Wie lange reicht unser Trinkwasser noch, Herr Scharch?

Trockenheit und kein Ende: Viele Vogtländer sorgen sich ums kühle Nass. Der Chef des Wasserzweckverbandes erklärt, warum das überflüssig ist. Extreme gibt es dennoch.

Oelsnitz/Klingenthal.

Die Menschen im Vogtland können ohne schlechtes Gewissen Wasser verbrauchen. Das kühle Nass ist in der Region so reichlich vorhanden, dass selbst extremste Trockenperioden am Versorgungsnetz abperlen. Diese Botschaft vermittelte Henning Scharch, Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasser und Abwasser Vogtland (Zwav) gestern im Gespräch mit der "Freien Presse".

Mit zwei Zahlen verdeutlicht Scharch den vogtländischen Wasser-Luxus: Rund 10 Millionen Kubikmeter Trinkwasser werden im Vogtland pro Jahr verbraucht. Rund 30 Millionen Kubikmeter Wasser speichern die Trinkwassertalsperren der Region. "Und diese sind nach wie vor voll", sagt Scharch. Demnach könnte das Vogtland drei Jahre ohne Einschränkungen versorgt werden, selbst wenn alle anderen Quellen dauerhaft ausfallen würden - was sie aber nicht tun.

Neben den Talsperren nutzt der Zwav auch regionale Quellen, sogenannte Dargebote. 45 Wasserwerke speisen vogtlandweit 40 Prozent des Trinkwassers kleinräumig ins Netz ein. 60 Prozent des Wassers kommt aus den Trinkwassertalsperren Dröda (Speicher 17,3 Millionen Kubikmeter), Muldenberg (5,3) und Werda (4,8). Kleinere Mengen stammen auch aus Carlsfeld und Eibenstock. "Durch die Trockenheit hat sich das Verhältnis momentan leicht in Richtung Talsperrenwasser verschoben, etwa 70 zu 30", sagt Jörg Jordan, stellvertretender Leiter Trinkwasser beim Zwav, der noch weitere aktuelle Wasser-Zahlen parat hat.

Gestiegener Verbrauch: Aufgrund der Trockenheit drehen die Vogtländer häufiger den Wasserhahn auf. Der Tagesverbrauch ist von 25.000 auf über 30.000 Kubikmeter gestiegen - ein Plus von 20 Prozent. Reichlich ein Drittel benötigt die Bevölkerung Plauens.

Extreme Tagesspitzen: Einer Erdbeben-Amplitude gleicht die Grafik, wann am Tag das Wasser aus dem Hahn fließt. Vor allem früh und abends schießen Zacken in die Höhe. "Dann wird gegossen und geduscht", wissen die Zwav-Verantwortlichen. Regional gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. Besondere Ausschläge zeigt zum Beispiel ein Teil von Treuen, während es in Plauen völlig gleichförmig zugeht. Schlussfolgerung beim Zwav: Offenbar sind in Treuen die Regentonnen völlig leer, während es in Plauen noch immer Wasservorräte gibt - dank des einen oder anderen Gewittergusses.

Schwächelnde Quellen: Die Trockenheit wirkt sich bei den 45 Wasserwerken sehr unterschiedlich aus. Die Station Korna, die normalerweise fast ganz Oelsnitz versorgt, läuft nur noch zu 15 Prozent. Das Oelsnitzer Trinkwasser kommt jetzt aus der Talsperre Dröda. Auch Wernesgrün (20 Prozent) und Reichenbach (50 Prozent) schwächeln. Ganz anders in Plauen: Die Wasserwerke in Meßbach, Jößnitz und an der Pausaer Straße fördern nach wie vor 100 Prozent. "Auch der Grundwasserspiegel in der Stadt ist bislang nicht gesunken", sagt Jörg Jordan. Die Gründe seien wohl geologischer Natur.

Verschwundene Inseln: Seit der letzten großen Dürre 2003 wurde das Trinkwassernetz im Vogtland erheblich ausgebaut. Verschwunden sind vor allem viele Inseln - Dörfer und Siedlungen mit eigenem Wasserwerk ohne Verbindung zum großen Netz, etwa Rohrbach, Kottenheide, Zwotental oder Unterwürschnitz. Vor 15 Jahren saßen manche auf dem Trockenen, der Wasserwagen rollte. "Das gibt es jetzt kaum noch", sagt Henning Scharch. "Im 2500 Kilometer langen Trinkwassernetz schieben wir das Wasser nach Bedarf hin und her." Das Ganze geschieht weitestgehend per digitaler Steuerung aus der Plauener Zentrale. Hier wird am XXL-Bildschirm das Netz überwacht. Technische Welten liegen zwischen heute und 2003. Tauchen irgendwo Probleme auf, wird sofort reagiert. Scharch: "Das schafft Versorgungssicherheit."

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