Freilichtmuseum Landwüst: Kunsthandwerker mit großen Vorräten

Das Museum verwandelte sich am Wochenende zum achten Mal in einen Kunsthandwerkermarkt. Der Andrang war groß und das Angebot auch. In Coronazeiten wurde fleißig vorproduziert.

Landwüst.

Der Kunde ist bekanntlich König, aber so weit ging die Hochachtung dann doch nicht, dass für ihn deshalb im Eingangsbereich ein Teppich ausgerollt worden war. Zumal kein roter, sondern ein brauner und dann auch alle anderthalb Meter verziert mit einem gelben Streifen. Ein Teppich wegen des unsichtbaren und dennoch allgegenwärtigen Coronavirus und damit verbundener notwendiger Vorsichtsmaßnahmen, sprich Abstandhalten.

Es war am Wochenende unübersehbar, wie sehr es die knapp fünf Dutzend Händler aus Sachsen und Tschechien, wie sehr es auch die Liebhaber von originellem Kunsthandwerk geradezu danach hungerte, nach Wochen geschäftlicher Dürre endlich wieder Atem zu schöpfen, nach Wochen des Veranstaltungsverbots über einen Markt von 1000 Ideen schlendern zu können. Ja, es gibt sie noch: schöne ausgefallene Sachen, die in keinem Ramschladen, 08/15-Geschäft, Supermarkt oder Kaufhaus zu haben sind. Kunstvoll und von Hand gemacht. Sachen, denen anzusehen ist, wie viel Arbeit und Ideen in ihnen steckt, die deshalb auch einen stolzen Preis haben. Liebhaber scheuen ihn nicht, sind gewillt, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Für Heumilchkäse etwa, originelle Töpfer- und Korbwaren, rattenscharfe Messer, Seifen mit exquisiten Düften wie Mango und Flieder, Gedrechseltes oder Dekoartikel für Wohnung und Garten. Die Besucher hatten die Qual der Wahl.

"Freie Presse" befragte Kunsthandwerker, wie sie durch die Coronazeit kommen und bekam unterschiedliche Antworten. Töpfer Uwe Kley aus Kammerforst in Thüringen zum Beispiel nutzte die Wochen, um Ware zu produzieren: "Sie stapelt sich mittlerweile bis zur Decke. Mir fehlen die Märkte. Normalerweise wäre ich jetzt um diese Zeit schon auf acht gewesen. Deshalb kam Landwüst wie gerufen." Im Februar hatten Lutz und Simone Janoud aus Rodewisch ihren Stand mit Töpferwaren das letzte Mal aufgebaut. Auch für sie waren vor allem die Monate April bis Juni "eine verdammt harte Zeit" und "gut, dass es seit Juli wieder nach vorn geht". Stephan Neumann aus Saalfeld versuchte, unter anderem seine Wildholzmöbel im Internet anzubieten, obwohl ihm das eigentlich widerstrebte: "Besser ist es, wenn die Leute meine Sachen sehen und anfassen können. So wie hier in Landwüst."

Ganz anders Desiree Duckhorn aus Lugau. Die aus Grünbach stammende Kunsthandwerkerin entwirft und fertigt vor allem für Babys und Kinder originelle Leder-Treter: "Meinen Laden musste ich schließen. Das war kritisch. Durch den Internetshop hatte ich aber zum Glück weniger Abstriche. Er hat mich gerettet und vor allem die vielen Stammkunden." Auch Daniela Drescher aus Naumburg konnte sich so einigermaßen "durchwurschteln": Statt Teddys nähte sie hauptsächlich Nase-Mund-Masken.

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