkenstein war der spätere militante Arbeiterführer Max Hoelz. Er soll auch im Passage-Theater "erklärt" haben, weiß Andreas Rößler vom Museumsverein, der die Geschichte der insgesamt vier Falkensteiner Kinos 2012 für eine Ausstellung recherchierte. Rößler bangt nun um die Zukunft des Hauses, das über Jahrzehnte das Kulturzentrum in der Stadt war und seit 2017 temporär wieder vom Kultur-Kombinat bespielt wurde. "Es ist schade", sagt er.

Kinderprogramme, Konzerte, Partys: Einmal im Monat hatte der Verein Kultur-Kombinat, der auf das Engagement von vier Familien zurückgeht, das Passage-Theater wieder mit Leben gefüllt. "Die Silvesterveranstaltung ist ausverkauft", sagt Michael Lienemann vom Verein. Innerhalb von zwei Jahren hatte sich ein festes Stammpublikum gebildet. Er spricht von einer "blöden Situation" im Moment, es drohe das Aus für das Kino. Man wisse seit zwei Monaten von den Verkaufsplänen, es sei ihnen auch angeboten worden. Doch Lienemann winkt ab: "Wir werden es definitiv nicht kaufen", sagt er.

Wie Lienemann erwähnt Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) einen "großen Reparaturstau". Man habe auch der Stadt die Immobilie angeboten, erklärt Isabel Volke. Doch Siegemund äußert sich zurückhaltend. Die anstehende Versteigerung sei bekannt. Mit dem Wissen, dass die Falkensteiner an ihrem Kino hängen, wolle man sich demnächst gemeinsam mit den Stadträten Gedanken machen, so der Bürgermeister. Man müsse jetzt "vernünftig diskutieren".

Ob Einzug der Amerikaner oder Beschlagnahmung durch die Sowjets oder später die DDR-Verstaatlichung: Das Passage-Theater an der Schlossstraße 8 in Falkenstein - es hatte sämtliche politischen Wirren des 20. Jahrhunderts überstanden. Auch die Wende von 1989. Dem Enthusiasmus von Theaterleiter Jens Opitz war es zu verdanken, dass das damals verschlissene Film-Theater noch kurz vorher saniert und obendrein zum schicken Club-Kino wurde. Die Eröffnung fand ausgerechnet am letzten Tag der Republik, am 7. Oktober 1989 statt. An dem Tag galt es eigentlich, bei der zentralen Kundgebung mit der SED-Bezirksleitung zu erscheinen. Doch viele Falkensteiner schauten sich lieber "Dirty Dancing" an.

Bis weit nach der Wende hielt Opitz das Club-Kino am Laufen, doch in einem Filmbeitrag des Vogtland Regional Fernsehens zum Hundertjährigen wird deutlich: Gegen Heimkino-Technik und Digitalisierung hatte der traditionelle Cineast in der kleinen Stadt Falkenstein bald keine Chance mehr. Ein Jahr später schloss das legendäre Kino. (mit bap)

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