Wie eine Firma eine junge Ingenieurin fand

In vielen Branchen ist der vogtländische Arbeitsmarkt wie leer gefegt. Um doch noch Fachkräfte zu finden, ist ein Plauener Unternehmen jetzt einen neuen Weg gegangen.

Plauen.

Opulente Torten, die sind Maryna Gefners große Leidenschaft. Aus Mehl, Butter, Zucker und Früchten eine süße Überraschung zu kreieren, das ist genau ihr Ding. Der Traum der gebürtigen Ukrainerin: Konditorin in Deutschland werden.

Doch als die junge Frau vor wenigen Jahren in die Heimat ihrer Großmutter nach Plauen zog, merkte sie schnell: Ohne eine entsprechende Ausbildung wird es schwer, mit den Torten in Deutschland Karriere zu machen. Zumal die 28-Jährige etwas anderes kann, das mehr als gefragt ist auf dem vogtländischen Arbeitsmarkt: Sie hat einen ukrainischen Hochschulabschluss als Bauingenieurin in der Tasche. Eine begehrte Qualifikation - regionale Arbeitgeber suchen händeringend Fachkräfte auf dem Gebiet.

Doch wie finden die teils aus dem Ausland stammenden Bewerber und regionale Unternehmen zusammen? Dabei soll ein neues Portal helfen, welches das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft (BSW) im Vogtland ins Leben gerufen hat. Das Ziel: im In- und Ausland Fachkräfte für Firmen der Region finden. "In vielen Branchen herrscht Vollbeschäftigung, es gibt kein Personal mehr auf dem vogtländischen Arbeitsmarkt", erklärt Projektleiterin Katharina Grischko. Das Team des BSW streckt überregional und im Ausland seine Fühler aus, es übernimmt erste Gespräche mit Interessenten, hilft bei Wohnungssuche, Sprachkursen oder sucht nach passenden Qualifizierungen.

Über Katharina Grischko vom BSW bekam auch die Ukrainerin Maryna Gefner eine neue Perspektive. Katharina Grischko wusste: Die Firma Bauplanung Plauen sucht stets nach Personal. So stellte sie den Kontakt zwischen Geschäftsführer Karsten Kroll und Maryna Gefner her. Die Beteiligten setzten sich an einen Tisch, prüften die Ausbildung, stellten noch kleinere Wissenslücken fest. Die werden nun mittels Theoriekurs geschlossen. Im Dezember wird Maryna Gefner dann ein Praktikum bei der Bauplanung absolvieren und wenn alles gut geht, könnte sie im Frühjahr als Bauingenieurin dort anfangen. Ein Gewinn für beide Seiten.

Vor allem seit dem Aus der Architektur-Ausbildung in Reichenbach fällt es Bauplanungs-Chef Karsten Kroll zunehmend schwer, Fachpersonal nach Plauen zu lotsen. Rund 50 Mitarbeiter zählt sein Unternehmen, das in ganz Deutschland tätig ist und auch mit großen Firmen wie Siemens oder VW zusammenarbeitet. "Wir haben einen hohen Bedarf, junge Leute aufzubauen. Das ist hier in der Region nicht ganz einfach", sagt er. So sucht er über viele Kanäle: Klassische Jobbörsen, Xing, über Onlineangebote und jetzt auch über das neue BSW-Portal. "Das bringt Vorteile: Man hat gleich einen direkten Kontakt und eine bessere Entscheidungsgrundlage, ob sich das Engagement lohnen würde", sagt Karsten Kroll.

Neben der Bauplanung Plauen setzen auch andere Unternehmen aus dem Vogtland auf das neue Vermittlungsangebot, so zum Beispiel die Firma Plauen Stahl Technologie, das Natursteinwerk Theuma, der Sachsendruck oder IK Elektronik aus Muldenhammer.

Das neue Portal ist Teil der Fachkräfte-Allianz Vogtland, einer gemeinsamen Initiative von Behörden, Firmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen. "Das Rekrutierungsportal ist eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel zu begegnen", sagt Arbeitsagenturchefin Helga Lutz. "Jede Aktion hilft", bewertet Hagen Sczepanski, Geschäftsführer der IHK-Regionalkammer Plauen, das neue Angebot.

Während das Rekrutierungsportal vom BSW vor allem auf den technisch-gewerblichen Bereich ausgerichtet ist, gibt es ähnliche Modelle auch für den Bereich Pflege und Gastronomie. "Wir wollen qualifizierte Leute ins Vogtland holen", so Helga Lutz.

Bei Maryna Gefner ist das bereits gelungen. In Plauen ist sie längst heimisch geworden, kürzlich hat sie geheiratet. Nun muss es nur noch mit dem Job bei der Bauplanung klappen. Ob sie am ersten Tag einen Begrüßungs-Kuchen mitbringt? Maryna Gefner und ihr künftiger Chef lachen - Karsten Kroll und sein Team hätten nichts dagegen.

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