Zukunft der BG-Klinik in Dorfstadt steht auf der Kippe

Zu wenige Ärzte, zu wenige Patienten: Die Klinik für Berufskrankheiten steckt in der Krise. Bis Mitte Mai soll sich entscheiden, ob und wie es weiter geht.

Falkenstein.

Muss die BG-Klinik für Berufskrankheiten im Falkensteiner Ortsteil Dorfstadt schließen? Oder gibt es Lösungen, durch die der Weiterbetrieb doch noch gesichert werden kann? Dazu läuft seit Ende März eine systematische Prüfung. Ein Ergebnis solle bis 16. Mai vorliegen, teilt Eike Jeske, zuständiger Pressesprecher der BG-Kliniken (siehe Stichwort), auf Anfrage mit. Bis dahin solle ein "umfassendes Gutachten" erstellt werden, "ob und unter welchen Bedingungen der Betrieb der Einrichtung fortgeführt werden kann". Hauptgrund für diese Prüfung ist laut Jeske "ein erheblicher Fachkräftemangel im ärztlichen Dienst", der durch die "geografische Randlage" der Klinik begünstigt werde. Zudem leide die Einrichtung unter der demografischen Entwicklung: Früher typische Berufskrankheiten wie Atemwegs- und Lungenerkrankungen würden seltener, und die verbliebenen Patienten lehnten eine Behandlung in Dorfstadt "aufgrund ihres Alters und der schlechten Verkehrsanbindung" immer häufiger ab.

Jeske bestreitet, dass schon jetzt Patienten in die zweite deutsche Klinik für Berufskrankheiten in Bad Reichenhall umgeleitet werden. Diesen Vorwurf erhob ein Mitarbeiter (Name ist der Redaktion bekannt) gegenüber der "Freien Presse". Nach seinen Angaben bekommen selbst Menschen, die seit Langem regelmäßig in Dorfstadt behandelt werden, keine Reha in der vogtländischen Einrichtung bewilligt: "Die Versicherungsträger schicken die gleich nach Bad Reichenhall." Die rund 100 Beschäftigten seien stark verunsichert, viele würden sich nach anderer Arbeit umsehen. Auch er berichtet von einem beträchtlichen Mangel an Medizinern.

Christoph Ulrich

Ulrichs Bilanz:Der „Freie Presse“-Wirtschaftsnewsletter von Chef­korrespondent Christoph Ulrich

kostenlos bestellen

Trotz allem sei die Patientenversorgung in der BG-Klinik Falkenstein "kurz- und mittelfristig ohne Einschränkungen gesichert", erklärt Pressesprecher Jeske. Es gehe um die langfristige Perspektive. Man habe zwei Hauptziele: die Versorgung der Patienten mit Berufskrankheiten auf höchstem Niveau und eine sichere Berufsperspektive für die Beschäftigten. Auch Versetzungen würden geprüft, bestätigte er.

Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) will sich für die Erhaltung des Klinik-Standorts stark machen. Darüber sei er sich mit Landrat Rolf Keil und dem Landtagsabgeordneten Sören Voigt (beide CDU) einig, zu dritt wolle man im Ernstfall nach Berlin fahren und dort mit dem BG-Vorstand sprechen. "Das ist der einzige Standort in Sachsen - notfalls muss man eben Patienten mit anderen Krankheitsbildern hierher schicken", meint er. Aber zunächst müsse man das Ergebnis der Prüfung abwarten.


Stichwort BG-Kliniken

Die BG-Kliniken (von Berufsgenossenschaft) sind spezialisiert auf Akutversorgung und Rehabilitation schwer verletzter und berufserkrankter Menschen. 13.000 Beschäftigte behandeln 560.000 Patienten pro Jahr.

Zum Verbund gehören neun Akutkliniken, zwei Kliniken für Berufskrankheiten (Falkenstein und Bad Reichenhall) sowie zwei Ambulanzen. Es gibt zwei Standorte in den neuen Ländern (Falkenstein und Halle). In der vogtländischen BG-Klinik behandelten zuletzt rund 100 Mitarbeiter jährlich 1400 Patienten.

Gesellschafter der BG-Kliniken sind die neun Berufsgenossenschaften und neun Unfallkassen Deutschlands. Es gibt eine Muttergesellschaft und GmbHs für jede Klinik, alle Gesellschaften sind gemeinnützig. (bap)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...