Zeulenrodaer Meer trumpft auf: Neues Ferienhaus-Areal entsteht

Klotzen statt kleckern: Nicht weit von den Talsperren auf sächsischer Seite ist im thüringischen Zeulenroda der nächste Superlativ in Sicht - und weitere sind geplant.

Zeulenroda-Triebes.

Die Bauplätze sind abgesteckt. Wo jetzt noch eine von Wald umgebene Wiese liegt, steigen nächstes Jahr Ende Juli die ersten Gäste ab. 21 von Architektenhand geplante Ferienhäuser entstehen in einem direkt am Wasser geplanten Seehaus-Ressort. 28.000 Quadratmeter ist das Areal an der Talsperre Zeulenroda groß, das direkt neben dem von der Stadt betriebenen Strandbad liegt. Läuft es gut, könnten innerhalb weniger Jahre weitere Bungalows auf einem halb so großen Nachbargrundstück wachsen. Seit der Trinkwasserstatus vor knapp sieben Jahren wegfiel, vermarkten Touristiker den Stausee nahe der Landesgrenze zu Sachsen als Meer. Das Zeulenrodaer Meer.

Fünf Millionen Euro investiert das einen Kilometer Luftlinie entfernte Bioseehotel ins neue Feriendorf. Autofrei soll es sein, ans Öko-Konzept des bestehenden Vier-Sterne-Hauses anknüpfen. Elektro-Fahrzeuge bringen die Gäste und ihr Gepäck ins Dorf. Das gehört zum Entspannungskonzept. Was nach Vision klingt, ist der konkrete Plan. "Unser Vorteil ist, dass wir zu keiner Kette gehören. Wir können schnelle Entscheidungen treffen", sagt Hoteldirektor Marco Lange, der auch Vorstandsmitglied im Tourismusverband Vogtland ist. Er lehnt am Geländer der Terrasse des Panoramarestaurants und schaut über den Stausee zum Bauplatz hinüber. Drüben laufen gerade Probebohrungen für die Versorgung der Luxus-Bungalows mit Erdwärme. Schon vor Jahren kaufte das Seehotel das Wassergrundstück für die geplante Feriensiedlung. In anderthalb Wochen werden die Pläne und der Name des Resorts bei einem Pressetermin mit dem Architekten vorgestellt. "Wenn man erst darüber spricht, was man vorhat und dann kauft, wird es teuer", sagt Lange und lächelt. Der gelernte Koch hat viele Pläne. Alle Entscheidungen laufen in enger Abstimmung mit Hans Bauerfeind, dem Vorstandsvorsitzenden des gleichnamigen Mittelstandsunternehmens mit Stammsitz in der Stadt. Hotel und Feriendorf sind in Firmenbesitz. Vor drei Jahren steckte das Hotel sieben Millionen Euro in einen Spa-Bereich. Acht bis zehn Millionen Euro Umsatz generiert das Haus mit 176 Zimmern jedes Jahr, bespielt auch die von der Stadt vor zwei Jahren errichtete Seebühne. Seniorchef Bauerfeind hatte Ende der 1990er Jahre das ehemalige FDGB-Ferienheim gekauft und knapp 30 Millionen DM bis zur Wiedereröffnung investiert. In Zeulenroda beschäftigt der Hersteller für medizinische Hilfsmittel wie Bandagen und Orthesen 1100 Mitarbeiter. Am heutigen Freitag zelebriert das Unternehmen sein Firmenjubiläum zum 90-jährigen Bestehen im Hotel mit 1000 geladenen Gästen. Auch der Ministerpräsident kommt.


Während im Hotel die Vorbereitungen für die große Firmensause laufen, holt Bademeister Harald Krüger am Strandbad die Rettungsringe aus dem Schuppen. Der Sommer macht an jenem Junitag Pause. Gäste sitzen auf den Bänken vor dem Imbiss oder breiten auf der großen Liegewiese mit Spielplatz ein Handtuch aus. An guten Tagen sind es 300 bis 400 Leute. Es ist die vierte Saison im neuen Freiluftbad vor den Grenzen der Stadt. "Es kommen immer mehr Leute von auswärts," sagt Krüger. "Viele schauen erst einmal, was hier entstanden ist."

Es ist erst der Anfang. Die Stadt hat einen Zuschuss für die Anschaffung einer Solarfähre beim Freistaat beantragt. Die Prüfung läuft. Anleger am Strandbad und an der Seebühne für das gewünschte Schiff sind schon da. Der Plan ist, weitere am Bungalowdorf Zaulsdorf und an der Vorsperre zu errichten. Sie sollen Gästen den 20 Kilometer langen Rundweg verkürzen, erklärt Sabine Casper. Sie ist Chefin der Touristinformation am Strandbad. In Glasvitrinen stehen Kaffeebecher mit den Umrissen der Talsperre drauf. Als Souvenirs. Von Mai bis Oktober pilgerten voriges Jahr 10.000 Besucher in den neuen Anlaufpunkt am Meer, das keins ist. "Die meisten Gäste fahren direkt an den See. Immer weniger steuern die Innenstadt an, was natürlich schade ist", sagt die 62-Jährige. Casper verfolgt die Entwicklung am Stausee von Beginn an, auch die mageren, unsicheren Jahre, bevor der Trinkwasserstatus fiel. "Wir haben hier einen langen Atem gebraucht", sagt sie. "Nun zahlt er sich aus." Nächstes Jahr geht Sabine Casper in Rente.

In der Touristinfo und im Hotel werben Prospekte für das sächsische Vogtland, für den Freizeitpark Plohn, Plauen und die Staatsbäder. Im Januar verschaffte sich Hotelchef Lange im Vier-Sterne-Haus in Bad Elster einen Eindruck. "Im Austausch können wir viel voneinander lernen", sagt er. "In erster Linie kann man wohl aber von uns lernen."

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